07.03.2019, 09:40 Uhr

Museum Erding sucht Zeitzeugen Heimatvertrieben, in Erding angekommen

(Foto: Museum Erding)(Foto: Museum Erding)

Sonderausstellung zu Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Vorbereitung

ERDING Das Team des Museums Erding bereitet zurzeit die kommende Sonderausstellung mit dem Titel „Vom Gehen (müssen) und Ankommen (dürfen): Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten in Stadt und Landkreis Erding“ vor und sucht zu diesem Zweck Zeitzeugen und -zeugnisse zu Flucht und Vertreibung.

Die Ausstellung wird am Samstag, 14. September, zum „Tag der Heimat“ eröffnet, der jährlich bundesweit von den Landsmannschaften begangen wird. Anlass ist das 70-jährige Gründungsjubiläum der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Kreisgruppe Erding.

Die Ausstellung widmet sich aber nicht nur den Geflüchteten und Vertriebenen aus Böhmen und Mähren, sondern allen Deutschen, die in Folge des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat verloren hatten. Dazu gehören auch die Einwohner der ehemaligen preußischen Territorien wie zum Beispiel Schlesien, Ost- und Westpreußen oder die deutschstämmigen Minderheiten in Ungarn, Rumänien, dem ehemaligen Jugoslawien, in Russland oder den heutigen baltischen Ländern. Die angegebene Gesamtzahl der deutschen Heimatvertriebenen schwankt; es wird, je nach Quelle, von etwa zwölf bis vierzehn Millionen Menschen ausgegangen. Der Exodus begann im Herbst 1944 in Ostpreußen als Flucht vor der Roten Armee und dauerte in manchen osteuropäischen Ländern teilweise bis 1950 an. Ungefähr zwei Millionen Menschen fanden dabei den Tod.

In Stadt und Landkreis Erding kamen die ersten Vertriebenen bereits im November 1944 an. Es waren deutschstämmige Siedler der ungarisch-serbischen Region Batschka. Ab 1945 und vor allem zur Jahreswende 1945/1946 trafen Menschen aus allen sonstigen Vertreibungsgebieten in Erding ein. Durch Flucht und Enteignung hatten sie nahezu ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Die hiesigen Behörden waren gefordert, notdürftig Unterkünfte und Verpflegung bereit zu stellen. Bis 1950 waren in der Gegend um Erding über 16.000 Heimatvertriebene angekommen. Dies entsprach einem Bevölkerungsanteil von knapp 22 Prozent.

Die Erdinger Ausstellung greift anhand von ausgewählten Biografien einzelne Schicksale auf und zeigt, wie nach Jahren der Entbehrung die Neuorientierung gelang. Auch der Umgang mit Heimatverlust und Heimweh wird reflektiert. Hierbei waren und sind die Landsmannschaften der Vertriebenengruppen wichtige Ankerpunkte in der neuen Heimat Erding. Rund um die Sonderausstellung findet ein vielfältiges Rahmenprogramm mit Vorträgen, Zeitzeugenberichten, Musik- und Tanzveranstaltungen sowie „Kulinarischem aus der Heimat“ statt.

Das Museum Erding sucht noch Zeitzeugen aus den Vertreibungsgebieten West- und Ostpreußen, Pommern und Rumänien, die über ihre Schicksale und den Neuanfang im Erdinger Land berichten wollen. Wertvoll wären auch Informationen zum Flüchtlingslager Eichkofen oder die Sicht der Einheimischen auf die Neuankömmlinge bzw. das Verhältnis zur amerikanischen Militärregierung oder die amerikanischen Fliegerhorst-Soldaten.

Darüber hinaus nimmt das Museum noch Objekte als Leihgaben für die Ausstellung an wie Fotografien, Fluchtgepäck, Trachten oder auch Mitbringsel aus der alten Heimat.

Interessenten wenden sich bis Ende März an Museumsleiter Harald Krause oder Sammlungsleiterin Elisabeth Boxberger (Telefon 08122/408-158 oder E-Mail museum@erding.de).


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