10.11.2020, 15:35 Uhr

In Corona-Zeiten „Gem-einsam zusammen-halten“ – aktiv gegen Vereinzelung und Vereinsamung

 Foto: Dean Hindmarch/123rf.com Foto: Dean Hindmarch/123rf.com

Der erneute „kleine“ Lockdown mit weitgehenden Einschränkungen in der persönlichen Freizeit- und Lebensgestaltung bringt zahlreiche Menschen an die Grenzen ihrer psychischen Stabilität. Was tun, wenn Mannschaftsport, der Besuch kultureller Veranstaltungen, Geselligkeit im Verein oder gemeinschaftlich ausgeführte Hobbys als Treffpunkte für Menschen nicht mehr möglich sind?

Regensburg. Die Aussicht auf ereignislose Wochen in der dunklen Jahreszeit – nach der Arbeit oder dem Homeoffice alleine in der Wohnung -– erzeugt auch bei Menschen, die bisher souverän mitten im Leben stehen, so manch düstere Gedanken. „Wenn Gefühle wie Zugehörigkeit, Eingebundensein sowie die Erfahrung, ein Teil von sinngebenden Gemeinschaften zu sein zunehmend nicht mehr erlebbar und erfahrbar sind, dann sind die Türen offen für Unsicherheit, Ängste, Sorgen und depressive Stimmungen“, so Lisbeth Wagner, Selbsthilfeunterstützerin bei KISS Regensburg. „In der täglichen Beratungspraxis erleben wir aktuell eine hohe Nachfrage nach der gemeinschaftlichen Selbsthilfe besonders bei den Themen, Sucht und seelische Belastungen sowie nach Angehörigengruppen, wenn Menschen bei der Unterstützung Ihnen Nahestehender an den Rand ihrer Belastungsgrenzen gelangen“, so Wagner weiter.

Selbsthilfegruppen dürfen sich zwar unter strengen Auflagen treffen, können diesen Bedarf nach Austausch und Solidaritätserfahrung aber aktuell kaum decken. Sie haben schlichtweg einfach keinen Platz, neue Mitglieder aufzunehmen. Die vorhandenen Räumlichkeiten sind meist nicht ausreichend groß. Bereits jetzt müssen feste Mitglieder abwechselnd zu Hause bleiben, weil die bisher genutzten Räume nun für sehr viel weniger Menschen geeignet sind. KISS Regensburg initiiert daher in der Zeit von Mitte November bis Weihnachten Gesprächskreise für Menschen, die gemeinsam Ressourcen und Kraftquellen teilen wollen, um gut durch die herausfordernde Zeit zu kommen. Die Erfahrung in der Selbsthilfe mit dem eigenen Erleben ganz und gar nicht alleine zu sein, entlastet, kann kreative Potentiale freisetzen und hilft aus der Erstarrung und Enge herauszukommen.

In den zeitlich befristeten wöchentlichen Gesprächstreffen können interessierte Menschen die Arbeitsweise der Selbsthilfe kennen lernen. Ob die Gruppen dann nach Weihnachten als Selbsthilfegruppe ohne die Moderation der KISS-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alleine weiterarbeiten, entscheiden die Beteiligten selbst. „Schön wäre es schon“, merkt Lisbeth Wagner an „wenn Menschen für sich den Charme und die Kraft der Selbsthilfe als persönliche Bereicherung entdeckten und dann neue Keimzellen des solidarischen Handelns entstehen würden. Denn gemeinsam ist man weniger allein.“ Interessierte wenden sich bitte telefonisch an KISS unter 0941/ 599388610, da für die Zusammenstellung der Austauschforen im Vorfeld, Erwartungen und Wünsche besprochen werden. Entstehen könnten dabei Gruppen für bestimmte Altersabschnitte, spezielle Gruppen für Alleinlebende oder eine zusätzliche Gruppe für Menschen mit Depressionen oder seelischen Krisenerfahrungen.


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