22.11.2017, 10:17 Uhr

DJ Ötzi im Wochenblatt-Interview „Unter dieser Haube steckt mehr als ,nur‘ der Partymacher“

Zwar nicht am Gipfel, dafür aber in der Wochenblatt-Redaktion haben wir DJ Ötzi alias Gerry Friedle zum Interview getroffen und dabei den „Party-DJ“ von seiner sehr privaten, bodenständigen und auch nachdenklichen Seite kennengelernt.  (Foto: Tobias Grießer)Zwar nicht am Gipfel, dafür aber in der Wochenblatt-Redaktion haben wir DJ Ötzi alias Gerry Friedle zum Interview getroffen und dabei den „Party-DJ“ von seiner sehr privaten, bodenständigen und auch nachdenklichen Seite kennengelernt. (Foto: Tobias Grießer)

Nächstes Jahr startet DJ Ötzi alias Gerry Friedle mit seiner „Gipfeltreffen“-Tour in der Eskara. Vorher schaute der österreichische Superstar zum Interview in der Wochenblatt-Redaktion vorbei.

LANDSHUT/ESSENBACH Mit Hits wie „Anton aus der Tirol“, „Hey Baby“ oder „Ein Stern“ hat er das geschafft, wovon viele Musiker nur träumen: Weltweite Nummer 1-Platzierungen in den Charts (u.a. sogar in Australien und Südafrika!), über 16 Millionen verkaufte CDs und einen Bekanntheitsgrad wie Franz Beckenbauer. Von einem echten Star zu sprechen, ist bei DJ Ötzi alias Gerry Friedle also nicht übertrieben. Warum sich der 46-jährige Tiroler allerdings selbst überhaupt nicht als Star sieht, was er heuer auf dem Jakobsweg gesucht und gefunden hat und wie groß schon jetzt die Vorfreude auf seine im Oktober 2018 in Essenbach startende Tour „Gipfeltreffen – Das große Bergfest“ ist, hat er kürzlich im Wochenblatt-Interview verraten.

Wochenblatt: Gerry, wenn Sie sich und Ihr Leben selbst mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären das?

DJ Ötzi alias Gerry Friedle: Beharrlich, loyal und ein ehrlicher „Zapfn“. (schmunzelt)

Das hat aber, zumindest auf den ersten Blick, wenig mit Ihrem Image als „Partymensch“ zu tun...

Mittlerweile bin ich in meiner Kraft, ich weiß, wo ich hin will und zweifle nicht mehr so an mir. Ich will mich nicht verstellen, sondern die Leute bewegen. Sie nehmen sich Zeit, bezahlen für das Ticket und schenken mir Aufmerksamkeit. Deswegen will ich mich nicht inszenieren und mich hinstellen und sagen, was für ein geiler Elefanten-Reiter ich bin. (schmunzelt) Das ist nicht cool.

Sehen Sie sich dann eigentlich selbst als Superstar?

Überhaupt nicht. Ein Superstar war für mich Frank Sinatra oder Elvis Presley. Vielleicht bin ich es für viele Leute, aber ich will mich nicht so sehen und einfach die Erdung spüren.

Klingt skurril, aber passt eben auch irgendwie zu der Tatsache, dass Sie nächstes Jahr Ihre erste eigene Tournee starten – und das nach fast 20 Jahren im Showbiz. Warum hat’s denn so lang gedauert?

Ich hab mir das nie wirklich zugetraut, war ein großer Selbstzweifler. Für mich ist erst jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, die nächste Stufe zu beschreiten. Jetzt habe ich ein so grandioses, ehrliches Team hinter mir stehen, bei dem ich so sein kann, wie ich bin, dem ich vertraue. Sie investieren in mich, ich investiere in sie – und gemeinsam wollen wir den Gipfel erreichen.

Steht der Tourname „Gipfeltreffen – Das große Bergfest“, dann für den Höhepunkt in Ihrer Karriere?

Es wird mit Sicherheit der Anfang von dem großen Ganzen, was da noch kommt. Bei der Namensfindung der Tour hatte ich ein Bild von Sölden vor mir, mit vielen Dreitausendern im Hintergrund. Jede Bergspitze ist für mich ein Symbol, jeder meiner „Hits“ ein Gipfel. Deshalb ist die Tour natürlich auch so etwas wie ein Best-of aus bekannten und versteckten Hits sowie Songs vom aktuellen Album „Von Herzen“.

Wenn man sich mit Ihrer Biografie beschäftigt, könnten die vielen Berge und Täler ja auch symbolhaft für Ihr bewegtes Leben mit einer nicht allzu leichten Kindheit, einer Krebserkrankung, Depressionen oder einer kurzzeitigen Obdachlosigkeit stehen. Sind es diese Erlebnisse, die Sie so bodenständig bleiben lassen?

