29.06.2020, 14:03 Uhr

Kirchenstatistik 2019 „Wir sind Kirche“ sieht Zahlen als „erschütternde und traurige Bilanz jahrzehntelanger Fehlsteuerungen“

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Die Kirchen-Volksbewegung „Wir sind Kirche“ sieht die am Freitag, 26. Juni, veröffentlichten Zahlen der Kirchenstatistik als erschütternde und traurige Bilanz des jahrzehntelangen Herumlavierens der Kirchenleitungen. Die immer wieder wechselnden und von den Kirchenleitungen verordneten so genannten Pastoralkonzepte gehen an den theologischen Erkenntnissen und den Bedürfnissen der Gemeinden vorbei.

Bayern. Die sprunghaft auf den neuen Höchstwert von 272.771 angestiegene Zahl der Kirchenaustritte (sogar noch 26,2 Prozent mehr als 2018) hat viele Gründe. Die langwierige und trotz anzuerkennender Fortschritte immer noch zögerliche Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt ist sicher ein wesentlicher Grund, gepaart mit immer noch ausstehenden Entschädigungsregelungen, die den Betroffenen einigermaßen gerecht werden. Die grundsätzliche Diskriminierung von Frauen durch die Verweigerung der Weihe ist sicher für viele, auch für Männer, ein Zeichen von Halsstarrigkeit, die in einer Gemeinschaft, die sich auf Jesus, den Christus beruft, keinen Platz haben darf und der sie deshalb der Rücken kehren. Der noch einmal von 9,3 auf 9,1 Prozent zurückgegangene Gottesdienstbesuch ist als logische Folge des immer noch betriebenen Abbaus von Gottesdienstangeboten, von Pfarreischließungen und -zusammenlegungen sowie des Festhaltens an überkommenen Personalstrukturen zu sehen.

Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Limburger Bischof Dr. Georg Bätzing, verdient alle Unterstützung, wenn er „mutige Veränderungen in den eigenen Reihen“ fordert und zu Recht die Frage stellt, wie Kirche den Menschen wieder eine Beheimatung in der Kirche geben kann. Es bleibt zu hoffen, dass der Synodale Weg trotz der corona-bedingten zeitlichen Streckung möglichst bald zu konkreten Ergebnissen in den seit Jahrzehnten drängenden Reformanliegen führt und diese dann auch umgesetzt werden.


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