22.12.2017, 11:16 Uhr

„Eine gesegnete Weihnachtszeit!“ Ein Weihnachtsgruß von Bischof Stefan Oster

Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Foto: PaWo-Archiv)Bischof Dr. Stefan Oster SDB (Foto: PaWo-Archiv)

Verehrte Leserinnen und Leser!

PASSAU In diesem Jahr ist für unser Bistum Passau schon zwei Tage vor Weihnachten ein ganz besonderer Tag: Am 22. Dezember vor genau 200 Jahren wurde Bruder Konrad geboren, einer der drei Patrone unseres Bistums. Zugleich war es für Bruder Konrad auch sein Tauftag, also schon der Geburtstag für das Leben mit Gott. Wir wollen uns im ganzen Jahr 2018 in besonderer Weise an ihn erinnern, weil wir glauben, dass er eine wichtige „Schlüsselfigur“ für unsere Diözese ist. Denn von dem einfachen, bescheidenen Leben des Hans Birndorfer, wie er vor seinem Eintritt in den Orden der Kapuziner hieß, können und dürfen wir heute noch vieles lernen. Gerade jetzt so kurz vor Weihnachten. Zum Beispiel das Beten. Dafür war das zweijüngste Kind vom Venushof in Parzham schon in jungen Jahren weithin bekannt. Er wusste und spürte, dass das Beten uns in eine innere Verbundenheit mit dem Herrn führt. In eine Stille, einen inneren Frieden, den wir im Außen niemals finden können. Auch wenn wir uns noch so sehr anstrengen. Und dass uns diese Verbundenheit mit Jesus wahre Freiheit schenkt. Sehr früh verliert Hans Birndorfer seine Eltern. Er ist ein fleißiger junger Mann, hält mit seinen Geschwistern zusammen und leitet sachkundig den elterlichen Hof.

Aber Jahre später zieht es ihn auf einen ganz anderen Weg. Einen stillen und sehr leisen Weg in den Marienwallfahrtsort nach Altötting. 41 Jahre lang wird er dort bis zu seinem Tod im Jahr 1894 an der Pforte Dienst tun und sich um die Armen und Pilger sorgen, die dort anklopfen. Er beschenkt sie mit seiner Fürsorge. Jeden Tag. Jede Nacht. Nicht nur einmal an Weihnachten. Uns mag das heute wie ein altertümliches Leben vorkommen, fast wie ein Leben im Gefängnis – so eingesperrt zwischen Klosterpforte und Klosterzelle. Für den Heiligen Bruder Konrad ist es die innere Freiheit. Er dient seinem Herrgott und den Menschen. Er lebt auch die einfachsten Tätigkeiten und Zuwendungen aus der Verbundenheit mit Gott. Und so vermag er mitten im Kleinen das Große zu verschenken, oft unbemerkt und unscheinbar, aber er verschenkt mitten darin eben dennoch das Heilige, die Gegenwart des Heiligen.

Und das ist es auch, was ich Ihnen zu diesem Weihnachtsfest wünsche. Dass Sie mitten im Alltäglichen etwas von der Gegenwart des Heiligen erkennen und spüren dürfen: Gott ist da, in jedem Augenblick unseres Lebens. Nur wir sind innerlich oft so weit weg von Ihm. Aber Er wartet geduldig, er lädt ein zur Verbundenheit mit Ihm, zum Stillwerden vor Ihm, zum Vertrauen auf Ihn. Diese Gegenwart macht sensibel und einfühlsam – und hilft uns auch, die Sorgen und Nöte unserer Mitmenschen zu sehen und zu erspüren. Weil wir ahnen, dass Gott auch in ihnen da ist und von innen her in jedem Menschen da ist – und gleichsam wie das Kind von Betlehem, im Herzen jedes Menschen geboren werden will. Die liebende Zuwendung zum Anderen kann dies bewirken. Sie kann bewirken, dass sich ein Mensch bejaht und getragen weiß, von einem Grund, den er selbst nicht herstellen kann. Bruder Konrad war so ein Türöffner: Er hat nicht nur an seiner Pforte buchstäblich die Türe geöffnet, er konnte mit der offenen Tür seinen Herzens auch die Herzenstüren seiner Mitmenschen aufsperren – und sie ahnen lassen, dass es einen Zutritt zum Leben gibt, das größer ist als wir selbst. Unser Heiliger Bruder Konrad ist uns auf unserem Lebensweg sicher auch im Himmel ein Fürsprecher und bleibend ein Pförtner. Er möge uns die Tür aufschließen hin zu Jesus, zur Quelle der Freude, und er möge uns alle darin segnen.

Ich wünsche Ihnen, Ihren Familien und Lieben und allen, denen Sie eine Tür öffnen, eine gesegnete Weihnachtszeit und einen guten Start hinein in das neue Jahr.

Dr. Stefan Oster SDB

Bischof von Passau


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