Das versteht sich von alleine. Ich habe diese Seiten im Leben gesehen und weiß, wo ich herkomme. Jeder hat seinen Rucksack zu tragen. Und wenn ich meine Geschichte erzähle, dann erzählen mir meine Fans, meine Freunde auch ihre. Mir ist es ganz wichtig, diese gleiche Augenhöhe zu haben. Denn nur so kann ich die Leute mit auf die Reise nehmen. Von oben herab zu handeln, das ist nicht meine Welt.

Gibt es Momente, in denen Sie manchmal glauben, dass das alles nur ein Traum ist?

Ich habe lang gebraucht, um die Erfolge, die ich schon hatte, wahrzunehmen. Fast 15, 16 Jahre. Weil mir der Erfolg von anderen in meinem Umfeld immer abgeredet wurde und ich nach jedem Erfolg wieder eine drüber bekommen habe. Davor wollte ich mich schützen und konnte mich nicht wirklich freuen. Mittlerweile bin ich aber voll stolz, wenn ich zum Beispiel auf dem Oktoberfest an einem Zelt vorbeigehe und da spielen sie gerade einen meiner Songs. Oder wenn ich weiß, dass „Hey Baby“ immer noch beim SuperBowl in den USA gespielt wird. Das ist schon ein cooles Gefühl.

In diesem Jahr waren Sie für 16 Tage auf dem Jakobsweg unterwegs. Viele, die sich für den Pilgerweg entscheiden, sagen, dass sie Zeit zum Nachdenken gebraucht haben. Haben Sie gefunden, was Sie gesucht haben?

Lustigerweise wollte ich gar nichts suchen, ich wollte es einfach laufen und auf mich wirken lassen. Der Weg hat mir unglaubliche Kraft gegeben, weil ich etwas geschafft habe, was mir keiner zugetraut hat. Natürlich gab es Tage, da hat mir alles weh getan. Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Das hätte ich mir nie verziehen. Der Schmerz zeigt einem ja auch, dass du dich endlich spürst, dich endlich wahrnimmst. Ich glaube, um sich zu erfahren, muss man diesen Weg der Reflektion gehen.

Auf dem aktuellen Album „Von Herzen“ gibt es einen Song, der da heißt: „Leb Deinen Traum“. Leben Sie Ihren Traum?

Oh ja. Ich bin mittendrin und er ist wunderschön! (schmunzelt) Ich darf momentan das machen, was ich vom Anfang meiner Karriere an machen wollte. Ich bin bei mir. Ich muss nicht derjenige sein, der sich inszeniert.

Das aktuelle Album ist natürlich immer noch sehr poppig, aber doch mit vielen Liedern etwas nachdenklicher, tiefgründiger...

Man könnte es auch so sagen: Unter der Haube von DJ Ötzi steckt weitaus mehr, als man es sich von mir erwartet, mehr als „nur“ der Partymacher. (schmunzelt) Ich kann die Meinung der Leute nicht ändern. Nur sie können ihre Meinung mir gegenüber ändern und feststellen, dass ihnen das neue Gefühl taugt. Deshalb habe ich in meinen Liedern bewusst immer eine kleine Botschaft drin – selbst bei „A Mann für Amore“: I bin wie i bin, i tanz und i sing, ich mach halt mei Ding, es ist so in mir drin!

Bis zum Tourauftakt sind es ja noch knapp elf Monate hin. Wie bereiten Sie sich auf die „Bergbesteigung“ vor?

Natürlich steht ein Fitness-Programm an, weil man mir die Ausdauer nicht zutraut, was ich gar nicht verstehe. (schmunzelt) Ich bin ja immerhin auch 250 Kilometer auf dem Jakobsweg gegangen. Mehr kann und will ich auch gar nicht beweisen. Wenn ich auf der Bühne stehe, bekomme ich außerdem so viel Energie von den Leuten. Aber ich werde jetzt mehr an meiner Fitness arbeiten – und sei‘s nur deshalb, um meine Crew zu beruhigen. (schmunzelt)

Können Sie schon Genaueres über die Show verraten?

Ich will nichts zu früh verraten. Aber es wird richtig gut. Das Publikum wird mit mir weinen, mit mir lachen, sich mit mir freuen und mit mir zusammen auf eine Reise gehen, in der sie mich und meine Heimat noch näher kennenlernen.

Welche Schlagzeile würden Sie nach dem Tourauftakt in Essenbach gerne über sich und die Show lesen?

„Ui, das hätten wir uns nicht gedacht. Aber super war‘s. Wir kommen gerne wieder!“

Karten für DJ Ötzis Tourauftakt „Gipfeltreffen – Das große Bergfest“ am 3. Oktober 2018 um 20 Uhr in der Eskara Essenbach gibt es u.a. beim Wochenblatt-Ticketservice, (0871) 1419157.


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