28.08.2018, 10:14 Uhr

Ausstellung Grenzgänge zwischen Niederbayern und Afrika

Museumsleiterin Dr. Marion Bornscheuer führte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich durch die Ausstellung mit Werken von Heinz Theuerjahr. (Foto: Bezirk Ndb/Christine Hochreiter)Museumsleiterin Dr. Marion Bornscheuer führte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich durch die Ausstellung mit Werken von Heinz Theuerjahr. (Foto: Bezirk Ndb/Christine Hochreiter)

Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich besucht die Theuerjahr-Ausstellung im Museum Moderner Kunst in Passau.

PASSAU/WALDHÄUSER Er gilt als Grenzgänger zwischen Waldhäuser im Bayerischen Wald und Afrika und ist zweifelsohne einer der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts in Ostbayern: Heinz Theuerjahr (1913 bis 1991). Das „Museum Moderner Kunst – Wörlen“ in Passau präsentiert derzeit Werke aus dem Privatbesitz von Mitgliedern des Freundeskreises Heinz Theuerjahr. Die meisten waren noch nie öffentlich zu sehen. Museumsleiterin Dr. Marion Bornscheuer führte jetzt Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich durch die Ausstellung.

Der 1913 in Pommern geborene Künstler Heinz Theuerjahr lebte ab 1940 in der Gemeinde Neuschönau im Landkreis Freyung-Grafenau. Wie der Berliner Student dort landete? Theuerjahrs Sohn Hans-Georg, der an der Glasfachschule Zwiesel unterrichtet hat, erzählt gerne, dass sein Vater bei seinen Wanderungen begeistert war von der direkten Art der Holzhauer. Der Wald wurde ein Lebensmittelpunkt. In der Ruhe und Einsamkeit der Naturlandschaft schuf er ein bedeutendes Werk. Sein künstlerisches Credo lautete: „Die knappste Aussage ist die beste.“ Im Zentrum stand die Darstellung von Tieren. 14 Mal brach er von Waldhäuser nach Afrika auf, das für ihn unberührte Natur und eine faszinierende Tierwelt bedeutete.

In Waldhäuser dient heute das ehemalige Gästehaus neben dem Wohn- und Atelierhaus als Galerie. In unmittelbarer Nähe wurde ein Skulpturengarten mit 22 Originalplastiken angelegt. Der Bezirkstagspräsident – zugleich Bürgermeister der Stadt Freyung – fühlt sich dem Bayerischen Wald sehr eng verbunden. Heinrich kennt diesen Platz am Fuße des Lusens gut, wie er berichtete. Er passiert ihn, wenn er zwei- bis dreimal im Jahr auf den Berg wandert.

Der Bezirk Niederbayern fördert das Museum

Das Museum Moderner Kunst (MMK) wird seit Jahren vom Bezirk Niederbayern aus Mitteln der Kulturstiftung gefördert. 2017 und 2018 flossen insgesamt Gelder in Höhe von 50.000 Euro, um den Fortbestand des renommierten Hauses zu sichern. Bornscheuer bat den Bezirkstagspräsidenten, sich für eine weitere Förderung des MMK einzusetzen. Heinrich sagte, dass sich das Museum zu einer Institution von internationalem Rang entwickelt hat. Die herausragende Bedeutung dieser Einrichtung, die sowohl international bedeutende Künstler als auch Vertreter der regionalen Kunstszene präsentiert, für die Kulturlandschaft Niederbayerns stehe außer Zweifel.

Das Museum wurde von dem Architekten und Kunstliebhaber Hanns Egon Wörlen (1915 bis 2014) ins Leben gerufen. Um zeitgenössische Kunstwerke in einem urbanen aber dennoch historischen Ambiente zu zeigen, wurde ein historisches Ensemble aufwendig und mit viel Liebe zum Detail saniert. Im MMK Passau macht gerade das Zusammenspiel von Alt und Neu den besonderen Reiz aus und verstärkt die Wirkung der Kunstwerke. Barocke Holztüren mit Renaissance-Beschlägen, Fichtenholzfußböden, Stuckdecken, ab und an ein spektakulärer Fenster-Ausblick zur Veste Oberhaus – in Kombination mit Bildern und Skulpturen in allen Facetten.

Kunst für möglichst viele Menschen

Das MMK wurde 1990 eröffnet und sorgt mit bekannten Namen wie Beuys, Christo, Warhol, Gulbransson oder Feininger regelmäßig für überregionalen Zuspruch. Die Sammlung des Museums beruht schwerpunktmäßig auf dem Werk von Georg Philipp Wörlen (1886 bis 1954), des Vaters von Hanns Egon Wörlen, sowie dessen Künstlerfreunden aus Österreich und Deutschland und wird in Ausschnitten immer wieder präsentiert. Theuerjahr war von Beginn an Mitglied der sogenannten Donau-Wald-Gruppe, die 1946 gegründet wurde (und sich 1990 auflöste).

Möglichst vielen Menschen die Kunst nahezubringen, war ein Anliegen des Museumsgründers. Dabei geht die Leitung neue Wege – etwa mit einer Slow-Art-Führung oder speziellen Angeboten für Kinder. Im Falle der Theuerjahr-Ausstellung (bis 21. Oktober) gibt es eine Kooperation mit dem Vogel- und Tierpark Irgenöd bei Ortenburg. Die Kinder können mit einem Kombi-Ticket den Zoo besuchen und sich dann im Museum anschauen, wie ein Künstler die Tiere sieht. Die nächste Ausstellung im MMK ist der Sammlung des Künstlerehepaares Annerose und Alois Riedl gewidmet. Den Schwerpunkt bilden österreichische Künstler.


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