30.04.2018, 10:05 Uhr

Diese Jungs müsst Ihr sehen Tollkühn, schwindelfrei und pappig - Die „Zeiinger Maibaumsteiger“


Nur mit Pech an Händen und Füßen wagen sich diese Burschen hoch hinauf

ZEILARN/MARKTL. Mit 15 Jahren hat Rainer Preisinger (25) zum ersten Mal Männer auf einem Maibaum rumkraxeln gesehen. „Das hat mich narrisch interessiert“, erinnert er sich, und dass sein Vater ihn einfach zum Fragen zu den Kraxlern geschickt hat. „Da hieß es dann ,kimm, streich di ei, dann geht´s dahi´!“ Mit gehörigem Respekt kletterte er los, ab fünf Metern Höhe kam die Angst dazu: „Aber im Jahr darauf war ich voll dabei!“

Seit zehn Jahren gehört er zu den „Zeiinger Maibaumsteigern“, die die bayerische Tradition des Maibaumkraxelns am Leben halten. Die Zeilarner Gruppe – Zeilarn liegt im Landkreis Rottal-Inn, nur ein paar Maibaumlängen vom Landkreis Altötting entfernt – bietet in luftiger Höhe unterm Maibaumkranz ein atemberaubendes Showprogramm, bei dem einzigartige Akrobatik und unglaubliche Kunststücke am Baum vorgeführt werden. Sogar in Frankreich wollte man sie schon sehen – leider musste die Truppe aus terminlichen Gründen absagen.

Kaum zu glauben: Die waghalsigen Kletterer arbeiten ohne Absturzsicherung, sie halten sich nur durch das auf Hände und Füße geschmierte Pech an den glatt gehobelten und bis zu 30 Meter hohen Maibäumen.

Rainer ist das Sprachrohr der „Zeiinger“ und kann im Namen aller sagen: „Wer einmal mitmacht, bleibt dabei. Das Maibaumkraxeln ist eine Sensation, es kann nicht jeder und macht einfach brutal Spaß!“

Das Training am Baum beginnt jedes Jahr im April, wenn´s langsam wärmer wird. Eine gewisse Fitness ist für die fünf bis acht Burschen Voraussetzung. In Rainers Stadl in Massing steht ein 10-Meter-Baum. Daran wird vor der Klettersaison zweimal die Woche jeweils zweieinhalb Stunden lang trainiert.

„Wer einmal mitmacht, bleibt dabei“

Schon eingerechnet ist das Aufbringen und Abwaschen der Pech-Spezialmischung. Sie ist das einzige Hilfsmittel mit dem die „Maibaumsteiger“ ihren Halt am Baum verbessern. Rainer kocht sie selbst im Freien, denn: „Das raucht wie Sau und stinkt fürchterlich!“ Die Mischung besteht aus Saupech, Riemenfett, Salatöl und etwas mehr – aus was genau wird natürlich nicht verraten. Abwaschen lässt es sich mit Fett.

Wichtig fürs sichere Maibaumsteigen ist das Wetter. Ist es unter 15 Grad kalt, haftet das Pech nicht gut genug. Regnet es, fällt die Kletterei sowieso ins Wasser. Auch der Durchmesser des Maibaumes muss stimmen. „30 Zentimeter sind für uns optimal“, erklärt Rainer. „Ist der Baum zu dick, kommen wir mit unseren Armen nicht mehr rum, dann kann man die Akrobatik vergessen.“

Passiert ist den „Zeiinger Maibaumsteigern“ bei ihren Auftritten noch nie etwas. Wenn einen die Kraft verlässt, wird sofort abgebrochen – ein Absturz wäre einfach zu gefährlich. Blaue Flecken oder „Riefan“ von der Reibungshitze „beim Herunterrutschen im langärmligen G´wand“ sind ganz normal.

Wer die tollkühnen Burschen mit ihren pappigen Händen und Füßen mal „live“ am Maibaum erleben will, hat hier Gelegenheit: 1. Mai, Marktplatz Bad Birnbach; 6. Mai, Altenried bei Stuttgart; 12. Mai, Minigolfanlage Simbach am Inn; 20. Mai in Rogglfing; 21. Mai in Rottenstuben (bei Hebertsfelden) beim bekanntesten Maibaumsteigen der Region vor rund 3.000 Zuschauern. Hier gehören die „Zeiinger Maibaumsteiger“ jedes Jahr am Pfingstmontag zum festen Programm.

Mehr zu sehen gibt es unter www.zeiinger-maibaumsteiger.de und auf Facebook.


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