04.11.2019, 14:38 Uhr

Duales Hebammenstudium Neuer Nachwuchs im Kreißsaal – Studierende der Hebammenkunde starten Praxisblock


Mit dem Start des dualen Hebammenstudiengangs in Regensburg kommen nun die akademischen Hebammen in den Kreißsaal. Die ostbayerischen Krankenhäuser der Barmherzigen Brüder und das Klinikum Neumarkt kooperieren in der fachpraktischen Ausbildung.

REGENSBURG Der Ansturm war immens: Gut 200 Bewerberinnen gab es für die insgesamt 28 Plätze, die der neue Modellstudiengang für Hebammenkunde an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH) zu vergeben hatte. Das besondere Detail: Die Studierenden lernen dual – zu einem Drittel theoretisch und zu zwei Dritteln in der Praxis. Das erklärt die verhältnismäßig geringe Zahl der Erstsemester; schließlich müssen die jungen Hebammen in den beteiligten Kliniken während ihrer Praxiseinheiten untergebracht und gut betreut werden.

Insgesamt 15 der 28 fachpraktischen Ausbildungsplätze bieten die ostbayerischen Geburtshilfekliniken der Barmherzigen Brüder in Regensburg, Straubing und Schwandorf gemeinsam mit dem Klinikum Neumarkt in einem Rotationsverbund an. Der Zusammenschluss der Ausbildungskliniken bedeutet für die angehenden Hebammen einen immensen Vorteil. „Die Hebammen, die sich für eine Ausbildung im Rotationsverbund entscheiden, können alle Facetten der Geburtshilfe bei ihren praktischen Einsätzen kennenlernen und breitgefächert Erfahrung sammeln“, erklärt Eva Juraschko, die Leitende Hebamme an der KUNO-Klinik St. Hedwig in Regensburg. „Vom Haus der Maximalversorgung wie hier am universitären Perinatalzentrum der Klinik St. Hedwig in Regensburg bis hin zur kleineren Geburtshilfestation oder sogar einer Hebammenpraxis in Neumarkt können wir das gesamte Spektrum anbieten“, betont sie.

Die Studierenden durchlaufen in der klinisch-praktischen Ausbildung neben den Einsätzen im Kreißsaal, auf der Wochenbett- und der Neugeborenen-Station auch Einsätze im OP sowie auf operativen und nicht-operativen Pflegestationen. Durch das Rotationssystem mit der KUNO-Klinik St. Hedwig in Regensburg können die angehenden Hebammen auch die Arbeit in einer Kinderklinik kennenlernen. Somit wird eine bestmögliche und umfangreiche praktische Ausbildung in allen Bereichen des Hebammenberufes ermöglicht. Sabine Beiser, Geschäftsführerin der Klinik St. Hedwig, ist sich sicher, dass die Kooperation der Krankenhäuser die Situation der Hebammen insgesamt verbessert. „Wir Krankenhaus-Geschäftsführer ziehen alle an einem Strang, um den Hebammen eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen und ihre Position in Ostbayern zu stärken.“

In der KUNO Klinik St. Hedwig starten acht Studierende demnächst mit ihrem ersten Praxisblock. In Schwandorf und Straubing gibt es jeweils zwei Praktikumsplätze und in Neumarkt drei. Die Aufregung ist entsprechend groß: Immerhin geht es nun darum, zum ersten Mal vor Ort zu erfahren, was den Beruf eigentlich ausmacht. „Als einziges universitäres Perinatalzentrum der höchsten Versorgungsstufe in Ostbayern können wir den jungen Frauen natürlich optimale Ausbildungsvoraussetzungen bieten“, freut sich Geschäftsführerin Sabine Beiser. „Bei uns lernen die Nachwuchshebammen physiologische familienorientierte Geburtshilfe und die Begleitung von Risikogeburten.“ Bei etwa 3.200 Entbindungen pro Jahr wird es dabei an Anschauung und Praxis nicht mangeln. Nicht zuletzt haben diese optimalen Voraussetzungen zu den vielen Bewerbungen geführt, bei der die Auswahl der Bewerberinnen dem Bayerischen Hochschulgesetz folgt. Und genau das ist für Astrid Giesen, Praxiskoordinatorin der Hebammenstudierenden, ein kritischer Punkt. Denn der Numerus Clausus sagt letztendlich nicht viel darüber aus, ob eine Bewerberin für den facettenreichen Beruf wirklich geeignet ist. „Ein verpflichtendes Praktikum im Kreißsaal als Voraussetzung für die Bewerbung wäre hier sehr sinnvoll und nötig“, erklärt sie. Schließlich gibt es neben der hohen Lernbereitschaft im Rahmen des Dualen Bachelor-Studiums auch um weiche Faktoren wie Empathie oder Kommunikationsfähigkeit, die in diesem Beruf eine Rolle spielen. Andere Bundesländer haben das frühzeitig erkannt und das Pflichtpraktikum bereits eingeführt.

„Die Hebammen in St. Hedwig freuen sich sehr auf ihre neuen Kolleginnen“, ergänzt Giesen. „Dieser Studiengang ist ein wichtiger Schritt heraus aus der Unterversorgung.“ Das innovative Ausbildungskonzept wird daher auch von der Ärzteschaft und dem Pflegepersonal der Klinik sehr begrüßt und ist organisatorisch gut in die betrieblichen Abläufe integriert.


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