16.06.2020, 10:45 Uhr

Sie studierte Schauspiel in Burghausen Julia Gruber ist die Neue in „Sturm der Liebe“


Die Zusage hat sie aus den Socken gehauen hat: „Mein Traum ist damit endlich wahr geworden“

Burghausen/München. In der Rolle der Amelie Limbach ist Julia Gruber „die Neue“ bei der Daily-Soap „Sturm der Liebe“. Im Landkreis ist Julia keine Unbekannte. Sie absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Athanor Fachakademie für Darstellende Kunst Burghausen/Passau. Anschließend wirkte sie in zahlreichen Theater-, TV- (u.a. Rosenheim Cops) und Kinoproduktionen mit. Sie ist Radiomoderatorin, Redakteurin und Synchronsprecherin und hat als Online-Redakteurin für das Altöttinger und das Passauer Wochenblatt gearbeitet.

Zum ersten Mal wird Julia in Folge 3.400 - voraussichtlicher Sendetermin im Ersten: 6. Juli 2020 - zu sehen sein: Als Amelie Limbach ist sie Pferdepflegerin mit Leib und Seele und kennt sich auch sonst mit Tieren bestens aus. Ihr treuester Begleiter ist ihr Pferd Umberto, das sie vor dem Abdecker gerettet hat. Als sie Tim (Florian Frowein) kennenlernt, ist sie sofort von ihm und seinem Hobby Poloreiten fasziniert. Über ihre gemeinsame Leidenschaft kommen sich die beiden näher, doch Amelie bemerkt, dass Tims Herz immer noch für Franzi (Léa Wegmann) schlägt. Sie lässt sichvon Steffen (Christopher Reinhardt) zu einer Intrige hinreißen …

Wir haben uns mit Julia Gruber über ihren Karriereschritt unterhalten.

Wie hast du die Rolle der Pferdepflegerin bei „Sturm der Liebe“ ergattert?

Im Internet gibt es für Schauspieler Castingportale, auf denen man sich präsentieren kann: Vita, Fotos, Schauspiel-Demo etc. Caster und Besetzer haben so die Möglichkeit, Darsteller zu finden und, wenn man auf eine Rolle gegebenenfalls passen könnte, anzufragen. So war es auch für die Rolle der Amelie Limbach. Wir - ich war nicht die einzige Schauspielerin, die angefragt wurde - mussten ein E-Casting machen. Das heißt: Selbst Zuhause mit dem Handy eine Szene aus dem Drehbuch vorspielen – und dann an die Casterin senden. Eine kleine Auswahl an Schauspielerinnen wurde zum Live-Casting eingeladen. Dort traf ich dann zum ersten Mal auf zwei meiner „Sturm“-Kollegen. Mit Florian Frowein und Christopher Reinhardt durfte ich zwei Szenen vor der Kamera drehen. So wurde getestet, wie ich mit den Kollegen vor der Kamera harmoniere und wie schnell ich Regie-Anweisungen etc. umsetzen kann.

Einige Tage später kam dann der wunderbare Anruf: Ich habe die Rolle! Was mich natürlich aus den Socken gehauen hat, schließlich ist mein Traum endlich wahr geworden. Zudem macht es extrem viel Spaß, diese facettenreiche Rolle spielen zu dürfen.

Wie ist deine private Beziehung zu Pferden?

Als kleines Mädchen bin ich extrem viel geritten. Jahrelang bin ich einmal pro Woche zum Reitunterricht gegangen. Ich habe das Reiten, wie wohl fast jedes Mädchen, geliebt. Mit zunehmendem Alter habe ich aber Angst vor Pferden entwickelt. Ich ließ das Reiten sein. Fast 20 Jahre. Bis jetzt. Als die Anfrage für die Rolle der Amelie kam, wollte ich unbedingt die Herausforderung annehmen und mich meiner Angst stellen. Ich wollte diese Rolle, und es sollte nicht an meiner Angst vor Pferden scheitern. Also nahm ich bis zu viermal die Woche Reitunterricht. Mittlerweile schwinge ich mich einmal die Woche auf mein Serien-Pferd, um mit ihm zu trainieren – und ich kann sagen: Ich will jedes Mal gar nicht mehr absteigen! (Sie lacht) Es macht so viel Spaß durchs Gelände zu reiten. Zudem bin ich dankbar, dass ich durch „Sturm der Liebe“ meine Angst vor Pferden wieder verloren habe.

