24.09.2020, 14:06 Uhr

Hochmoderner Lebensretter Eine zweite Druckkammer für Regensburg

Mit der neuen Druckkammer kann künftig mehreren Personen gleichzeitig geholfen werden. Foto: VogelMit der neuen Druckkammer kann künftig mehreren Personen gleichzeitig geholfen werden. Foto: Vogel

Caritas-Krankenhaus St. Josef investiert in hochmodernen LebensretterDas Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg bekommt einen hochmodernen Lebensretter: eine Druckkammer zur hyperbaren Sauerstofftherapie (HBO), in der bis zu sechs Patienten gleichzeitig behandelt werden können. Derzeit gibt es bundesweit nur zwölf Druckkammern mit einem intensivmedizinischen Angebot und Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft.

Regensburg. Bereits vor fünf Jahren hat die Klinik unter anderem mit Unterstützung der BMW Charity, der Stadt und des Landkreises Regensburg ein Ein-Personen-Gerät finanziert. „Doch Deutschland ist immer noch unterversorgt. Wir haben in den letzten Jahren über 850 Patienten nicht nur aus Bayern, sondern aus dem kompletten süddeutschen Raum zugewiesen bekommen. Daher haben wir uns entschieden, diese zweite, größere Kammer anzuschaffen“, berichtet PD Dr. Michael Pawlik, der Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin. „Damit können wir mehrere Patienten gleichzeitig behandeln. Häufig zählt jede Minute!“ Aktuell steht das Gerät in einem Container im Bereich der Notaufnahme – nach einigen Umbaumaßnahmen wird es aber auch in der Klinik Platz haben.

Ein bisschen erinnert die Druckkammer an ein U-Boot aus alten Filmen, mit ihren rund vier Metern Länge, der zylindrischen Form und den Bullaugen an der Seite. Tatsächlich ähnelt die Funktionsweise des Geräts einem Tauchgang. „In der Kammer wird ein Überdruck erzeugt, wie er auch beim Tauchen auf den menschlichen Körper einwirkt. Gleichzeitig atmet der Patient über eine Maske reinen Sauerstoff ein. Dieser löst sich aufgrund des Überdrucks im Körper und sorgt so für eine extrem hohe Sauerstoffkonzentration im Blut“, erklärt der Stellvertretende Direktor Dr. Helmut Meyringer, der im Team von Dr. Pawlik hauptverantwortlich für die Druckkammer ist. Auch schlecht durchblutete Organe bzw. Gewebeteile könnten so noch mit einer hohen Sauerstoffmenge versorgt werden. „Bei Patienten mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung wird zudem das Atem-Gift abgeatmet und durch Sauerstoff ersetzt“, macht der Intensivmediziner deutlich.

Der Druck in der Kammer wird – je nach Krankheitsbild – auf bis zu 3 bar erhöht, was rund 20 Metern unter Wasser entspricht. Ebenfalls wie beim Tauchen kann der Patient während der Behandlung die Kabine nicht einfach verlassen. „Wir senken den Druck nach und nach ab, ansonsten droht die Gefahr, dass Trommelfell oder Lunge geschädigt werden“, warnt Dr. Meyringer. Angst vor einer Behandlung muss aber niemand haben: Videokameras, Gegensprechanlagen und Sensoren haben die Patienten im Blick und medizinisches Personal kann während einer laufenden Behandlung die Hauptkammer jederzeit über eine Schleuse betreten.

Eingesetzt wird die Druckkammer in erster Linie bei Kohlenmonoxid-Vergiftungen, Tauchunfällen, aber auch schweren Weichteilinfektionen, z.B. durch das Gasbrandbakterium. „Wir behandeln mit Abstand am meisten Patienten mit einer Kohlenmonoxidvergiftung. Und das sind nicht nur Brandopfer, sondern oft auch junge Menschen, die zu lange an einer Wasserpfeife gezogen haben, Opfer einer defekten Heizung oder Indoor-Griller“, berichtet Dr. Meyringer. Klassische Symptome sind Luftnot, Brustenge und neurologische Ausfälle wie Bewusstlosigkeit oder Orientierungslosigkeit. Selten sind solche Vergiftungen nicht: nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2017 fast 650 Menschen in Deutschland an einer Kohlenmonoxidvergiftung gestorben, rund 3.000 Fälle wurden gemeldet. „Auch, wenn Betroffene zunächst oftmals wenig Symptome zeigen, ist eine Therapie nötig. Denn ansonsten drohen Spätfolgen wie der Verlust des Kurzzeitgedächtnisses, Probleme mit der Koordination oder Erkrankungen des Herzmuskels oder parkinsonähnliche Symptome. „Diese können auch noch bis zu drei Monate nach dem Unglück auftreten und lassen sich dann meist nicht mehr rückgängig machen“, warnt Dr. Meyringer.

Weitere Einsatzmöglichkeiten sind schwere Wundheilungsstörungen, beispielsweise das diabetische Fußsyndrom, chronische Knochenentzündungen oder Knochennekrosen in den Gelenken. Durch die Einbindung des Druckkammerzentrums in die Klinik für Anästhesiologie ist auch für überwachungspflichtige und beatmete Notfallpatienten die intensivmedizinische Mit- und Weiterbetreuung jederzeit gewährleistet. „Nachdem es für uns ein langer Kampf war, bis wir die erste Druckkammer im Haus installieren konnten, sind wir sehr froh, dass es uns nun gelungen ist, eine zweite in der Klinik zu haben. Damit können wir zukünftig auch mehreren Patienten gleichzeitig helfen.“


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