27.02.2019, 16:11 Uhr

Synagoge eingeweiht Im Herzen Regensburgs steht jetzt ein steinernes Zeichen gegen den Antisemitismus


500 Jahre nach der Zerstörung der alten Synagoge wurde am Mittwoch die neue Synagoge der Regensburger jüdischen Gemeinde geweiht. Die Gemeinde ist die älteste in Bayern und eine der ältesten in Deutschland.

REGENSBURG Zusammen mit zwei weiteren Gast-Rabbinern und im Beisein zahlreicher Vertreter des öffentlichen Lebens und der jüdischen Gemeinde brachte Rabbiner Josef Chaim Bloch die drei Thorarollen in die Synagoge. Musik und fröhliche Gesänge begleiteten die Rabbiner dabei. Diese Zeremonie hat den neuen Raum zur Synagoge gemacht. Die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde, die aus Passau stammende Ilse Danziger, sprach von einem historischen Moment für Juden in Regensburg, Bayern und Deutschland. Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sprach von einer architektonischen Meisterleistung von Staab Architekten aus Berlin. Laut Schuster sei die Einweihung einer Synagoge deshalb ein so freudiges Ereignis, weil sie sichtbares Zeichen der Gemeinde sei, „zukunfsorientiert und lebensbejahend in diesem Land zu leben.“ Mit der Einweihung der Synagoge werde deutlich: „Jüdisches Leben war, ist und bleibt Teil dieses Landes.“ Doch Schuster fand auch nachdenkliche Worte – über aufkeimenden Antisemtismus, über die Bedrohung durch den Rechtspopulismus und über Judenfeindlichkeit, die sich hinter der Kritik am Staat Israel versteckt – dabei seien doch sowohl „unser Grundgesetz, als auch die Europäische Union ein Erfolgsmodell“, so Schuster.

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo sagte bei seiner Festansprache: „Hass, Neid und Missgunst beendeten gewaltsam vor 500 Jahren das friedliche Miteinander von Juden und Christen.“ In der NS-Zeit sei die Zerstörung der Synagoge ein „Fanal der Barberei“ gewesen. Auch auf die aktuelle Situation in Deutschland verwies der Kultusminister: „Jeder von uns muss dafür sorgen, dass der offene und verdeckte Antisemitismus bei uns in Bayern und in Deutschland keine Chance hat“, so der Kultusminister in seiner Ansprache. „Wir brauchen eine Kultur des Hinschauens und des Handelns“, forderte Piazolo.

Auch Regensburgs Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer machte deutlich, dass die Regensburger eine historische Schule durch die Zerstörung zweier Synagogen tragen: „Die neue Synagoge darf dieses Schicksal nicht teilen.“ Es sei unsere Aufgabe, dass diese Synagoge Teil der Gesellschaft bleibt. „Es schmerzt uns, dass sich die Vertreter der Kirche 1519 nicht schützend vor die Jüdischen Mitbürger stellten, sondern sogar noch Profit daraus schlugen“, sagte auch der katholische Bischof Rudolf Voderholzer. „Und dass so wenige den Mut hatten, 1938 sich dem Unrecht entgegen zu stellen.“ Der Bischof machte deutlich: „Das europäische Abendland steht auf christlich-jüdischem Boden.“

Neun Millionen Euro hat der Bau der neuen Synagoge gekostet, einen erheblichen Anteil davon hat der Verein „Neue Synagoge“ eingeworben, die Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung war groß. Doch auch die Stadt Regensburg beteiligte sich mit einem Zuschuss im Millionen-Bereich an dem Neubau.

Der von Staab Architekten aus Berlin errichtete Bau ist beeindruckend: Neben dem Gemeindesaal, der öffentlich zugänglichen Bibliothek und Büros für die Gemeinde-Mitarbeiter steht der Gebetsraum im Zentrum. Eine Kuppel krönt den Gebetsraum, eine filigrane Holz-Konstruktion lässt das Licht in den Raum. Eine Synagoge ist geweiht, sobald ein Rabbi die Thora-Rollen in den Schrein bringt. Solche Thora-Schreine gibt es auch in einer Vielzahl an der Klagemauer in Jerusalem, das wichtigste Heiligtum des Judentums, das die Fundamente des Tempel Salomons markiert.

Auch in der neuen Synagoge rezitiert der Rabbi aus der Thora in Richtung Jerusalem. Den Schrein zieren von außen die zehn Gebote, wie Gott sie den Menschen über Mose auf zwei Steintafeln übermittelte, auf Hebräisch. In der Thorarolle sind 40 Pergamentblätter zusammengefügt, jeder Buchstabe muss akribisch von einer Vorlage kopiert sein, so sieht es der Talmud vor. Kein Buchstabe darf falsch sein. In der Rolle stehen die fünf Bücher Mose, der Pentateuch, wie ihn auch das Alte Testament kennt.