17.06.2018, 09:10 Uhr

Kloster Raitenhaslach Hera Lind erzählt aus ihrem schillerndem Leben


Die in Salzburg lebende Autorin und Sängerin reiste mit dem Fahrrad zu ihrem Auftritt an.

RAITENHASLACH/BURGHAUSEN. Das war eine Premiere in doppelter Hinsicht. Erstmals wurde der Gewölbesaal im Kloster Raitenhaslach für eine öffentliche Veranstaltung genutzt. Hera Lind, mit mehr als zwölf Millionen verkauften Büchern eine von Deutschlands erfolgreichsten Schriftstellerinnen erzählte dort am Freitagabend aus ihrem schillernden Leben. Und noch weit erstaunlicher:

Die in Salzburg lebende Autorin und Sängerin reiste mit dem Fahrrad zu ihrem Auftritt an. Vier Stunden war sie mit ihrem E-Bike unterwegs, weil sich sich am Salzachradweg verfahren hatte und von Tittmoning aus nicht auf der deutschen, sondern auf der österreichischen Seite geradelt war und dann von Burghausen aus wieder zurück bis Raitenhaslach musste. Vor ihre 60, zu 99 Prozent weiblichen Anhänger, trat sie bestens aufgelegt, nicht ohne zuvor am Eingang das Veranstaltungsplakat mit dem Aufkleber „Ausverkauft!“ abgelichtet zu haben. Anders als es andere Autoren bei solchen Gelegenheiten tun, las sie nicht aus ihren vielen Büchern, von denen sie pro Jahr durchschnittlich zwei Stück schreibt, sondern plauderte erstaunlich offen über ihr Leben. Von ihrem Lehramtsstudium über ihre Karriere als Mezzosopranistin, der ersten Nacht mit dem späteren Vater ihrer vier Kinder bis hin zu ihrem ersten Buch, das sie während einer Schwangerschaft verfasste. Mit ihrem dritten Buch gelang ihr der größte Erfolg: „Das Superweib“, wurde von Bernd Eichinger verfilmt und verhalf der damals noch unbekannten Veronica Ferres zum Durchbruch.

Rund eine Stunde lang schilderte Hera Lind die Sonnenseiten in ihrem Leben. Im zweiten Teil des Abends ließ sie das Publikum auch an den weniger schönen Momenten in ihrem Leben teilhaben. So hatte sie sich während Dreharbeiten auf dem Traumschiff in einen Hotelmanager verliebt.

Als die Beziehung bekannt wurde, kündigten Fernsehen und Buchverlage ihre Verträge. Und weil sich niemand um ihre Finanzen kümmerte, wurden aus einem Vermögen Millionenschulden. Trauriger Tiefpunkt: Nachdem sie die Story zu Udo Jürgens Musical „ Ich war noch niemals in New“

geschrieben hatte und das Ergebnis in „Wetten Dass?“ vorgestellt werden sollte, wollte sie der Sänger in der Sendung nicht dabei haben, weil er fürchtete, das könnte seinem Ruf schaden. Nach mageren Jahren, in denen sie mit ihrer Familie von der Villa am Mondsee in eine gemietete Altbauwohnung in Salzburg umziehen musste, gibt es jetzt wieder Licht am Ende des Tunnels. Pro Jahr schreibt sie inzwischen mindestens zwei Bücher, meist auf Tatsachen basierende Romane. Und auch im Fernsehen soll es in den kommenden Jahren wieder Hera-Lind-Verfilmungen geben. Ab

2020 will sie mit ihren Geschichten im ZDF an den Sonntagabenden Rosamunde Pilcher ablösen.

Bis dahin will sie sich mit Sport fit halten, sie läuft eigenen Angaben zufolge täglich 18 Kilometer. Oder sie ist mit dem Fahrrad unterwegs, so wie an diesem Wochenende in den Landkreisen Altötting und Mühldorf. Denn nach ihrem Auftritt in Raitenhaslach wollte sei nicht sofort zurück nach Salzburg, sondern erst einmal die Inn-Salzach-Region erkunden.


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