18.09.2019, 20:55 Uhr

Umgang im Akutkrankenhaus Optimale Versorgungsqualität am UKR mit dem neuen Demenz-Konzept

Eine Aktivierungsbox kann verschiedene Materialien enthalten – angepasst an die individuellen Vorlieben der Patienten. (Foto: UKR/Martin Meyer)Eine Aktivierungsbox kann verschiedene Materialien enthalten – angepasst an die individuellen Vorlieben der Patienten. (Foto: UKR/Martin Meyer)

Das Universitätsklinikum Regensburg (UKR) hat ein Demenz-Konzept entwickelt. Ein wichtiger Aspekt dabei ist das D-Team, das aus 26 Pflegefachkräften besteht, die speziell im Umgang mit Menschen mit Demenz geschult sind. Dadurch bietet das UKR für diese Patienten eine optimale Versorgungsqualität.

REGENSBURG Franz Schneider wird wegen eines Oberschenkelhalsbruchs stationär am UKR behandelt. Was ihn von anderen Patienten unterscheidet, ist seine fortgeschrittene Demenz. Der 75-Jährige kann sich zuhause in seinem gewohnten Alltag weitgehend selbständig versorgen. Er hat jedoch Probleme, sich in fremden Umgebungen zurecht zu finden. Der Klinikaufenthalt bedeutet für Franz Schneider daher extremen Stress, was sich negativ auf seinen physischen und psychischen Zustand auswirken und dementsprechend auch die Genesung seiner Verletzung beeinflussen kann. Patienten wie Franz Schneider benötigen eine besonders individuelle und intensive Betreuung, die weit über die reguläre medizinisch-pflegerische Versorgung hinausgeht und die zuständigen Pflegeteams vor zusätzliche Herausforderungen stellt. Durch eine immer älter werdende Gesellschaft nimmt auch die Anzahl an Patienten mit demenziellen Begleiterkrankungen im Krankenhaus zu. Um dieser Entwicklung zu begegnen, hat das UKR ein hausübergreifendes Demenz-Konzept entwickelt, welches auch das sogenannte D-Team vorsieht. Dieses nimmt nun seine Arbeit am UKR auf, um der Versorgung von Patienten mit Demenz und Delir (akuter Verwirrtheit) gerecht zu werden.

Aktivierung ist das Stichwort

Das D-Team besteht aus 26 Pflegekräften, die sich als Multiplikatoren auf die einzelnen Stationen des UKR verteilen. Auf jeder Allgemeinstation gibt es dabei einen D-Team-Beauftragten, auf einer Doppelstation zwei. Deren Hauptaufgabe besteht darin, das gesamte Pflegeteam auf Station im Umgang mit Patienten mit Demenz und Delir zu sensibilisieren. So sollen Patienten mit kognitiven Funktionseinschränkungen möglichst früh identifiziert werden können, um ihre Behandlung entsprechend anzupassen. Um die betroffenen Patienten im Stationsalltag zu aktivieren, stehen dem Pflegeteam sogenannte Aktivierungsboxen mit verschiedenen Materialien zur Verfügung. Die Inhalte der Boxen reichen von Bällen über Brettspiele und Erinnerungskarten bis hin zu Wolle und Stricknadeln. „Aktivierung ist für Menschen mit Demenz sehr wichtig. Dadurch behalten sie ihre Fähigkeiten auch in fortgeschrittenen Stadien der Krankheit möglichst lang, wodurch ihre Lebensqualität steigt. Deshalb möchten wir den Betroffenen auch während ihres Aufenthalts am UKR die Möglichkeit geben, aktiv zu bleiben“, betont Pflegedirektor Alfred Stockinger die Wichtigkeit des D-Teams. Gefördert werden die Aktivierungsboxen vom Verein der Freunde und Förderer der Pflege am Universitätsklinikum Regensburg e. V. (VFFP). „Wenn man erlebt, wie positiv das Angebot von Patienten, deren Angehörigen und dem Pflegepersonal angenommen wird, weiß man, dass sich die Investition gelohnt hat“, teilt Thomas Bonkowski, Vorstand des VFFP, überzeugt mit.

Spezielles Angebot für Patienten mit Demenz und Delir

Im Bereich der Unfallchirurgie wurde zusätzlich mit einem Modellprojekt ein erweitertes Aktivierungsangebot gestartet. Hier bietet eine zusätzliche Betreuungskraft in Ergänzung zur medizinisch-pflegerischen Versorgung tägliche Gruppen- und Einzelaktivierung an. Dieses Angebot richtet sich an Patienten mit kognitiven Einschränkungen und reicht von Gedächtnistraining über Singen und Spielen bis hin zu Bewegungsübungen und gemeinsamen Mahlzeiten. Aber auch Gespräche und der persönliche Austausch sind wichtig, um einen professionellen Zugang zu den Patienten zu bekommen.

Demenz verläuft bei jedem Betroffenen anders. Welches Angebot geeignet ist, hängt von dessen persönlichen Vorlieben, der Krankheitsphase und seinen körperlichen Einschränkungen ab. Deshalb ist jede Intervention biografiebezogen und auf individuelle Vorlieben des Patienten ausgerichtet. So kann man beispielsweise an frühere Hobbies anknüpfen, aber auch neue Beschäftigungsmöglichkeiten ausprobieren. „Durch die Therapien lassen sich bereits nach kurzer Zeit erhebliche Verbesserungen in der Stimmung der Patienten erkennen. Sie sind im Stationsalltag wesentlich ausgeglichener und können nachts oft besser schlafen“, beschreibt Andrea Spiegler, Pflegeexpertin für Demenz und Delir, den Erfolg des Aktivierungsangebots. Neben den betroffenen Patienten werden auch die Angehörigen eng eingebunden. „Dadurch erhalten wir wichtige Informationen über die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Patienten, die für eine spezialisierte Pflege sinnvoll und notwendig sind. Außerdem ist der Kontakt mit den pflegenden Angehörigen eine gute Gelegenheit, um auf mögliche Anliegen und Sorgen, die Patienten gegenüber dem Krankenhausaufenthalt haben, einzugehen“, erklärt Andrea Spiegler weiter. Durch die Aktivierungstherapie haben die Patienten zudem eine feste Bezugsperson, wodurch sie sich auch in der ungewohnten Klinik-Umgebung sicherer fühlen.

Kontinuierliche Weiterentwicklung der Pflegequalität

Damit die Versorgungsqualität von Patienten mit Demenz und Delir am UKR kontinuierlich verbessert werden kann, trifft sich das D-Team einmal pro Quartal zu einem Qualitätszirkel. Dabei tauscht sich das Team über ihre Erfahrungen in der Arbeit mit betroffenen Patienten aus und diskutiert verschiedenste Fallbeispiele. Darüber hinaus nehmen die D-Team-Beauftragen regelmäßig an Fortbildungen teil. Dabei wird die Handlungskompetenz im Umgang mit Patienten mit Demenz und Delir im Akutkrankenhaus weiter vertieft. „Unser Ziel ist es, den komplexen Anforderungen von Patienten wie Franz Schneider in Zukunft ganz selbstverständlich zu begegnen. Demenz und Delir spielt eine immer größere Rolle im Krankenhausalltag. Die Betroffenen können sich nur eingeschränkt an die Klinikumgebung anpassen und den Heilungsprozess aktiv mitgestalten. Deshalb liegt es an uns, die noch vorhandenen Fähigkeiten des Patienten zu erkennen und aktiv zu nutzen und zu fördern“, fasst Andrea Spiegler zusammen.


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