21.11.2017, 13:53 Uhr

Chinesische Medizin Wie Heilkräuter und Akupunktur die Tumortherapie unterstützen

Über 130 Zuhörer waren gekommen, um sich über das Thema „Traditionelle Chinesische Medizin“ mit Dr. Stefan Hager zu informieren. (Foto: Richter/Klinikum)Über 130 Zuhörer waren gekommen, um sich über das Thema „Traditionelle Chinesische Medizin“ mit Dr. Stefan Hager zu informieren. (Foto: Richter/Klinikum)

Die ganzheitliche Therapie von Krebspatienten ist Kernaufgabe des Projekts der „Integrativen Onkologie“. Beim vierten Vortrag der neuen, gleichnamigen Veranstaltungsreihe am Klinikum St. Marien Amberg informierte Dr. Stefan Hager jetzt über die traditionelle chinesische Medizin und deren positive unterstützende Wirkung bei Krebs.

AMBERG Dr. Stefan Hager ist Ärztlicher Leiter der TCM-Klinik in Bad Kötzting, der ersten deutschen Klinik für traditionelle chinesische Medizin. Hier werden Jahrtausende altes medizinisches Wissen aus Fernost und modernen Verfahren der Psychosomatik und Psychotherapie sinnvoll kombiniert. Als Experte für traditionelle chinesische Medizin, weiß Dr. Stefan Hager, dass sich bestimmte Methoden auch im Kampf gegen Krebs bewährt haben: „Im Vordergrund bei Krebserkrankungen steht nicht, wie häufig vermutet, die Akupunktur, sondern die Heilkräutertherapie. Sie kann zur Kräftigung des Immunsystems beitragen, das Krebswachstum unterdrücken und die Nebenwirkungen einer Strahlen- oder Chemotherapie lindern beziehungsweise die Verträglichkeit verbessern. Mithilfe der Akupunktur lassen sich zudem gezielt Schmerzen behandeln.“ Diese These untermauerte der Ärztliche Direktor aus Bad Kötzting mit mehreren wissenschaftlichen Studien: Eine Studie arbeitete mit 326 Probanden, die an einem fortgeschrittenen Magenkarzinom (Stadium 3-4 ohne Absiedlungen) litten. 180 Patienten erhielten zusätzlich zur Chemotherapie eine chinesische Kräutertherapie, die anderen „nur“ eine Chemotherapie. Das Ergebnis: Die 5-Jahres-Überlebensrate lag bei der Kombinationsgruppe bei 51,7 Prozent im Verhältnis zu 31,2 Prozent bei der anderen Gruppe, die lediglich eine Chemotherapie erhalten hatten. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Kombi-Gruppe klagte im Vergleich während der Behandlung über 95 Prozent weniger Nebenwirkungen.

Doch worin unterscheiden sich die Sichtweisen auf Krebs bei Schulmedizin und traditioneller chinesischer Medizin? „Die chinesische Medizin kommt in den meisten Bereichen zu denselben Ergebnissen wie die Schulmedizin, drückt sich aber anders aus“, erklärt Dr. Hager. Jede Art von Krankheit wird in der chinesischen Medizin als Zeichen von Disharmonie verstanden. Aufgabe der Therapeuten sei es daher, die Harmonie und das Gleichgewicht wieder herzustellen, so dass die natürlichen Heilkräfte des Körpers wieder besser zum Tragen kommen. Dafür greift die chinesische Medizin auf fünf Methoden zurück: die Arznei- oder auch Heilkräutertherapie, Akupunktur, Tuina-Massage, Taiji und Qigong und Ernährung. Der Diagnostik kommt dabei eine besondere Rolle zu: Neben der ausführlichen Befragung des Patienten zu dessen Krankengeschichte und der Schmerzlokalisation, arbeiten die Therapeuten mit Blick-, Puls- und Zungendiagnostik.

„Die wichtigsten Begriffe in der chinesischen Medizin sind Qi, Blut, Yin und Yang. Qi steht dabei für Energie und Kraft, Yin für Ruhe und Entspannung und Yang für Aktivität und Dynamik. Krankheit bedeutet in der chinesischen Medizin so verstanden, dass die Engerie (Qi) und das Blut nicht mehr richtig fließen. Verantwortlich dafür sind innere und äußere krankmachende Faktoren“, so Dr. Hager. Zu den inneren, krankmachenden Faktoren zählen beispielsweise übermäßige Emotionen. „Ich habe in meiner Laufbahn beobachtet, dass einer Tumorerkrankung oftmals ein halbes oder dreiviertel Jahr zuvor hochdramatische seelische Konflikte oder Stresssituationen vorausgegangen waren.“ Überbelastung, Fehler bei der Ernährung, zu wenig Bewegung und eine schwache Konstitution könnten zusätzlich dazu führen, dass eine Krankheit ausbricht.

Speziell mit Blick auf eine Krebserkrankung rät der Experte daher: „Schauen sie darauf, sich nicht zu sehr von Ängsten und Sorgen überwältigen zu lassen. Nehmen sie sich täglich eine halbe bis dreiviertel Stunde Auszeit. Ich nenne es ‚Oase der Stille‘. Üben sie eine Tiefenentspannungsmethode ein. Wir arbeiten in der chinesischen Medizin mit Taiqi-Qigong.“ Dabei werden eine tiefe, entspannende Atmung, langsame Bewegungsmuster und beruhigende Bewegungsmuster eingeübt und gleichzeitig Gelenkigkeit und Konzentration auf das Hier und Jetzt gefördert. Wohltuend können auch Techniken wie die progressive Muskelentspannung, tiefe Bauchatmung oder aber das Gespräch mit einem Psychoonkologen sein.

Bewegung ist ebenso wichtig. Dr. Hager empfiehlt „10.000 Schritte am Tag“. Das entspricht etwa einer guten Stunde zügigem Spazierengehen. „Eine Studie aus den USA mit Brustkrebspatientinnen, die zwei Wochen lang jeden Tag eine halbe Stunde walken waren, hat gezeigt, dass sich die Fähigkeit des Blutes, Krebszellen abzuwehren vervierfachte.“ Auch eine maßvolle Ernährung trägt viel zur Genesung bei. In der traditionellen chinesischen Medizin gibt es eine sogenannte Organ-Uhr. Demnach ist die beste Zeit zum Verstoffwechseln von Nahrung zwischen neun und elf Uhr vormittags. Abends sollte man dagegen eher mäßig essen. „Eine ruhige Atmosphäre während des Essens, warme Getränke und der weitgehende Verzicht auf tierische Eiweiße ist vor allem für Krebspatienten sinnvoll. So sammeln wir Qi, das Herz ist gut genährt und wir haben weniger Ängste.“


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