08.08.2018, 07:00 Uhr

Einer der letzten Blaudrucker weltweit Josef Fromholzer (91) – der „Blaumacher“ aus dem Wald


Das Spiel mit den Farben ist Josef Fromholzer schon in die Wiege gelegt worden. Bis ins Jahr 1648 reicht die Färbetradition der Familie zurück. Damals lebte der Schwarzfärber Gottfried Fromholzer in Vilshofen und wurde als „kunstreicher Meister“ bezeichnet. Von Vilshofen führte die Fromholzers ihr Weg über Straubing bis nach Ruhmannsfelden, wo seit Generationen immer noch eine Färberei betrieben wird. Nur wenige Blaudruck-Werkstätten haben in der schnelllebigen Zeit überlebt. Die Firma Fromholzer ist eine davon und Josef Fromholzer einer der wenigen Blaudrucker weltweit.

RUHMANNSFELDEN Auch wenn der 91-Jährige das Drucken nicht mehr selber ausübt, so steht er noch täglich im Geschäft, berät die Kunden und weiß viel vom Blaudruck und dem Färbehandwerk zu berichten.

Den Geruch von Indigo hat Josef Fromholzer schon als kleiner Bub wahrgenommen. Erdig und irgendwie eigen, so lässt sich der Stoff der blauen Träume wohl am besten beschreiben. Allein der Geruch hat ihn neugierig werden lassen und so druckte der heutige Firmenchef schon als 10-jähriger Bub Muster auf die Stoffe. „Die Muster vermitteln eine Atmosphäre der Ruhe und Beschaulichkeit“, sagt Josef Fromholzer noch heute über die Faszination des Blaudrucks.

Langsame Technik in schnelllebiger Zeit

Die Arbeitsweise hat sich in den letzten Jahren hier nicht geändert. Zum Teil museumsreife Arbeitsgeräte und Stoffbahnen sowie uralte Model gehören zum Inventar der Firma. Rund 4000 Model an der Zahl sind es, die eine schier unendliche Möglichkeit an zeitlos schönen Mustern auf den Stoff bringen können. Dafür wird eine Stoffbahn am Arbeitstisch aufgesperlt. Anschließend wird der Model in die Farbe getaucht. Wie ein Stempel wird der Model dann auf den Stoff gelegt, der Model wird gedrückt und geklopft, bis die Fläche gefüllt ist. Ansätze zwischen den einzelnen Musterpartien dürfen freilich nicht sichtbar sein. So reiht sich durch geübte Hände eine Blume an die nächste. Dieser gleichmäßige Rhythmus aus eintauchen, anlegen und klopfen bestimmt jeden einzeln Handarbeitsschritt. Egal, ob eine Tasche, ein Kissenbezug oder etwa ein Dirndlstoff angefertigt wird.

Viele der Models sind uralt. Manche stammen sogar aus der Hand eines Fromholzers. „Mein Bruder Alois konnte gut schnitzen und so hat er auch Model für unsere Herstellung gefertigt“, erzählt Josef Fromholzer stolz.

Stolz ist er auch auf die lange Firmentradition. Denn schon seit fast 200 Jahren ist der Familienbetrieb in Ruhmannsfelden ansässig. In den 1950er Jahren schien der Blaudruck vom Aussterben bedroht. Viele Maufakturen mussten schließen, weil sie nicht mithalten konnten, als hochmoderne Maschinen den Markt eroberten. In Minutenschnelle wurden Kunstfasertextilien mit allen möglichen Farben und Dekors bedruckt.

Doch die Fromholzers machten weiterhin blau. Gerade weil der Blaudruck in der heutigen Zeit meist nur noch von Liebhabern gesucht und gekauft wird, kommen Josef Fromholzers Kunden aus ganz Deutschland, zum Teil aus Europa und sogar in Amerika sind die Produkte gefragt.

Auch Wallach-Muster aus Ruhmannsfelden

Neben den eigenen Mustern und Dekors werden hier in Ruhmannsfelden auch Model der Firma Wallach weiter eingesetzt. „Nach der Schließung des traditionsreichen Unternehmens wurden uns die Wallach-Muster und Schablonen zur Verwendung überlassen“, erzählt Josef Fromholzer und beide Firmen ergänzen sich sehr gut. Denn während die Model der Firma Fromholzer hauptsächlich florale und religiöse Muster prägen, setzte die Firma Wallach vor allem auf Figurenmuster.

Und die sind heute nicht mehr nur blau. Ganz bunte Muster und Stoffe gibt es mittlerweile in der Firma zu bestaunen. „Wie überall hat sich auch im Färbewesen über die Jahrzehnte hinweg viel getan und deshalb ist bei uns vieles bunter geworden“, sagt der 91-Jährige. Doch in einer Hinsicht bleibt Josef Fromholzer seiner Linie immer treu: Die Farben haben immer höchste Echtheit, die Werkstücke sind oft im Detail kaum wiederholbare Einzelstücke und ihre Qualität ist besonders hochwertig. „Viele Kunden drücken mir gegenüber das auch so aus: Ihre Produkte haben einen Nachteil, sie halten ein Leben lang“, erzählt der Chef mit einem Schmunzeln. Und auch das macht ihn stolz und voller Freude!


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