17.04.2020, 12:39 Uhr

Apotheke in der Corona-Zeit „Die Arzneimittelversorgung ist gesichert“

Josef Kammermeier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischern Apothekerverbands, ist Sprecher der Apotheker im Raum Regensburg. Foto: KammermeierJosef Kammermeier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischern Apothekerverbands, ist Sprecher der Apotheker im Raum Regensburg. Foto: Kammermeier

„... fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“, dieser Werbespruch, der auch schon zu einigen Witzen gut war, ist in Corona-Zeiten plötzlich wieder sehr erst. Denn: Viele Menschen haben Fragen – und da wendet sich der ein oder andere an den Apotheker seines Vertrauens.

Regensburg. Josef Kammermeier, stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands, ist Sprecher der Apotheker im Raum Regensburg. Er weiß, welche Fragen gerade aktuell sind: „Das Thema Corona ist seit langen Wochen das beherrschende Thema. Wir Apotheken gelten hier als erste Anlaufstelle in Gesundheitsfragen rund um die Pandemie“, schildert Kammermeier. „Das Fragengebiet unserer Kunden ist dabei breit: Wo ist die Ansteckungsgefahr besonders groß? Welche besonderen Vorsichtsmaßnahmen müssen Risikopatienten wie Asthmatiker oder Diabetiker beachten? Haben Allergiker ein höheres Risiko? Welche Desinfektionsmittel sind geeignet? Wie soll ich die trockenen Hände pflegen?“ – mit all diesen Fragen werden die Apotheken in diesen Tagen konfrontiert.

Immer wieder taucht auch die Frage auf, ob es denn genug Arzneimittel gibt, von Lieferschwierigkeiten ist die Rede. „Die Arzneimittelversorgung ist gesichert, hier zeigt sich der unschätzbare Vorteil der inhabergeführten Apotheken vor Ort. Und auch im Nachtdienst und an Wochenenden sind die öffentlichen Apotheken in ganz Bayern dienstbereit. Patienten können die nächstgelegene Notdienstapotheke jederzeit über die mobile Notdienstnummer 22833 finden“, sagt Kammermeier. Lieferengpässe kenne man schon seit Jahren. „Und sie machen uns Apotheken eine gehörige Menge Arbeit. Größere zusätzliche Probleme, die auf den Ausbruch der Coronavirus-Pandemie zurückzuführen wären, stellen wir aber nach wie vor nicht fest.“ Die Apotheker haben aber auch Forderungen an die Entscheidungsträger: Zum Beispiel müssten die Regularien der Rabattverträge geändert werden: „Die Versorgungssicherheit für unsere Patienten muss oberste, allererste Priorität genießen. Mehrere Firmen müssen die Versorgung sicherstellen. Die Abhängigkeit der Produktion aus Fernost muss beendet werden“, zählt Kammermeier auf. Woran es nicht mangelt, sind Medikamenten für die Selbstmedikation: „Saisonal werden im Moment vor allem Mittel gegen Erkältungssymptome aber auch Heuschnupfenpräparate nachgefragt, für die es eine Vielzahl von Präparaten unterschiedlicher Hersteller gibt. Wir Apotheken halten entsprechende Bestände vorrätig.“ Kammermeiers Appell: „Es gibt keinen Grund, Arzneimittel zu hamstern.“

Das Thema Masken ordnet der Apotheker ganz pragmatisch ein: „Aktuell sind Schutzmasken ein rares Gut. Deshalb ist ein Gebot ausreichend, für eine Maskenpflicht stehen nicht genügend sinnvolle Produkte zur Verfügung.“Kammermeier erinnert an die verschiedenen Typen von Masken, hier sei es wichtig, genau zu unterscheiden: „Ein Mund- und Nasenschutz schützt das Umfeld, aber nicht den Träger. FFP-Masken schützen auch den Träger, die Atmung fällt aber schwerer. Selbstgebastelte Masken aus Baumwolle bieten nur etwas Schutz.“ Viele Meschen tragen aktuell auch Einmalhandschuhe, das sieht Kammermeier eher kritisch: „Ein äußerst zweischneidiges Schwert. Einmalhandschuhe sind wie eine künstliche Haut, die dazu verleitet, sie zu lange zu tragen, weil man sie für einen tollen Schutz hält. Oft sammeln sich dann viele Erreger auf den Handschuhen und landen dann im Gesicht. Also wenn schon Handschuhe: Wie schon der Name sagt, nur einmal und kurz tragen.“

Kammermeier hat einen Tipp, der eigentlich ganz einfach ist: „Hygiene schützt“, sagt er. Wichtig sei die Niesetikette, Berührungen wie zum Beispiel Händeschütteln oder Umarmungen sollten vermieden werden, man sollte sich auch nicht mit den Händen ins Gesicht fassen. Richtiges Händewaschen dauert mindestens 30 Sekunden – Wasser und Seife sind hier angesagt. Auch die Handdesinfektion ist sinnvoll, zum Beispiel mit selbsthergestellten Lösungen aus der Apotheke. „Mit diesen einfachen Maßnahmen können Sie helfen“, sagt der Chef der Stadtpark-Apotheke in Regensburg.


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