03.01.2019, 15:08 Uhr

Diskussion um Organspende Wolfgang Brey bekam an der Uniklinik Regensburg ein neues Herz – „Ich bin einfach nur unglaublich dankbar!“

Wolfgang Brey feiert nun zweimal im Jahr Geburtstag, das neue Herz hat ihn ins Leben zurückgeholt! (Foto: Ursula Hildebrand)Wolfgang Brey feiert nun zweimal im Jahr Geburtstag, das neue Herz hat ihn ins Leben zurückgeholt! (Foto: Ursula Hildebrand)

Wolfgang Brey versteht die Welt nicht mehr. Die Diskussion um das Thema Organspende berührt ihn sehr: „Das ist gar keine Frage“, sagt Brey im Wochenblatt-Gespräch, „die Widerspruchslösung ist das einzig Richtige“. Es gebe viel zu wenig Organe, sagt Brey, der sich selbst lange nicht mit dem Thema befasst hat. Seit dem 26. Oktober 2017 ist alles anders.

ABENSBERG/REGENSBURG Brey ist Schulleiter an der Mittelschule in Abensberg, der heute 60-Jährige sportelte viel, 15 Kilometer laufen am Stück, das war keine Seltenheit. Geraucht hat er nie – geschont hatte er sich aber auch nicht. Und so schlug eine verschleppte Grippe aufs Herz, ab Februar 2017 ging es gesundheitlich immer weiter bergab, ein Defi wurde Brey eingesetzt. Schnell war klar: Nur eine Transplantation kann Breys Leben retten. Und er hatte Glück: Am 25. Oktober 2017 kam mitten in der Nacht die Nachricht, dass es ein Herz gibt, ein 29-jähriger Motorradfahrer war tödlich verunglückt, lag in Leipzig in der Klinik. Brey machte sich Gedanken, wie es wohl sein wird, ein fremdes Herz in sich zu tragen, mit dem Wissen, dass ein anderer Mensch gestorben ist. Er strahlt vor allem Dankbarkeit aus, wenn er über den Spender spricht. „Ich bin unglaublich dankbar“, sagt Brey. An den Tod denkt er dabei nicht. Er will nach vorne schauen. Gerne würde er auch Angehörigen des Spenders sagen, wie dankbar er ist, aber Organspenden bleiben in Deutschland anonym. Und das sei letztlich auch gut und richtig, so Brey. Als „unmöglich“ empfindet der 60-Jährige die aktuelle Diskussion um die Frage der Organspende, die nach dem Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn entbrannt ist. Spahn hatte angeregt, die Widerspruchslösung, die es bereits in vielen Ländern gibt, auch in Deutschland einzuführen. Jeder, der zu Lebzeiten nicht widerspricht, sei dann automatisch Organspender.

Brey vertraut trotz aller Skandale den Ärzten und dem Klinikpersonal: „Das war unglaublich, was da geleistet wurde“, sagt er. Die Organspende selbst werde streng kontrolliert, alles werde mehrfach geprüft. Brey hat auch großen Respekt vor denen, die – meist schlecht bezahlt – in der Pflege im Einsatz sind und den Patienten viel Menschlichkeit entgegenbringen. Zudem würde eine Widerspruchslösung auch die Angehörigen eines potentiellen Spenders nicht belasten. Denn heute müssen oft de Hinterbliebenen eine Entscheidung treffen.

Brey wird am 26. Oktober 2017 in der Uniklinik in Regensburg operiert, das Herz passt – nach der OP muss er mehr als 20 Tabletten am Tag nehmen, 30 Kilo hat er abgenommen. Weihnachten 2017 darf er auf sein eigenes Drängen hin nach Hause – und kämpft sich zurück ins Leben. Noch heute sind Kontrolluntersuchungen wichtig, viele Tabletten muss Brey nach wie vor nehmen, doch er ist zurück im Leben. Auch an „seiner“ Schule ist er wieder voll im Einsatz. Nur das mit dem Sport klappt noch nicht. Das hat er sich als Ziel gesetzt, er will wieder laufen! Leider, so Brey, bekommen viele Menschen diese Chance nicht – sie bekommen kein Organ und sterben. Er hofft auf die Widerspruchslösung und ist froh darüber, dass aktuell das Thema Organspende überhaupt diskutiert wird: „So überlegt es sich der ein oder andere vielleicht doch noch und holt sich einen Organspenderausweis!“ Breys Familie ist mit gutem Beispiel vorangegangen: „Sie haben jetzt alle einen Ausweis“, sagt der 60-Jährige. Und: „Tot ist tot, aber man kann anderen Menschen helfen!“ Und wieder schwingt Dankbarkeit in den Worten Breys, Dankbarkeit gegenüber einem verstorbenen 29-Jährigen, der mit seinem Herzen weiteres Leben ermöglicht hat.


0 Kommentare