27.07.2018, 14:01 Uhr

Doppelkonzert im Park Glasperlenspiel und Max Giesinger in Tüßling


Es wird wieder musiziert im Schlossgarten von Tüßling. In etwas kleinerem Maßstab als in den vergangenen Jahren, in denen man vor lauter Tribünen den schönen Park gar nicht mehr sah. Das Festival hat etwas von seiner Gemütlichkeit der Anfangsjahre zurückgewonnen. So herrschte am Donnerstag vor dem Doppelkonzert von Glasperlenspiel und Max Giesinger entspannte Picknick-Atmosphäre im Park.

TÜßLING. Das Wetter spielte mit, nach den Gewittern des Vorabends war es fast ein wenig zu schön. Das Publikum suchte die schattigen Plätze unter den mächtigen Parkbäumen. Nur 200 hitzeresistente Hardcore-Fans sicherten sich die Plätze ganz vorn an der Bühne, um ihren Stars möglichst nahe zu sein. Es wäre gar nicht nötig gewesen, denn sowohl Glasperlenspiel-Sängerin Carolin Niemczyk wie später auch Max Giesinger verließen die Bühne und suchten den direkten Kontakt mit dem Publikum.

Sehr zur Freude der ganz jungen Fans, die in beiden Fällen mit Kreischalarm reagierten.

Dass Glasperlenspiel als Duo Karriere gemacht haben, gerät beim Liveauftritt fast in Vergessenheit. Sänger und Keyboarder Daniel Grunenberg verlässt nur selten seinen Platz im hinteren Bereich der Bühne. Diese wird beherrscht von Sängerin Carolin Niemczyk. Sie bildet nicht nur optisch den Mittelpunkt mit ihrer blonden Mähne und ihren endlos langen Beinen. Fast allen Songs drückt sie mit ihrer Stimme den Stempel auf, kräftig unterstützt von Backgroundsängerin Silvia „The Voice“ Dias, die ihr gesanglich mindestens ebenbürtig scheint. Neben allen Hits von Glasperlenspiel bekommt das Publikum auch ein wenig Aerobic-Animation, bei der alle brav mitmachen. Wenns mal mit der Musik nicht mehr klappen sollte, würden Fitnessstudios und Volkshochschulen Carolin sicher sofort als Trainerin engagieren.

Als sich nach etwas mehr als einer Stunde alle warmgeturnt haben, folgt eine relativ lange Umbaupause. Die Drums von Max Giesingers Schlagzeuger werden abgeschirmt hinter Glaswänden aufgestellt, das hat er sich wohl bei Rea Garvey abgeschaut. Dass Max Giesinger die Fans begeistert, das liegt nicht nur an seinem ausgiebigen Spaziergang durchs Publikum, bei dem sich ihm Hände und Handys gleichermaßen entgegenstrecke. Oder daran, dass er gleich am Anfang des Konzerts mit Haindlings „Bayern des samma mia“ punktet. Er hat vielmehr das gewisse Etwas, das nicht nur bei den ganz jungen Mädchen gut ankommt. Er ist der eine unter 80 Millionen, den fast alle mögen. Er ist der Versteher, der eine Art Geborgenheitsgefühl vermittelt. Da ist es ziemlich egal, was er singt und dass er noch nie auf Platz 1 der Charts stand.

Die meisten der knapp 5000 Besucher, von denen der Großteil Glasperlenspiel und Max Giesinger zum ersten Mal live erlebt haben, gehen glücklich und dankbar nach Hause. Und der eine oder andere wird vielleicht am Samstag wiederkommen, wenn James Blunt für einer größeren Zuschauerzahl im Schlosspark singen wird.


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