20.12.2018, 11:22 Uhr

Dr. Andrea Tomasino gibt Tipps Was tun gegen Rückenschmerzen?

Das Team der Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie der Klinik Mühldorf a. Inn (v. l.): Leitender Oberarzt Dr. med. univ. Andrea Tomasino, Chefarzt Dr. med. Werner Gerstner und Oberarzt Dr. med. Martin Reiser. (Foto: Kliniken Kreis Mühldorf a. Inn)Das Team der Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie der Klinik Mühldorf a. Inn (v. l.): Leitender Oberarzt Dr. med. univ. Andrea Tomasino, Chefarzt Dr. med. Werner Gerstner und Oberarzt Dr. med. Martin Reiser. (Foto: Kliniken Kreis Mühldorf a. Inn)

Rückenschmerzen hat fast jeder mal. Sie können viele verschiedene Ursachen haben. Von nachweislichen Abnützungen bis psychischer Überlastung ist alles möglich. Die Leidensgeschichte der Patienten ist dabei sehr unterschiedlich – ebenfalls die Ausprägung der Beschwerden. Sie reichen vom „Rückenschmerz“ bis zu Lähmungserscheinungen oder sogar Blasen- und Mastdarmstörungen. Deshalb ist die sorgfältige Suche nach der Ursache im Vorfeld sehr wichtig. Wenn die Ursache der Beschwerden gefunden ist, stellt die operative Therapie jedoch in den meisten Fällen die letzte Möglichkeit dar.

MÜHLDORF In der Wirbelsäulentherapie wird zwischen spezifischem und unspezifischem Rückenschmerz unterschieden. Der unspezifische Rückenschmerz nimmt hier den Großteil der Diagnosen ein. Unter spezifischem Rückenschmerz werden Krankheitsbilder wie Bandscheibenvorfälle, Wirbelkanalstenosen und andere direkte Pathologien der Wirbelsäule zusammengefasst. Der unspezifische Rückenschmerz lässt sich keiner dieser primären Pathologien zuordnen und stellt auch keine direkte Operationsindikation dar. Primär wichtig ist die akute Behandlung mittels Schmerzmedikation und Bewegungstherapie. Falls sich die Beschwerden in den ersten Wochen dadurch nicht verbessern lassen, schließt sich eine erweiterte Diagnostik im Sinne einer radiologischen Bildgebung an. Ab diesem Zeitpunkt ist es sinnvoll mit einem Wirbelsäulentherapeuten beziehungsweise Wirbelsäulenchirurg zusammenzuarbeiten. Die Interpretation der radiologischen Bildgebung und die konsekutive Therapieoption sollte mit bedacht und nach Stufenschema vorgenommen werden. Ob nun die Fortführung der Schmerztherapie und Bewegungstherapie indiziert ist oder eine Intensivierung im Sinne von stationärer Schmerztherapie beziehungsweise invasiver Schmerzinfiltration eine Verbesserung bringen, kann nur nach Konsultation eines Wirbelsäulentherapeuten sinnvoll eingeschätzt werden. In der Regel vergehen die Schmerzen nach einigen Wochen und der Patient kann schmerzgebessert oder schmerzfrei im niedergelassenen Sektor weiterbetreut werden. Nicht zu unterschätzen ist in diesem Rahmen die psychische Komponente des Patienten. Hier zeigt sich immer mehr die Korrelation mit Schmerz und Psyche.

Zusammenfassung: Wichtig sind ein „Behandlungskonzept“ und das daraus nachvollziehbare Vorgehen. Gerade im Bereich der Wirbelsäulenerkrankungen bestehen viele unterschiedliche Therapieansätze und Behandlungsphilosophien. Jeder Mensch ist anders und somit ist die Behandlungsform eines jeden einzelnen Patienten individuell anzupassen. Die Wirbelsäulentherapeuten arbeiten zwar nach Versorgungsleitlinien und berufsspezifischen Behandlungsleitlinien. Nichtsdestotrotz ist das ganzheitliche Bild des Patienten von ausschlaggebender Bedeutung. Am Ende jeder Behandlungsstrategie steht eine mögliche Operation. Eine Operation stellt immer die letzte Möglichkeit der Behandlung dar und kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Somit sollte sicher sein, dass ein Risiko eingegangen wird. Falls es Unsicherheiten gibt, ob diese Entscheidung wirklich zielführend ist, sollte auf jeden Fall eine Zweitmeinung eingeholt werden. Diese ist unkompliziert und zeitnah möglich. Termine sind insbesondere in seriösen Wirbelsäulenzentren schnell umsetzbar. Wichtig ist, dass keine offenen Fragen und Zweifel an der vorgeschlagenen Behandlung bestehen, denn die Person trägt das Risiko dieses Eingriffs und ebenfalls mögliche Komplikationen.


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