10.06.2019, 22:08 Uhr

Sudetendeutscher Tag Das Christentum als „einzig tragfähige Klammer für das vereinte Europa“

(Foto: Bistum Regensburg)(Foto: Bistum Regensburg)

„Es gibt keine andere tragfähige Klammer als den christlichen Glauben, der das vereinte Europa zusammenhalten kann. Die Seele Europas ist das Christentum und das Wasserzeichen ist das Kreuz Christi.“ Das hat der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer während des Gottesdienstes am Sonntagvormittag,9. Juni, beim 70. Sudetendeutschen Tag in Regensburg betont.

REGENSBURG Er verwies auf den völkerumspannenden und universalen Charakter der Kirche. Wie beim Pfingstwunder stehe die Kirche für Integration und Völkerverständigung, denn katholisch bedeutet gerade „das Ganze umspannend“.

Über die Tatsache, dass Bischof Rudolf als Hauptzelebrant dem Festgottesdienst zum Sudetendeutschen Tag vorstand, freute sich in seiner Begrüßung Monsignore Dieter Olbrich, Präses der sudetendeutschen Katholiken und Geistlicher Beirat der Ackermann-Gemeinde. „Es ist ein tolles Zeichen, dass Sie die Zeit gefunden haben und mit uns die Eucharistie feiern“, wandte er sich an den Oberhirten. Denn es sei keineswegs selbstverständlich für einen Bischof, am Pfingstfest nicht im eigenen Dom für die Diözese präsent zu sein. Olbrich begrüßte auch die weiteren Konzelebranten und verwies auf den Spendenzweck der Kollekte, mit der die Wallfahrtskirche sowie pastorale und kulturelle Aktivitäten in Maria Stock in Westböhmen unterstützt werden.

Erinnerung an Weihbischof Remiger

Auch Bischof Rudolf hieß die Gottesdienstbesucher in der Bischofsstadt Regensburg willkommen. Er verwies auf die seit 1951 bestehende Patenschaft Regensburgs für die Sudetendeutschen und auf seine eigenen böhmischen Wurzeln. „Es ist für mich kein Opfer, sondern eine große Ehre und Freude, dieses Pfingstfest hier feiern zu dürfen“, stellte er fest. Er erinnerte an den letzten deutschen Weihbischof in Prag, Dr. Johannes Nepomuk Remiger, dessen Todestag sich am 21. Mai zum 50. Mal jährte und dessen Bruder als Pfarrer in der Heimat von Voderholzers Mutter, in Kladrau, gewirkt hatte.

In seiner Predigt nahm Bischof Voderholzer auf die vielen Völker beim Pfingstwunder Bezug und schloss daraus, dass „die Kirche vom ersten Tag ihres Bestehens völkerumspannend und universal“ gewesen sei, zumal das Wort katholisch „das Ganze umspannend“ bedeute. Beim Evangelium handle es sich um eine Kraft bzw. Botschaft, „die die einzelnen Völker in ihrer Kultur und Prägung nicht aufhebt, sondern integriert“, sagte Bischof Rudolf. Diese Integrationsfunktion der Kirche habe – in heutigem Sinne – mit Verständigung zwischen Völkern und Menschen zu tun. Dies gelte historisch besonders für Europa, von den Galliern und Germanen bis heute zu den Bayern, Franken, Schwaben und Sudetendeutschen. Daher stimmte der Oberhirte auch dem Motto des Sudetendeutschen Tages „Ja zur Heimat im Herzen Europas“ zu. „Europa muss uns aktuell am Herzen liegen. Europa ist eine geistig-geistliche Größe und seine Seele ist das Christentum“, machte Bischof Rudolf deutlich. Exemplarisch nannte er die verbindenden Elemente Gotik (unter anderem mit der Kathedrale Notre Dame in Paris, die am Montag in der Karwoche durch einen Brand stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, und dem Dom in Regensburg, dessen Türme vor 150 Jahren vollendet wurden), die Marienverehrung und die europäischen Pilgerstraßen – „die Pulsadern des christlichen Europas“. „Es gibt keine andere tragfähige Klammer, die das vereinte Europa zusammenhalten könnte. Diese Einheit ist etwas Wunderbares, aber auch Gefährdetes. Die Einheit der Kirche dient der Einheit der Völker und Nationen, eine Trennung hatte und hat Folgen. Die Seele Europas ist das Christentum und das Wasserzeichen ist das Kreuz Christi. In seinem Zeichen wurde Europa zum Guten geprägt“, appellierte der Bischof an die Gottesdienstteilnehmer. Daher vertraute der Bischof Europa (und auch die immer weiter zusammenrückende Welt) der Fürsprache des in Bayern wie auch in Böhmen verehrten Brückenheiligen Johannes Nepomuk und der Gottesmutter Maria an und bat dafür um die Kraft des Heiligen Geistes.

Aufgabe der Zukunft: Versöhnung, Entschuldigung, Anerkennung und Liebe

Für die Tschechische Bischofskonferenz sprach Monsignore Adolf Pintíř, Geistlicher Beirat der tschechischen Sdružení Ackermann-Gemeinde, ein Grußwort. Er verwies auf die lange andauernde gemeinsame Geschichte, insbesondere den Regensburger Bischof Wolfgang, der das Erzbistum Prag durch Abtrennung von seinem Bistum Regensburg gegründet hat. Für den tschechischen Geistlichen ist gerade heute die Botschaft des Pfingstwunders wichtig, wonach alle eins sein sollen in Jesus Christus. „In den letzten 100 Jahren standen Leid, Hass, Gewalt, Schuld und Vertreibung im Vordergrund des Verhältnisses unserer Völker. Das kommende Zeitalter muss mit Versöhnung, Entschuldigung, Anerkennung und Liebe verbunden sein. So feiern wir dann immer Pfingsten“.

Die musikalische Begleitung des Festgottesdienstes oblag den Böhmerwälder Musikanten unter der Leitung von Kurt Pascher. Als Lektoren der Lesungen wirkten Anna Knechtel und Tobias Gotthardt MdL, das Evangelium trug Monsignore Dieter Olbrich vor. Die Fürbitten lasen Margaretha Klieber, Daniel Herman, der ehemalige tschechische Kulturminister, und Roswitha Fuchs. Kantor beim Zwischengesang bzw. Halleluja-Ruf war Regionaldekan Holger Kruschina, der Vorsitzender des Sudetendeutschen Priesterwerks ist.


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