27.11.2019, 20:01 Uhr

Spürnasen Johanniter-Rettungshundestaffel Straubing feiert Einjähriges

(Foto: Dieter Deigl)(Foto: Dieter Deigl)

Um nachts im Wald eine hilflose Person zu finden, müssen die Retter in einer Suchkette Seite an Seite gehen und das Areal Meter für Meter absuchen. Das nimmt sehr viel Zeit in Anspruch – doch im Notfall kann es um Sekunden gehen!

STRAUBING Ein Rettungshund kann innerhalb kürzester Zeit eine größere Fläche nach einer vermissten Person absuchen. Er kann je nach Geländebeschaffenheit circa 50.000 Quadratmeter innerhalb einer Stunde absuchen. Die Spürnasen der Johanniter-Rettungshunde sind deshalb im wahrsten Sinne des Wortes „Lebensretter“!

Bei einem Pressegespräch zum einjährigen Bestehen der Johanniter-Rettungshundestaffel gab Leiterin Melanie Weinhold spannende Einblicke in die Welt der Rettungshundearbeit. In Loitzendorf haben sie ihren Übungsplatz. „Wir sind mittlerweile im Ort angekommen“, so Melanie Weinhold. Die zweite Bürgermeisterin von Loitzendorf Waltraud Scheitinger freut sich, dass jemand da ist, der helfen kann. „Es ist nicht mehr selbstverständlich, dass sich Menschen ihre Zeit für die gute Sache opfern.“ Der ehrenamtliche Johanniter-Regionalvorstand Dr. Hermann Hilber betonte, dass es viele stille Helden gäbe – die Rettungshundestaffel trifft sich ganze zwei Mal in der Woche, um zu üben.

Wenige Tage, nachdem die Straubinger Rettungshunde an der ILS angemeldet war, rückten die Teams auch schon zum ersten Einsatz aus. Es hatte sich dabei um einen Patienten gehandelt, der aus dem Deggendorfer Klinikum abgängig war. Dank dem Einsatz der Johanniter-Rettungshundestaffel konnte der Patient gefunden und somit schlimmeres verhindert werden.

Rettungshundearbeit bei der JUH-Rettungshundestaffel Straubing

Die Johanniter-Rettungshundestaffel Straubing wurde am 27. Oktober 2018 gegründet, gehört verwaltungstechnisch zum Johanniter-Ortsverbands Großköllnbach und hat ihren Sitz in Loitzendorf (Landkreis Straubing-Bogen). Derzeit setzt sich die Rettungshundestaffel aus elf ehrenamtlichen Mitgliedern zusammen. Acht Hundeführer, drei Einsatzhelfer und neun Hunde sind in der Staffel. Drei Hunde haben bereits mehrfach erfolgreich die Rettungshundeprüfung in der Flächensuche gemäß DIN 13050 GemPPO abgelegt. Somit stehen drei einsatzfähige Rettungshundeteams (bestehend aus Hundeführer und Hund) für Sucheinsätze zur Verfügung. Von den übrigen sechs Hunden, befinden sich vier in Ausbildung zum Flächensuchhund. Drei davon haben bereits den Rettungshundeeignungstest erfolgreich abgelegt. Weitere zwei Hunde befinden sich in Ausbildung zum Personenspürhund (Mantrailer).

Das Einsatzgebiet der Johanniter-Rettungshundestaffel Straubing erstreckt sich über den gesamten ILS-Bereich Straubing. Dazu gehören die Landkreise Straubing, Deggendorf, Regen und Zwiesel.

Für Rettungshunde gibt es verschiedene Einsatzbereiche; nämlich Flächensuche, Mantrailing, Trümmersuche, Wassersuche und Lawinensuche. In der Johanniter-Rettungshundestaffel Straubing sind derzeit nur Flächensuchhunde und Personenspürhunde ausgebildet. Bei der Flächensuche sucht das Rettungshundeteam in großen Wald- und Wiesengebieten sowie im unwegsamen Gelände nach vermissten Personen. Der Hund arbeitet dabei frei, das heißt ohne Leine, jedoch mit Kenndecke, welche den Hund als Rettungshund kennzeichnet und vor Jagdfeuer schützt. Das Auffinden einer hilflosen Person wird je nach Art der Ausbildung durch Verbellen, Bringseln oder Freiverweisen angezeigt.

