28.03.2020, 20:29 Uhr

Hirtenwort „Wir werden Ostern feiern, wenn auch ein wenig anders! “

 Foto: Julia Wächter Foto: Julia Wächter

Am Sonntag, 29. März, wendet sich Bischof Rudolf Voderholzer in Regensburg an die Gläubigen.Er wird sein Hirtenwort am Sonntag im Dom predigen – vor leeren Bänken, den auch Gottesdienste können in der Corona-Krise nicht wie gewohnt stattfinden.

Regensburg. Im Folgenden lesen Sie die Kurzfassung des Hirtenwortes „Ostern unter den Beschränkungen der Corona-Krise“. Die Langfassung findet sich als Text-, Audio- und Videodatei auf der Homepage des Bistums unter www.bistum-regensburg.de.

Hirtenbrief am 5. Fastensonntag 2020

Erstmals in der Geschichte der Kirche wird es nicht möglich sein, unser höchstes Fest, das Fest der Auferstehung Christi, in leibhaftiger Gemeinschaft zu feiern. Niemand hätte sich das noch vor vier Wochen vorstellen können!

Ich will mich zuallererst an die Erkrankten wenden, die um ihr Leben bangen. Unsere Gedanken und Gebete sind bei Ihnen. Seien Sie gewiss: Gott der Herr verlässt Sie nicht! Mit der Kirche beten wir für Sie: „Der Herr nehme von Ihnen alle geistigen und körperlichen Schmerzen. In seinem Erbarmen richte er Sie auf und mache Sie gesund an Leib und Seele.“

Dann ist es mir ein großes Anliegen, von Herzen zu danken: allen, die in den Krankenhäusern, Altenheimen, Sozialstationen und Laboren unter Einsatz all ihrer Kräfte arbeiten, allen, die in der Politik und in der Wirtschaft täglich weitreichende Entscheidungen fällen müssen, den Pfarrern und den pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den vielen Frauen und Männern in den Pfarreien, die mit Kreativität und Leidenschaft für die Menschen da sind und ihnen das Evangelium verkünden und Gottes Zuwendung vermitteln. All das bewegt mich sehr und ich bin stolz auf Sie alle!

Die durch die Corona-Pandemie verursachte Situation unterscheidet sich von den bisher bekannten Krisen wie Kriegszeiten oder Naturkatastrophen. Die jetzige Krise betrifft die gesamte Menschheit, die sich gerade in dieser Bedrohung als Einheit erfährt. Und sie unterscheidet sich dadurch, dass ein Heilmittel, ja das größte und wichtigste Heilmittel, nur sehr eingeschränkt verfügbar ist: die konkret und auch leiblich erfahrbare Gemeinschaft untereinander. Statt Ihnen zurufen zu können: Kommt zusammen, greift Euch unter die Arme, ja nehmt Euch in die Arme – muss ich Ihnen mit allen Fachleuten den bitteren Rat geben: Vermeiden Sie menschliche Nähe und gehen Sie sich so gut wie möglich aus dem Weg. Soziale Kontakte zu reduzieren, betrifft das Menschsein im Kern. Da gibt es nichts zu beschönigen! Alle, die darunter leiden, empfinden vollkommen richtig. Aber die Vernunft und die christliche Nächstenliebe zwingen uns zu dieser Maßnahme. Es gilt, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen bis ein Impfstoff entwickelt ist.

Kirchlich fehlen uns die Feier der gottmenschlichen Gemeinschaft in der Versammlung der Schwestern und Brüder und auch die Feier der Versöhnung in der Beichte sehr.

