02.10.2018, 11:16 Uhr

Dudelsackbauer Florian Ganslmeier haucht Holz Melodien ein


37-Jähriger aus Sicking ist gelernter Dudelsackmacher.

SICKING Ein Kanten Holz liegt vor Florian Ganslmeier auf der Werkbank. Er begutachtet das Holz, dreht und wendet es in seinen Fingern und beginnt dann mit der Arbeit. Es wird geschnitten, gefräst, gedrechselt und geschliffen ... Wenn er damit fertig ist, dann hat dieses Stück Holz eine Seele, es trägt in einer Klangwolke Melodien in die Herzen der Menschen, denn Florian Ganslmeier aus Sicking im Landkreis Deggendorf ist Dudelsackbauer. Seine Instrumente erklingen nicht nur in der Region, auch aus Österreich oder der Schweiz kommen Musiker, um sich von dem 37-Jährigen ihren eigenen Dudelsack anfertigen zu lassen.

Musik hat im Leben von Florian Ganslmeier schon immer eine große Rolle gespielt. Mit zehn Jahren hat er Klarinette und Saxophon spielen gelernt. Mit 15 Jahren war er Mitglied einer Jazz Bigband und einer Blaskapelle. Dennoch hat ihn sein beruflicher Weg nach dem Abitur nicht gleich zum Instrumentenbauer geführt. Florian Ganslmeier studierte Informatik und arbeitete erst einmal als Diplom-Ingenieur für Informatik bei einer großen deutschen Firma. Doch dieser Job brachte ihm keine Erfüllung. Und so überlegte er sich, sein Hobby zum Beruf zu machen.

Denn mittlerweile hatte Florian Ganslmeier das Dudelsackfieber gepackt. „Auf einem Mittelaltermarkt habe ich Dudelsackspieler gehört und war sofort fasziniert von dieser Musik“, erinnert sich der zweifache Familienvater. Damals war Florian etwa 20 Jahre alt und hat sich einen vermeintlichen schottischen Dudelsack gekauft. Schnell hat er aber gemerkt, dass das Instrument nicht das hielt, was es versprach. Und weil es in Deutschland nur eine Handvoll Dudelsackanbieter gab und man lange Zeit auf ein Instrument warten musste, überlegte sich der junge Mann, selbst aktiv zu werden. „Ich habe mir eine Drechselbank gekauft und begonnen meinen eigenen Dudelsack zu bauen“, erzählt der 37-Jährige. Doch dass das gar nicht so einfach ist, hat er schnell gemerkt! „Glücklicherweise gab es in meinem damaligen Nachbardorf einen alten Mann, der Musikinstrumente restaurierte und mich unter seine Fittiche nahm“, sagt Florian Ganslmeier. Außerdem hat er sich autodidaktisch viel Wissen über das Internet und Bücher angeeignet.

Die Entscheidung, das Dudelsackbauen professionell zu machen, ist 2009 gefallen. Florian Ganslmeier hängt seinen Computerjob an den Nagel und geht bei einem Dudelsackbauer aus Tübingen bei Stuttgart in die Lehre. Wegen seiner Vorkenntnisse konnte er die Ausbildung in zwei statt in drei Jahren erfolgreich abschließen und trägt seitdem ganz offiziell die Berufsbezeichnung „Holzblasinstrumentenmacher“.

Nach seinem Abschluss hat er sich als Dudelsackbauer selbstständig gemacht und auf einem alten Dreiseithof in Sicking niedergelassen. Seither baut er in den alten Gemäuern des Sacherls seine Instrumente. Bevor er mit dem Bau eines neuen Dudelsackes beginnt, steht immer die Überlegung, was es für ein Dudelsacktyp werden soll. Rund 250 verschiedene Dudelsacktypen gibt es auf der ganzen Welt. „In meinem Kundenkreis und in der Szene an sich ist die Schäferpfeife in G-Dur am geläufigsten“, sagt Florian Ganslmeier. „Mit den eineinhalb Oktaven und den Halbtönen lassen sich viele verschiedene Musikrichtungen bedienen“, fährt er fort.

Der Instrumentenbauer macht an seinen Dudelsäcken alles selber. Zum Bau der Pfeifen verwendet er regionale Hölzer einmal quer durch den Obstgarten: „Das Holz von Apfel-, Birnen-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen eignet sich sehr gut, weil ich für die Pfeifen hartes und dichtes Holz brauche. Außerdem sind diese Holzarten auch sehr dekorativ“, so der Fachmann. Bevor das Holz aber verarbeitet werden kann, muss es gut abgelagert werden. Im Idealfall zehn Jahre, damit das Holz an Spannung verliert. Danach geht es ans Eingemachte: Die Kantenhölzer werden auf Maß geschnitten und an der Drechselbank weiterverarbeitet.

Ein Dudelsack besteht immer aus einem Sack, den Florian Ganslmeier selbst aus Rindsleder näht. Dazu kommen ein Anblasrohr, eine sogenannte Schalmei, also die Spielpfeife, und weitere Bordunpfeifen, die den Grundton erzeugen.

Jeder Dudelsack ist ganz individuell

Wenn alle Einzelteile fertiggestellt sind, kommt Spannung auf bei Florian Ganslmeier: „Holz ist ein Naturprodukt, in das man nicht reinschauen kann und so stellt sich erst am Ende heraus, ob das Instrument auch so funktioniert, wie man es angestrebt hat!“ Wenn dann alles passt, muss dennoch ein Feinschliff her. Wie andere Instrumente muss auch der Dudelsack gestimmt werden. Für den passionierten Dudelsackspieler natürlich kein Problem, denn Florian Ganslmeier spielt nicht nur für den Hausgebrauch, nein, er gehört auch der Band Totus Gaudeo an, die auf vielen historischen Festen auftritt.

Etwa 30 Dudelsäcke fertigt der Sickinger pro Jahr an. Bei 1000 Euro liegt der Einstiegspreis für einen individuell angefertigten Dudelsack, aber weil die Arbeitsschritte sehr zeitintensiv und die Nachfrage groß ist, muss man auch bei Florian Ganslmeier mittlerweile ein Jahr auf seinen eigenen Dudelsack warten.

Auf die Frage, ob das Dudelsackspielen einfach ist, sagt der Profi: „Am Anfang ist es vielleicht etwas schwierig, weil man ja lernen muss, wie man die Luft in den Beutel kriegt. Auch das Gegenspiel von in den Beutel reinblasen und die Luft wieder rauspressen ist Übungssache, die man aber schnell lernen kann.“

Und so nimmt Florian Ganslmeier einen seiner Dudelsäcke in die Hand, bläst den Sack auf und beginnt eine Melodie zu spielen. Die Töne verteilen sich im Raum und faszinieren den Zuhörer. Die tiefen Töne spürt man regelrecht wie ein sanftes Brummen von Hummeln. Die Melodie nimmt einen mit und lässt Emotionen und Bilder im Kopf des Publikums entstehen und so trägt einen die Klangwolke immer weiter in längst vergangene Zeiten ...

Wer auch mal Lust hat, auf einem Dudelsack zu spielen, der kann das bei den 22. Niederbayerische Sackpfeifertagen vom 19. bis 21. Oktober im Schullandheim Habischried ausprobieren. Infos auf http://niederbayern.sackpfeifenclub.de.


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