27.09.2018, 11:58 Uhr

So soll Kaffee sein Schwarz wie die Nacht und heiß wie die Liebe!


Kaffeeröster Jens Kirmse aus Zwiesel ist ein wahrer Kenner des anregenden Getränkes

ZWIESEL Es ist der Duft, der einen sofort gefangen nimmt, wenn man den Laden von Jens Kirmse in Zwiesel betritt. Das Aroma von frisch geröstetem Kaffee steigt einem mit einer angenehmen Duftwolke in die Nase und verlangt nach mehr. Nach einer guten Tasse Kaffee mit einer feinen Crema als i-Tüpfelchen. Kaffee ist schon allein vom Duft her anregend und er ist zweifellos das Lieblingsgetränk der Deutschen. Rund 90 Prozent der Deutschen trinken Kaffee, der eine schwarz, der andere mit viel Milch und Zucker. Am 1. Oktober wird wieder der Tag des Kaffees gefeiert. Einer, dessen Leidenschaft das „schwarze Gold“ ist, ist Jens Kirmse aus Zwiesel. Der 58-Jährige betreibt in der Glasstadt eine Kaffeerösterei mit Kaffeemuseum.

Kaffee hat Jens Kirmse immer schon in den Bann gezogen. Schon als Kind. Während andere Burschen in seinem Alter Coladosen, Bierdeckel und vieles andere gesammelt haben, häufte er alles an, was mit Kaffee zu tun hatte. Und die sonntägliche Kaffeezeremonie bei der Oma war der Höhepunkt der Woche für den „kleinen Mann“. Als er dann bei seiner Konfirmation an der Kaffeetasse seiner Mutter nippen durfte, war er vollends auf den Geschmack gekommen.

In den 1990er Jahren hat er schließlich seinen Job als Instandhaltungsmechaniker aufgegeben, um sein Hobby zum Beruf zu machen. Beim sogenannten Hamburger „Kaffeekönig“ Jens Burg ging er in die Lehre zum Kaffeeröster und eignete sich alles an, was man über das anregende Getränk wissen muss! Heute gibt er sein Wissen im Rahmen von Kaffeeverkostungen und Führungen im Kaffeemuseum in der Prälat-Neun-Str. 4 in Zwiesel weiter und röstet täglich Kaffee für seine Kunden aus der ganzen Welt.

„Auf dem Weltmarkt gibt es nur drei Prozent hochwertigen Kaffee, alles andere ist Industrieware und von der Qualität nicht vergleichbar“, sagt Jens Kirmse. Doch was macht guten Kaffee eigentlich aus und woran erkennt man ihn?

Guten Kaffee erkennt man auch optisch

„Schon an der Optik“, verrät der Experte und hält verschiedene Kaffeebohnen zum Vergleich hin. Während bei dem qualitativ hochwertigen Kaffee eine Bohne der anderen gleicht, schaut das bei der Industriemischung ganz anderes aus: Viele unterschiedliche Bohnen von hell bis dunkel und auch gebrochene sind hier in der Schale. Grund dafür sind der Anbau und die Ernte. Spezialitätenkaffee kommt von kleinen Plantagen und wird auch nur in kleinen Mengen geerntet. Die Kaffeekirschen sind bei der Ernte auch alle reif und werden per Hand gepflückt. Rund vier Monate dauert diese Ernte per Hand. Ganz im Gegensatz zu den großen Plantagen. „Hier fährt eine Maschine durch die Kaffeebäume und nimmt alles mit: reife und unreife Kirschen, Holz, Blätter und so weiter. Und das mindert natürlich die Qualität des Kaffees“, so Jens Kirmse.

Auch die Röstung des Kaffees wirkt sich auf den Geschmack des Getränkes aus. „Eine Handwerksröstung dauert zwischen 20 und 30 Minuten bei 170 bis 200 Grad. Wenn die Bohne zu sprechen beginnt, weiß der Röster, dass der Röstvorgang fertig ist. In der Industrie wird binnen von Sekunden geröstet“, so der 58-Jährige.

Für eine Tasse Kaffee werden rund 60 Bohnen gebraucht. Insgesamt gibt es 80 verschiedene Kaffeesorten, deren Aromen sich deutlich unterscheiden. Es gibt zum Beispiel Kaffeesorten die blumig und süßlich schmecken, andere sind sehr kräftig und würzig im Geschmack und wieder andere erinnern beim Trinken an Schokolade und Nüsse. Doch auch wenn die Kaffeevielfalt fast grenzenlos erscheint, so gibt es doch zwei Sorten, die den Weltmarkt beherrschen: Arabica und Robusta. „Beide Sorten sind sehr ertragreich. Eine Arabica-Kaffeepflanze hat im Jahr 500 Gramm an Ertrag, eine Robusta-Kaffeepflanze bis 2 x 500 Gramm“, erklärt Jens Kirmse den Grund.

Guter Kaffee sollte seiner Meinung nach immer schwarz getrunken werden, denn dann „erkennt man die Güte des Kaffees“. Für den perfekten Kaffeegenuss braucht es nach Aussage des Zwieselers aber nicht unbedingt einen Kaffeeautomaten für 1000 Euro. Auch mit den guten alten Filtermaschinen lassen sich optimale Ergebnisse erzielen, wenn man sich an Folgendes hält: „Wer oben etwas Gutes rein gibt, der bekommt auch ein gutes Tröpfchen in die Tasse!“ Wer allerdings eine schöne Crema auf seinem Kaffee haben möchte, der braucht dazu schon einen Vollautomaten oder entsprechende andere Baristamaschinen, den mit dem Filter gibt es keine Crema. Und auch das Wasser spielt eine Rolle. Kaffee darf nie mit kochendem Wasser aufgebrüht werden. Die ideale Brühtemperatur liegt bei 90 bis 95 Grad. Außerdem sollte das Wasser keine Schwermetalle aufweisen und am besten einen mittleren Härtegrad haben. Ist das nicht der Fall, kann man die Wasserqualität mit einem Filter beeinflussen.

Qualität hat seinen Preis

Für den perfekten Kaffeegenuss ist natürlich auch die Tasse, aus der der Kaffee getrunken wird, wichtig. Aus Porzellan sollte sie sein. Da Porzellan geruchsneutral ist, den Kaffee warm halten kann und darüber hinaus dafür sorgt, dass sich das Aroma besonders gut entfalten kann. Auch der Henkel und die Öffnung der Tasse beeinflussen den Genussfaktor. „Wenn der Duft von der Kaffeetasse hochsteigt, sich das Aroma entfaltet, dann entsteht bei jedem Kaffeetrinker ein Wohlfühlgefühl“, beschreibt es Jens Kirmse. Und so wundert es nicht mehr, dass statistisch gesehen jeder Deutsche rund 165 Liter Kaffee pro Jahr trinkt!

Natürlich hat guter Kaffee aber auch seinen Preis. „Unter 20 Euro pro Kilo ist kein Qualitätskaffee zu bekommen!“, betont Jens Kirmse.

Wer mehr zum Thema Kaffee wissen möchte, der hat am 1. Oktober die Möglichkeit, an einer kostenlosen Führung durch das Kaffeemuseum von Jens Kirmse teilzunehmen. Infos zu den Führungen gibt es unter 09922/7437584.


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