21.05.2019, 16:53 Uhr

Verschafften sich einen Überblick Bundestagsabgeordnete informierten sich am Uniklinikum über Organspende und Transplantation

(Foto: Martin Meyer/UKR)(Foto: Martin Meyer/UKR)

Gefördert durch die Initiative von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist die Organspende und deren gesetzliche Regelung aktuell in der öffentlichen Diskussion. Doch wie geht es eigentlich den Betroffenen, den Patienten in Niederbayern und der Oberpfalz? Davon konnten sich vier Bundestagsabgeordnete der CSU heute beim Besuch des universitären Transplantationszentrums Regensburg im Universitätsklinikum Regensburg (UKR) ein Bild machen.

REGENSBURG Sieben Jahre darf sich Geoffrey Bonosevich nun schon über „die Verlängerung seines ohnehin schon schönen Lebens freuen“. 2011 wurde bei ihm eine Kardiomyopathie festgestellt, eine Erkrankung des Herzmuskels, die zu einem immer weiter fortschreitenden Pumpversagen des Herzens führt. Nach einem Herzschrittmacher, zwei Defibrillator-Implantaten und 500 Tagen mit Kunstherz stand fest: nur eine Herztransplantation kann ihm helfen. Er hatte Glück, nach nur fünf Monaten kam der erlösende Anruf. Heute verfasst der 61-Jährige jedes Jahr einen Jahresbericht, in dem er die schönsten Momente zusammenstellt, die er dank seines neuen Herzens erleben darf. Aufmerksam folgten die Bundestagsabgeordneten Peter Aumer, Karl Holmeier, Alois Karl und Florian Oßner der Geschichte des Familienvaters. Im Zuge der politischen Diskussion über eine neue gesetzliche Regelung der Organspende in Deutschland informierten sich die vier CSU-Bundestagsabgeordneten aus der Region Ostbayern heute über die Arbeit des universitären Transplantationszentrums Regensburg und die Situation der Patienten in ihren Wahlbezirken.

MdB Karl Holmeier zeigte sich stellvertretend für seine Kollegen beeindruckt: „Wir danken den Mitgliedern des universitären Transplantationszentrums Regensburg für den transparenten Einblick in die Situation von Patienten und Medizinern. Was wir heute erfahren durften, hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Jeder kann im Laufe seines Lebens auf eine Organspende angewiesen sein, unabhängig von Alter, Lebensstil oder sozialem Status. Deswegen ist es ein Thema, mit dem wir uns alle zumindest einmal im Leben beschäftigen sollten. Wir nehmen von unserem Besuch am Universitätsklinikum Regensburg wertvolle Eindrücke mit und hoffen damit zu einer fundierten Debatte im Bundestag beitragen zu können.“

Neben Geoffrey Bonosevich hat sich heute auch Familie Kaiser (Name geändert) im UKR eingefunden, um den Politikern von ihrem Schicksal zu berichten. Ihre Tochter wurde mit einem Verschluss der Gallenwege geboren – eine seltene Erkrankung, die in Deutschland nur bei etwa einem von 15.000 Neugeborenen vorkommt und die Leber schwer schädigt. Dass die Eltern sich heute am Aufwachsen ihres gesunden Kindes freuen können, haben sie einer Lebertransplantation zu verdanken, die ihre heute zweijährige Tochter vor einem Jahr erhalten hat. „Die Geschichten von Geoffrey Bonosevich und Familie Kaiser zeigen, was Organspende für den einzelnen bedeuten kann. Bei ihnen ist es gut ausgegangen, viele unserer Patienten haben aber leider nicht so viel Glück“, führte Professor Dr. Bernhard Banas, Leiter des Transplantationszentrums Regensburg, aus, als er den Bundestagsabgeordneten die aktuelle Situation in Deutschland und speziell in Ostbayern erläuterte.

