12.08.2020, 12:19 Uhr

Krise als Chance Schwangerschaftsberatung der Caritas persönlich und digital nutzen

Gabriele Dotzer (li.) und Ruth Peter sprachen über zukunftsweisende Ansätze in der Schwangerschaftsberatung. Foto: Burcom/FickGabriele Dotzer (li.) und Ruth Peter sprachen über zukunftsweisende Ansätze in der Schwangerschaftsberatung. Foto: Burcom/Fick

Die Zukunft der Schwangerschaftsberatung liegt im „Blended Counseling“: Die persönliche Beratung wird mit einem zusätzlichen digitalen Angebot verknüpft. Bei der Caritas Regensburg ist das bereits gängige Praxis.

Regensburg. Ruth Peter, Landesreferentin für Schwangeren- und Familienhilfe im Sozialdienst katholischer Frauen, ist zurzeit auf Bayern-Tour. Sie besucht die katholischen Schwangerschaftsberatungsstellen. Nun war sie in Regensburg zu Gast und sprach mit Gabriele Dotzer, Referatsleitung für Schwangerschaftsberatung in der Diözese Regensburg, über die Möglichkeiten der modernen Schwangerschaftsberatung.

„Unser Angebot ist breiter, als viele denken“, sagen beide. „Vom unerfüllten Kinderwunsch über Gesundheitsthemen bis hin zu konkreten Kursangeboten in der Säuglingspflege ist alles dabei.“ Eine neu gestaltete Postkarte und Plakate stellen das Angebot nun grafisch dar. „Oft besuchen uns auch Klientinnen, die kein Deutsch sprechen. Wir sprechen mit Hand und Fuß – oder eben mit Bildern“, so Peter. Über den QR-Code auf der Rückseite der Postkarte erfahren Interessierte schnell, wo die nächste Beratungsstelle ist und wie sie sie erreichen können. Außerdem bietet die Caritas Regensburg auch eine Online-Beratung für sämtliche Schwangerschaftsfragen an.

Das Besondere an der Online-Beratung ist, dass alle Anfragen rund um die Uhr gestellt werden können, auch nachts und am Wochenende. An Werktagen werden die Anfragen innerhalb von 24 Stunden beantwortet – von den qualifizierten Beraterinnen vor Ort. Möglich ist das, weil das Beratungsportal bei der Anmeldung die Postleitzahl abfragt und die Nutzerin so zu ihrer Beratungsstelle vor Ort leitet. Weitere Angaben zu ihrer Person muss die Nutzerin des Portals nicht machen, sie kann anonym bleiben. „Das ist ein einfacher Zugang zur Beratung. Viele Frauen trauen sich so, mit ihren Fragen zu uns zu kommen. Auch wenn man sich nicht persönlich sieht, ist es im Portal möglich, Nähe aufzubauen und Emotionen zu übermitteln“, sagt Gabriele Dotzer. Oft bleibt es nicht bei der ersten Kontaktaufnahme: Aus einer Frage ergeben sich viele weitere. Nicht selten kommen die Klientinnen dann persönlich zu einer Beratung.

Hier greift ein weiterer Vorteil der Caritas-Online-Beratung: Da die erste Anfrage bereits die Beraterinnen vor Ort beantworten, kennen sie die Ratsuchenden bei einer persönlichen Begegnung schon und können das Gespräch fortführen. Denkbar ist auch die umgekehrte Situation: Nach einer persönlichen Beratung können werdende Eltern der Beraterin notwendige Dokumente online zukommen lassen – die verschlüsselte Übertragung über das Beratungsportal macht es datensicher möglich. Der Mix aus persönlicher, digitaler und auch telefonischer Beratung nennt sich „Blended Counseling“. „Wir sehen hier große Chancen für eine noch flexiblere Beratung“, so Peter. „Deshalb setzen wir uns dafür ein, dass ,Blended Counseling‘ an den Hochschulen auf den Lehrplan gesetzt wird.“

Die Caritas Regensburg führte die Online-Beratung für Schwangere Anfang des Jahres ein, noch vor der Corona-Krise. Während des Shutdowns hat das neue Angebot die erste Feuerprobe bestanden: „Wir waren für unsere Klientinnen und Klienten durchgehend erreichbar“, so Dotzer. „Per Telefon und auch über die Online-Beratung haben wir die ganze Zeit Informationen und Hilfestellung gegeben. Die Nachfrage ist auch nicht eingebrochen.“ Zwischen März und Juni 2020 fanden in Regensburg nur 15 Beratungen weniger statt als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In den anderen Beratungsstellen der Caritas in der Diözese Regensburg sieht es ähnlich aus; in Straubing war die Nachfrage sogar größer.

Die Themen haben sich allerdings etwas verändert: Wie wirkt sich das Kurzarbeitergeld auf Beschäftigungsverbot, Mutterschutz und Elterngeld aus? Oder das Arbeitslosengeld? Das waren häufige Fragen, die erst so richtig durch Corona entstanden sind. Auch eine schwangere Touristin, die wegen der Corona-Krise nicht in ihr Heimatland zurückkehren konnte, wandte sich an die Caritas Regensburg. „Es war schon eine besondere Situation. Die Online-Beratung in Verbindung mit vielen telefonischen Beratungen hat uns da wirklich gute Dienste geleistet. Wir haben so gute Erfahren mit diesen Angeboten gemacht, dass wir sie unseren Klientinnen und Klienten auch zukünftig neben der persönlichen Beratung anbieten werden“, so Dotzer.


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