11.04.2019, 12:15 Uhr

Ratzinger erwähnt Regensburg Papst Benedikt macht die 68er für sexuellen Missbrauch verantwortlich

Papst Benedikt bei seiner berühmt gewordenen Regensburger Rede an der Uni.Papst Benedikt bei seiner berühmt gewordenen Regensburger Rede an der Uni.

Der emeritierte Papst schildert in einem Beitrag, wie er in den 70er Jahren in Regensburg nackte Personen auf Kinoplakaten sah. Und macht die sexuelle Befreiung für Missbrauch in der Kirche verantwortlich.

REGENSBURG/ROM Selten äußert sich der emeritierte Papst Benedikt noch öffentlich. Doch jetzt hat er etwas getan, das in Deutschland für Entsetzen sorgen dürfte: Er macht für den Missbrauch-Skandal in der Kirche die 68er-Bewegung verantwortlich.

In diesem Beitrag mach Benedikt die sexuelle Befreiung, ausgehend von der 68er-Bewegung, sowohl für den Priestermangel, als auch die Missbräuche verantwortlich. So schreibt der emeritierte Papst über die Zeit damals: „Für die jungen Leute in der Kirche, aber nicht nur für sie, war dies in vielerlei Hinsicht eine sehr schwierige Zeit“, so Papst Benedikt. „Ich habe mich immer gefragt, wie junge Menschen in dieser Situation mit all ihren Auswirkungen auf das Priestertum zugehen und es annehmen könnten.“ Der weitgehende Zusammenbruch „der nächsten Priestergeneration in diesen Jahren und die sehr hohe Anzahl von Laisierungen waren eine Folge all dieser Entwicklungen.“

Benedikt beschreibt ganz persönlich, wie er die sexuelle Revolution empfunden hat. „Ich kann mich noch erinnern, als ich durch die Stadt Regensburg lief, wie eine Menge von Menschen sich vor einem großen Kino versammelte. Das war etwas, das wir nur aus der Kriegszeit kannten, wenn man besondere Güter zu erwarten hatte.“ Er sei einmal 1970 am Karfreitag durch Regensburg gelaufen und habe dabei Werbetafeln „mit zwei komplett nackten Personen gesehen, die sich umarmten.“

Teil der 68er-Bewegung mit ihrem Kampf um die Befreiung sei laut Benedikt aber auch gewesen, dass Pädophilie „diagnostiziert, aber auch erlaubt und als angemessen bewertet wurde.“ All diese gesellschaftlichen Veränderungen hätten aber auch in der Katholischen Kirche vieles ausgelöst. Die Sexualmoral der Kirche sei zu dieser Zeit „kollabiert“, so Benedikt wörtlich.

Vor allem das Aufbegehren von Laien in seiner Zeit, als Benedikt noch Kardinal Joseph Ratzinger und Präfekt der Glaubenskongregation war, scheint bei ihm tiefe Spuren hinterlassen zu haben. Als sich in den 90er Jahren 15 Theologie-Professoren in Deutschland zusammen taten, war für Ratzinger und Papst Johannes Paul II. das Maß voll. Doch, das betont Benedikt in dem aktuellen Beitrag, habe sein Vorgänger in der Enzyklika „Glanz der Wahrheit“ im August 1993 die Morallehre der Kirche nochmals untermauert. Doch die Entfremdung zwischen Klerus auf der einen Seite und engagierter Laien und Professoren wirkte fort, so Benedikts These.

Der emeritierte Papst unterstellt in seinem Beitrag auch, dass sich „Homosexuelle Zirkel“ in den Priesterseminaren bildeten. „In einem Seminar in Süddeutschland lebten Priesteramtskandidaten und angehende Pastoralreferenten zusammen.“ Dort nahmen die angehenden Pastoralreferenten ihre Ehefrauen und Kinder mit ins Seminar. „Das Klima in solchen Seminaren konnte nicht auf ein Leben als Priester vorbereiten“, so der Papst.

Benedikt behauptet in seinem Beitrag, dass Kindsmissbrauch in der Kirche erst in den 80er Jahren Thema wurde. Das mag zwar einerseits so sein, doch vor allem die Vorgänge in seinem eigenen Umfeld in Regensburg hätten ihm klarmachen müssen, dass sie seine These eigentlich widerlegen. Im Jahr 1958 wurde der Internatsleiter Friedrich Z. strafrechtlich zu zwei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt, er hatte sich bei den Domspatzen förmlich einen Harem gehalten. Später wurde Z. wieder in der Kirche eingesetzt – diesmal in einem Mädchengymnasium. Solche Fälle aber, die vor der sexuellen Revolution der 68er in der Kirche geschahen, erwähnt Benedikt nicht.

Der emeritierte Papst aber macht vor allem die Gottlosigkeit in der Gesellschaft für sexuellen Missbrauch von Kindern verantwortlich. „Wir Christen und Priester ziehen es vor, nicht über Gott zu reden“, so Benedikt. Religion sei lediglich Sache einer „kleinen Gruppe“ geworden. „Diese Entscheidung spiegelt die Situation im Westen wider, wo Gott zur privaten Angelegenheit einer Minderheit geworden ist.“

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