10.09.2019, 21:57 Uhr

Verleihung des Denkmalpreises Denkmäler können Geschichten erzählen

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Walter und Dr. Hedwig Bramenkamp, dahinter Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Thomas Niggl und Dr. Maximilian Seefelder. (Foto: Bezirk Niederbayern/Lang)Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Walter und Dr. Hedwig Bramenkamp, dahinter Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Thomas Niggl und Dr. Maximilian Seefelder. (Foto: Bezirk Niederbayern/Lang)

Denkmäler können Geschichten erzählen und wer es einem historischen Haus ermöglicht, dies auch künftig zu tun, der erweist der Gesellschaft große Dienste. Deshalb wird seit 2002 der Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern verliehen. Am Sonntag war es im Festsaal des Bezirksklinikums Mainkofen wieder soweit, diesmal jedoch mit einer Premiere, denn erstmals wurde heuer auch ein Ehren-Denkmalpreis überreicht.

NIEDERBAYERN Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl begrüßte als Vorsitzender des Kultur-, Jugend- und Sportausschusses die Festgäste und machte darauf aufmerksam, dass Denkmäler Zeitzeugen von Umbrüchen seien, an denen die Veränderung über Jahrzehnte, Jahrhunderte hinweg oft eindrucksvoll abzulesen ist. Damit spannte er den Bogen zum bundesweit stattfindenden „Tag des offenen Denkmals“, der heuer unter dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“ stand.

Der Sprung in eine neue Zeit gelang auch dem „Schießl-Haus“ in Kollnburg dank des Engagements von Thomas Niggl – dem diesjährigen Preisträger. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich ging in seiner Laudatio auf die Geschichte des 1767 erbauten Handwerker-Wohnstallhauses im Landkreis Regen ein. Nach zahlreichen Umbauten im Laufe der Jahrhunderte stand das am Baierweg gelegene Haus von 1991 ab leer, bis sich 2011 der Maler Thomas Niggl seiner annahm. Mit Hilfe des Architekten Günter Naumann gelang es ihm, die umfangreichen Schäden zu sanieren. „Das Ziel dabei war der größtmögliche Erhalt der historischen Strukturen“, lobte Heinrich. Bereits zuvor hatte Niggl gemeinsam mit befreundeten Künstlern die Idee eines „Kleinen Hauses der Kunst“ entwickelt, in dem Künstler jeweils für mehrere Monate mietfrei wohnen und arbeiten können, um am Ende bei einem „Wochenende der offenen Tür“ ihre Werke zu zeigen und mit dem Verbleib eines Kunstwerkes langfristig eine „Galerie im Künstlerhaus“ aufzubauen. Laut Heinirch „weit mehr als eine klassische Win-win-Situation“. Denn so könne „das Denkmal durch das nachhaltige Nutzungskonzept erhalten werden. Ein bauhistorisch wichtiges Zeugnis in der Gemeinde ist dadurch gesichert. Die überörtliche Künstlerschaft profitiert von den Nutzungsmöglichkeiten, die das Haus zukünftig bietet. Der Ort bekommt ein Künstlerhaus quasi geschenkt, und seine kulturinteressierte Bürgerschaft erhält eine außergewöhnliche Begegnungsstätte.“

Olaf Heinrich bedankte sich bei Thomas Niggl, der mit seinem künstlerisch geschärften Blick erkannt habe, „welche historische, städtebauliche und volkskundliche Qualität im alten ‚Schießl-Haus‘ steckt“ und es dem Haus damit ermögliche, seine lange Geschichte weiter zu erzählen. Er überreichte die mit 7.500 Euro dotierte Auszeichnung und als bleibende Erinnerung einen gläsernen Panther, das niederbayerische Wappentier. Niggl selbst verwies auf viele andere Gebäude in Niederbayern, deren Verfall dringend aufgehalten werden müsse und für die er sich eine ebenso gute Zukunft wünsche.

Erstmals wurde heuer auch ein undotierter Ehren-Denkmalpreis verliehen, der an das Ehepaar Dr. Hedwig und Walter Bramenkamp aus Landau an der Isar ging. Sie gründeten im Jahr 2000 eine Stiftung und zählen zu den herausragenden Förderern bayerischer Kunst- und Kulturgüter, wie Laudator Dr. Maximilian Seefelder betonte. Der Bezirksheimatpfleger verwies auf rund 50 Projekte, an denen sich die Bramenkamp-Stiftung seither finanziell beteiligt hat – allesamt denkmalpflegerische Instandsetzungen, archäologische Grabungen und Kunstausstattungen. Über die Stiftung seien 900.000 Euro in die Förderung von Kunst, Kultur und Denkmälern geflossen, zusätzlich unterstütze das Ehepaar Bramenkamp diese Maßnahmen aber auch mit privaten Mitteln, deren Höhe sie nicht öffentlich machen. „Das spricht für das großzügige finanzielle Engagement von Dr. Hedwig und Walter Bramenkamp – und für die Bescheidenheit des Ehepaars. Denn man macht kein großes Aufheben darum“, so Seefelder. „Für ihr vorbildliches Engagement und ihre umfangreiche sowie langjährige Förderung der regionalen Kunst- und Denkmalpflege wird Ihnen der Ehren-Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern verliehen.“

Ihre bescheidene Art ging auch bei der Danksagung klar hervor. „Es geht nicht nur ums Geld“, sagte Walter Bramenkamp, sondern darum, „auch persönlich vor Ort zu sein und die Maßnahme von Anfang an zu begleiten. Das ist es, was uns Freude bereitet.“

Am „Tag des offenen Denkmals“ gab es niederbayernweit viele Denkmäler zu besichtigen. Im Preisträgerhaus in Kollnburg konnte sich Bezirkstagspräsident Olaf Heinrich selbst ein Bild von der gelungenen Instandsetzung machen und war begeisert. Danach besuchte er auch das Weiße Schulhaus in Rinchnach sowie den neugebauten Altstadtkindergarten St. Stephan und das Kloster Niedernburg in Passau.


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