In Corona-Zeiten müssen sicher auch am Set Abstände eingehalten werden. Macht das die Arbeit schwieriger?

Corona hat definitiv unsere Art zu spielen verändert. Amelie Limbach ist neu am „Fürstenhof“. In den ersten Folgen, in denen sie auftritt und sich vorstellt, durfte ich als Schauspielerin keinem Kollegen die Hand schütteln. Ich durfte lediglich sagen: „Hallo, ich bin die Neue. Ich heiße Amelie Limbach.“ Das fühlte sich sehr ungewohnt an. Schließlich hat man eigentlich den Impuls, sich bei einer Begrüßung die Hand zu geben.

Am Set gilt zudem absolute Mund-Nasen-Schutz-Pflicht. Aber Maske und Make-up sind nicht gerade beste Freunde. Während der Proben, wie die Szene gedreht werden soll – sprich: Wer, wo steht, und welche Emotionen gespielt werden – müssen wir Schauspieler Mundschutz tragen. Erst wenn die Szene gedreht wird, dürfen wir die Maske abnehmen. Das heißt für uns: Vor den Spiegel treten und selbst Hand anlegen, denn Maskenbilder sind am Set nicht erlaubt. Wir versuchen dabei unser Bestes zu geben. Ich denke, uns Frauen ist es zu Beginn ein bisschen einfacher gefallen. Aber es gab den ein oder anderen männlichen Kollegen, der sich gefragt hat: Was ist denn bitte ein Concealer? Auch wenn sich die Bedingungen definitiv geändert haben, bin ich trotzdem unglaublich dankbar, dass ich drehen darf. Für mich als Schauspielerin ist ein Traum wahr geworden. Zudem denke ich in diesen Zeiten immer wieder an meine selbstständigen Künstler-Kollegen, die wegen Corona vor dem Existenz-Aus stehen. Da nehme ich Selbst-Schminken, Mundschutz und 1,5 Meter-Abstand halten gerne in Kauf.

„Sturm der Liebe“ steht für Irrungen und Wirrungen des Herzens – wie gehst du mit Kussszenen usw. um?

Auch wenn ich jetzt schon länger als Schauspielerin arbeite und schon mehrfach Schauspiel-Kollegen auf der Theaterbühne oder vor der Kamera küssen musste, ist es doch immer wieder aufregend und ungewohnt. Schließlich ist Küssen für mich doch etwas sehr intimes – das macht man ja eigentlich nicht mit Jedem. Normalerweise. Aber Kuss- oder Liebes-Szenen gehören einfach zum Beruf dazu und zum Glück verstehen Florian Frowein und ich uns sehr gut.

Wie sieht deine Arbeitswoche aus?

Wir drehen von Montag bis Freitag. Mein Drehpensum liegt in der Woche bei drei bis fünf Drehtagen. Das ändert sich von Woche zu Woche, je nachdem, welche Geschichte gerade erzählt wird, also wie viele Szenen man hat. Es gibt Tage, an denen ich zum Beispiel nur eine Szene drehe, es gibt aber auch Tage, an denen bin ich von morgens bis abends am Set. Das können dann schon mal mit Anfahrt zum Set und nach Hause gebracht werden zwölf Stunden sein. Wir drehen ja nicht nur auf dem Bavaria Film-Gelände in Grünwald, sondern zum Beispiel auch im bayerischen Umland.

Musst du für deinen neuen Job deinen Wohnort verlegen? Wenn ja, wohin?

Gebürtig stamme ich ja aus der Oberpfalz. In Burghausen und Passau habe ich an der Athanor Fachakademie für Darstellende Kunst studiert. Danach war ich in Regensburg, zuletzt war Nürnberg meine Heimat, die ich jedoch für meine Rolle in „Sturm der Liebe“ gerne verlassen habe. Jetzt ist also München mein Zuhause.

Wirst du Zeit haben dein „Sturm der Liebe“-Debüt selbst mit Freunden und Familie am TV zu verfolgen?

Ich vermute, dass ich an dem Tag der Ausstrahlung drehen werde. Aber ich werde mir die erste Folge sicher abends mit Freunden, vielleicht auch mit ein paar „Sturm“-Kollegen gemeinsam in der Mediathek anschauen – wenn die Corona-Regelungen das zulassen. Schließlich will man ja auch selbst wissen, was man da so fabriziert … Die Familie wird wohl nicht extra nach München kommen. Aber gucken werden sie es auch auf alle Fälle.