18.02.2020, 16:58 Uhr

Kommentar von Christa Latta Das Wochenblatt lässt die Kirche im richtigen Dorf

 Foto: Latta Foto: Latta

Nicht das Wochenblatt hat die Altöttinger Sakristei zum Tatort gemacht.

Es war schon immer so und wird wohl so bleiben. Die Medien – in diesem Fall das Altöttinger Wochenblatt – werden gewatscht, weil sie offen über Tatsachen berichten, die andere geschaffen haben.

So geschehen in Altötting. Ein Kirchenangestellter vergriff sich an einer Frau. Als Tatort suchte er sich die Sakristei der Altöttinger Stiftskirche aus. Diese Tat wurde vor dem Schöffengericht Altötting verhandelt und der Angeklagte wegen des sexuellen Übergriffs zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt - ausgesetzt zur Bewährung (wir berichteten am 12. Februar/Anm.d.Red.).

Bebildert war unser Artikel über den Prozess mit einem Foto der Altöttinger Stiftskirche und er wurde mit der Schlagzeile „Sexattacke in der Sakristei vor Gericht“ zur Wochenblatt-Titelgeschichte.

So weit so gut. Als Verfasserin des Artikels habe ich einige Anrufe von Lesern bekommen, die sich herzlich für diesen Bericht bedankt haben und dafür, dass das Wochenblatt nichts unter den Teppich gekehrt hat.

Trotzdem muss festgehalten werden: Es handelt sich bei dem Artikel um die Wiedergabe der öffentlichen Gerichtsverhandlung, in der jeder erfahren konnte, wo die Tat stattfand und wer Täter war.

Auf der anderen Seite müssen wir auch mit Kritik leben. Die kann das Wochenblatt aushalten und ich persönlich auch.

Via Facebook kritisierte ein Altöttinger: „Eine wöchentlich erscheinende kostenfreie Zeitung verwendet eine Schlagzeile (...), was meiner Ansicht nach unterstes Boulevard-Niveau ist und jeglicher Seriosität entbehrt. Das mit Altötting in Verbindung zu bringen, finde ich absolut verwerflich. Diese Art von Presse hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Schade!“

Der Kritiker ist ein Bürgermeisterkandidat der Christlich-Sozialen Union der Stadt Altötting - wie er unseren nenne auch ich seinen Namen nicht - und scheinbar schon mal darum bemüht, sein Altötting frei von Skandalen zu halten.

Dass es sich beim Tatort des sexuellen Übergriffs um die Sakristei der Stiftskirche gehandelt hat, weiß in Altötting jeder - und jeder konnte es auch im Gerichtssaal hören.

Warum sollten wir also mit einer nebulösen Umschreibung alle Sakristeien des Landkreises zum möglichen Tatort machen, wenn es doch eindeutig in Altötting geschah? Die Stadt Altötting wird das verkraften.

Besser stünde es dem Kritiker und denen, die seine Kritik teilen zu Gesicht, wenn er/sie nicht den „Überbringer der Nachricht“ schelten würde/n. Er/Sie sollte/n besser von der Kirche fordern, dass die Kirche selbst den Missbrauch durch Kirchenmitarbeiter egal welchen Grades angemessen ahndet. Und einen Täter nicht der Form halber aus dem Kirchendienst entlässt, aber weiterhin in ihrer nächsten Nähe behält. Und dass sich die Kirche bei den Opfern entschuldigt.

Damit würde die Kirche ein Niveau und eine Seriosität unter Beweis stellen, die der Kritiker an der Wochenblatt-Schlagzeile und ihrer Bebilderung so schmerzlich vermisst.

In seiner aktuellen Druckausgabe stellt das Wochenblatt die drei Bürgermeisterkandidaten der Stadt Altötting vor - alle drei haben die Möglichkeit, sich im Wochenblatt vorzustellen, gerne angenommen.

christa.latta@wochenblatt.de