Aber wir lassen uns nicht unterkriegen! Wir bleiben eine Gemeinschaft, wir bleiben in Kontakt – untereinander und mit unserem Herrn. Und: Wir werden Ostern feiern, wenn auch ein wenig anders! Die Oster-Liturgie wird im Dom und in den Pfarrkirchen im kleinsten Kreis begangen. Wir dürfen auf das Prinzip „Stellvertretung“ vertrauen! Der Bischof und die Priester feiern ja nicht für sich und privat. In dieser Situation wird uns besonders bewusst: Ins Gebet der Kirche sind immer alle eingeschlossen, insbesondere sind wir im gemeinsamen Leib Christi in der Tiefe miteinander verbunden. Mithilfe der Internet- und Fernsehübertragungen können Sie die Liturgie zu Hause mitverfolgen und mitfeiern.

Viele haben es schon getan. Helfen Sie denen, die mit der Technik nicht vertraut sind. Ich weiß, dass dies niemals ein wirklicher Ersatz sein kann. Aber es ist doch immerhin eine Notlösung, von der wir hoffen und beten, dass sie bald wieder abgelöst wird von der gemeinschaftlichen Feier.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten, in den eigenen vier Wänden „Hauskirche“ zu gestalten. Das Gotteslob, mit dem man schon bei den im Fernsehen und im Internet übertragenen Messfeiern mitsingen kann, enthält etliche Andachten und Gebete für den einzelnen oder die Hausgemeinschaft: Kreuzwegandachten, Passionsandachten, Osterandachten. Zusätzlich gibt es Vorlagen für Hausgottesdienste. Die Regensburger Sonntagsbibel enthält alle Schrifttexte aller österlichen Gottesdienste. Die reiche Bebilderung lädt zur Betrachtung und zum verweilenden Gebet ein.

Ich verweise auch auf die alte Tradition, daheim einen Hausaltar zu gestalten: ein Kreuz, ein Bild, die aufgeschlagene Bibel, Blumen.

Und wie wir an Weihnachten eine Weihnachtskrippe aufstellen, so gibt es auch die Möglichkeit, eine Passions- oder Osterkrippe zu bauen. Auf unserer Homepage und auch im Internet unter www.jahreskrippen.de finden Sie dazu Anregungen!

Dazu kommen die vielen Elemente des Brauchtums, die die Liturgie traditionell begleiten und uns in dieser Situation noch hilfreicher sind als sonst: Palmbuschen, eine Osterkerze, ein Speisenkorb und das feierliche Osterfrühstück sowie das gesegnete Osterwasser, das uns an die Taufe erinnert und an das göttliche Leben. Im Dom werden wir es in kleinen Gefäßen abfüllen und zum Mitnehmen bereitlegen. Besprengen Sie die Gräber mit dem Osterwasser und verbinden Sie damit das Gebet für die Verstorbenen.

Ein Wort an alle, die sich gewünscht hätten, dass die Kirche mehr auf ihre Rechte und die Freiheit der Religionsausübung pocht: Sie haben insofern Recht, als die Kirche nicht nur systemrelevant, sondern sogar heilsrelevant ist! Aber der Staat stellt doch nicht das Christsein unter Strafe, wie einst das römische Reich in den Zeiten der Christenverfolgung. Die Christen wurden als Staatsfeinde angesehen, weil sie den Staatskult ablehnten. Ich distanziere mich ausdrücklich von allen Verschwörungstheorien und danke unseren verantwortlichen Politikern für ihr entschlossenes Handeln. Ich vertraue aber auch darauf, dass die Verantwortlichen Maß und Ziel kennen. Nicht dass wir zwar vom Corona-Virus verschont bleiben, dafür aber an Verarmung oder Vereinsamung und gebrochenem Herzen sterben.

Eine geistliche Deutung der Krise wird auch die Frage nach dem Sinn des erzwungenen Stillstands des äußerlichen, materiellen Lebens stellen müssen: Aufoktroyierte Ruhe zum Hören des Rufes Gottes? Wenn aber die Pandemie überstanden ist, werden wir zunächst ein großes Fest feiern und eine diözesane Dankwallfahrt begehen, zu der ich jetzt schon herzlich einlade! Alle Details werden rechtzeitig bekanntgegeben.


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