Der Verbeller sucht und findet die Person und zeigt den Fund durch Verbellen an. So kann sich der Hundeführer an dem Bellen des Hundes orientieren, um zur vermissten Person zu gelangen. Der Bringsler hat für seine Anzeige ein Bringsel am Halsband hängen, das er, sobald er die Person gefunden hat, aufnimmt, zum Hundeführer zurückkehrt und angeleint oder pendelnd auf direktem Weg zur vermissten Person führt. Der Rückverweiser kommt, wenn er die Person gefunden hat, sofort zu seinem Hundeführer zurück und zeigt z. B. durch Bellen oder Anspringen diesem den Fund an und führt ihn angeleint oder pendelnd auf direktem Weg zur vermissten Person. Die aufgefundene Person wird von dem Hundeführer und seinem Einsatzhelfer erstversorgt und betreut, bis die Rettungskräfte eintreffen.

Beim Mantrailing erhält das Rettungshundeteam einen Geruchsartikel der vermissten Person. Der Rettungshund muss dem Individualgeruch dieser Person folgen, sie finden und anzeigen. Der Unterschied zwischen einem Personenspürhund (Mantrailer) und anderen Suchhunden besteht darin, dass der Personenspürhund bei der Suche verschiedene menschliche Gerüche voneinander unterscheiden kann und sich trotz vieler Ablenkungen ausschließlich an den Geruchsmerkmalen der gesuchten Person orientiert.

Durch den Einsatz von Personenspürhunden kann die Peron im Idealfall direkt aufgefunden werden oder aber sie können die Suchrichtung bei unzureichenden Anhaltspunkten, vorgeben bzw. eingrenzen.

Die Ausbildung

Die Ausbildung zu einem geprüften Rettungshundeteam (Hundeführer und Hund) dauert circa zwei bis drei Jahre. In dieser Zeit erhält der Hundeführer und Helfer eine fundierte Ausbildung in Theorie und Praxis, die unter anderem eine sanitäts- und fachdienstliche Ausbildung umfasst. Die Ausbildung wird mit der Rettungshundeprüfung gemäß der gemeinsamen Prüfungs- und Prüferordnung 13050 abgeschlossen. Erst dann darf der Hundeführer mit seinem Hund bei der Vermisstensuche eingesetzt werden. Vorher wird der Hundeführer und Helfer nach einer Basisausbildung als Helfer im Einsatz eingesetzt. Um einen hohen Qualitätsstandard halten zu können, müssen die Teams alle 2 Jahre zu einer Wiederholungsprüfung antreten und ihr Können erneut unter Beweis stellen.

Damit die Johanniter-Rettungshundestaffel jederzeit qualitativ hochwertige Hilfe anbieten kann, trainieren unsere Teams zwei Mal wöchentlich für das Platz- und Waldtraining. Beim Platztraining (in Loitzendorf) wird ähnlich wie in einer Hundeschule der Gehorsam bzw. die Unterordnung trainiert, während im Wald von Hundeführer, Hund und Helfer die Sucharbeit erlernt wird.

Die Einsätze

Die geprüften Rettungshundeteams werden zu jeder Tages- und Nachtzeit von der Polizei und den Integrierten Leitstellen für Feuerwehr und Rettungsdienst zu Hilfe gerufen, wenn es darum geht, vermisste Personen zu finden. Die Arbeit der Rettungshundestaffeln ist ehrenamtlich und die Einsätze aus diesem Grund für Betroffene kostenlos.

Weitere Informationen zu Johanniter-Rettungshundestaffel in Straubing gibt es bei Melanie Weinhold unter der Telefonnummer 0171/ 6116390.


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