So stehen derzeit rund 10.000 Menschen bundesweit auf den Wartelisten für ein neues Organ. Noch weitaus mehr Personen würden ein Organ benötigen, schaffen es aber aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustands erst gar nicht auf die Warteliste oder müssen wieder abgemeldet werden. Professor Banas weiter: „Jährlich versterben viele Tausende, denen man medizinisch durch eine Transplantation sehr gut helfen könnte. Die Ursache dieses Problems ist die geringe Rate an Organspendern in Deutschland, die nur ein Drittel dessen beträgt, was in den meisten europäischen Nachbarländern bereits Standard ist.“

In Ostbayern zeichnet sich ein ähnliches Bild. So warteten im Jahr 2018 513 Patienten auf eine Spenderniere, 127 auf eine Leber, 33 auf ein Herz und 13 auf eine Bauchspeicheldrüse. Transplantiert werden konnten aber nur 34 Nieren, 47 Lebern, zehn Herzen und zwei Bauchspeicheldrüsen. „Die Wartezeiten für eine Transplantation sind bei uns drei bis vier Mal länger als in anderen Ländern. Aktuell erreichen höchstens zwei Drittel unserer Wartelistenpatienten die lebensrettende Transplantation, bei Herz- und Leberkranken sind die Chancen sogar noch schlechter“, erläutert Professor Banas die aktuelle Situation und schließt seine Ausführungen mit einem Appell ab. „Eine breite gesellschaftliche Diskussion ist hier dringend nötig, um mehr unserer Patienten helfen zu können.“

Lücke zwischen Theorie und Praxis schließen. Dass die Bereitschaft innerhalb der deutschen Bevölkerung grundsätzlich da wäre, zeigt ein Blick auf die regelmäßigen Umfragen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Über 80 Prozent der Bundesbürger stehen einer Organspende grundsätzlich positiv gegenüber. Zu dieser Aussage in der Theorie klafft in der Praxis aber eine große Lücke, da nur etwa ein gutes Drittel der Deutschen aktuell einen Organspendeausweis besitzt.

Diese Thematik und weitere offene Punkte rund um Organspende und Transplantationsverfahren wurden in einer Diskussionsrunde erörtert, die sich an den Vortrag von Professor Banas und die Berichte der Patienten anschloss. Hierfür standen alle Mitglieder des universitären Transplantationszentrums Regensburg den Bundestagsabgeordneten für Fragen zur Verfügung.

Zum Abschluss ihres Besuchs wurden die vier Politiker noch über zwei Intensivstationen am UKR geführt. Dort konnten sie sich vor Ort einen Eindruck über die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung für Patienten machen, die auf ein neues Organ angewiesen sind. So lernten sie unter anderem eine Herz-Lungen-Maschine als modernes Organersatzverfahren kennen und bekamen auch einen Eindruck davon, wie es den oft schwerstkranken Patienten auf der Warteliste ergeht.

In Deutschland werden Organtransplantationen nur durch spezialisierte Zentren durchgeführt. Das universitäre Transplantationszentrum am Universitätsklinikum Regensburg stellt im Bereich der Organtransplantationen für Herz, Niere, Leber und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) und der Stammzelltransplantation die vollständige transplantationsmedizinische Versorgung der Bevölkerung in Niederbayern und der Oberpfalz sicher, speziell für die Kinder-Lebertransplantation auch weit über die Region hinaus.

Für eine Organtransplantation wird besondere medizinische Expertise aus verschiedenen Fachbereichen benötigt. Für eine bestmögliche Versorgung der Patienten arbeiten daher im universitären Transplantationszentrum am UKR insbesondere die Klinik für Anästhesiologie, die Klinik und Poliklinik für Chirurgie, die Klinik und Poliklinik für Herz-, Thorax und herznahe Gefäßchirurgie, die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin I, die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II, die Klinik und Poliklinik für Innere Medizin III, die Abteilung für Nephrologie, die Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin sowie die Abteilung für pädiatrische Hämatologie, Onkologie und Stammzelltransplantation eng zusammen.

Das Universitätsklinikum Regensburg ist Mitglied im Bündnis Organspende des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege und befürwortet die Einführung der Widerspruchsregelung zur Verbesserung von Organspende und -transplantation.


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