11.12.2017, 17:38 Uhr

Hospiz Wenige sprechen über das Sterben, doch irgendwann beschäftigt sich jeder damit

Maria Schafbauer, Birgit Wölker und Manuela Singer-Bartos (Foto: Birgit Wölker, Caritas)Maria Schafbauer, Birgit Wölker und Manuela Singer-Bartos (Foto: Birgit Wölker, Caritas)

Jeden Menschen trifft es einmal persönlich und doch wollen viele nicht darüber sprechen. Der Seniorenstammtisch Pertolzhofen hat sich jedoch mit dem Thema Sterben befasst und eingeladen zu einem Vortrag mit Birgit Wölker und Manuela Singer-Bartos, den Koordinatorinnen der Hospizinitiative der Caritas für den Landkreis Schwandorf.

NIEDERMURACH/PERTOLZHOFEN Manuela Singer-Bartos begann mit einem Märchen über richtig und wertvoll genutzte Zeit. Und genau das ist es, was die Hospizbewegung ausmacht: Zeit schenken, für andere da sein. Birgit Wölker ging auf die heutige Situation ein: Wenn man am Ende seines Lebens angelangt ist, wünschen sich die meisten Menschen, in Würde zu Hause sterben zu können. Aber den wenigsten, nur etwa 20 Prozent, ist das vergönnt. Die meisten Menschen sterben in Krankenhäusern oder Pflegeheimen, ein minimaler Prozentsatz in stationären Hospizeinrichtungen.

In Ruhe gehen

Die letzte Phase des Lebens ist sowohl für die Patienten als auch für deren Angehörige eine schwere Zeit. Und genau da kommen die ehrenamtlichen ambulanten Hospizbegleiter zum Einsatz: zu Hause, im Krankenhaus oder im Pflegeheim, erklärte Wölker. Sie verrichten keine Pflegedienste, nein, sie sind einfach da, sei es zum Zuhören, Reden, Hand halten oder mal eine liebevolle Streicheleinheit, eine kurze Umarmung, und soweit es möglich ist, Erfüllen von kleinen Sonderwünschen. Einfühlsam stehen sie nicht nur den Patienten zur Seite, auch deren Angehörige bedürfen oft der Hilfe.

Die Hospizhelfer sind geschult im Umgang mit Emotionen. Sie wissen um die Phasen, die Sterbende und ihre Angehörige durchlaufen, sind bei ihnen, wenn sie das Schicksal nicht annehmen können, wenn sie in depressive Stimmung verfallen, ertragen geduldig Zorn und Verbitterung gegen Gott und die ganze Welt. Hospizhelfer unterstützen bei Bedarf auch weiterhin die Angehörigen in ihrer Trauer. Alle diese Dienste sind ehrenamtlich und somit kostenlos. Zur Linderung von Schmerzen, Atemnot und Angstzuständen ist die gesetzlich jedem schwerstkranken Patienten zustehende Versorgung durch ein spezielles Team von Palliativärzten und Palliativpflegern gewährleistet, das zusätzlich zum Hausarzt und bisherigen Pflegedienst rechtzeitig geordert werden sollte.

Rechtzeitig vorsorgen

Birgit Wölker appellierte an die Zuhörer, am Sterbebett sich nur über positive Dinge zu unterhalten, sich nicht zu streiten oder Beerdigungsformalitäten zu besprechen. Das Hörvermögen des Sterbenden ist die am längsten funktionierende Wahrnehmung. Der Anschein trügt, dass der Kranke ja nichts mehr mitbekommt, wenn er regungslos mit geschlossenen Augen da liegt. Den Teilnehmern legte Wölker ans Herz, für sich selbst rechtzeitig vorzusorgen, mit einer aktuell gestalteten Patientenverfügung und einer Vorsorgevollmacht beziehungsweise Betreuungsverfügung. Ansonsten könnte im Akutfall gerichtlich ein Berufsbetreuer bestellt werden, der regelmäßig bezahlt werden muss. Maria Schafbauer, die Organisatorin des Seniorenstammtischs Pertolzhofen, bedankte sich bei den beiden Referentinnen für den interessanten Vortrag und übergab „geistige“ Weihnachtspräsente.


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