01.10.2018, 13:30 Uhr

Weltherztag Herzinfarkte werden nun schonender behandelt

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Der Weltherztag rief am 29. September ins Gedächtnis, was jeder einzelne für die Herzgesundheit tun kann. Weniger kann dabei mehr sein – das trifft zumindest auf eine noch sehr junge Standardtherapie bei Schock durch akuten Herzinfarkt zu, die am Universitätsklinikum Regensburg (UKR) von Kardiologen des Universitären Herzzentrums Regensburg (UHR) angewandt wird. Das schonende Verfahren verspricht eine höhere Genesungsrate.

REGENSBURG Das Herz pumpt pro Minute drei bis fünf Liter Blut durch den Körper und versorgt so alle Körperzellen mit lebenswichtigem Sauerstoff – dazu gehören auch die Herzmuskelzellen, die das rhythmische Schlagen des lebenswichtigen Organs erst ermöglichen. Wird der Herzmuskel aber beispielsweise aufgrund eines Gefäßverschlusses nicht mehr mit Sauerstoff versorgt, stirbt er unwiederbringlich ab. Ein akuter Herzinfarkt liegt vor. In Deutschland stellen Mediziner diese Diagnose rund 220.000 Mal pro Jahr. Behandelt wird der Herzinfarkt in der Regel mit einem Stent: Dafür bringen Kardiologen des Universitären Herzzentrums Regensburg (UHR) mittels der perkutanen Koronarintervention (PCI) ein kleines Röhrchen in das betroffene Herzkrankgefäß ein, welches dieses dauerhaft offen hält und so die Blutversorgung des Herzmuskels wieder ermöglicht.

Trotz dieser Behandlungsoption birgt ein Herzinfarkt ein hohes Sterblichkeitsrisiko. Dieses weiter zu senken, ist das Ziel der Änderung der PCI-Standardbehandlung: „Bislang wurde empfohlen, bei einem Herzinfarkt mit Schock nicht nur das akut verschlossene, sondern gleichzeitig weitere verengte Herzkrankgefäße mit einer PCI zu erweitern. Eine aktuelle Studie, an der auch wir mitgewirkt haben, zeigt aber, dass die Patienten einen Herzinfarkt besser überstehen, wenn zunächst nur das verschlossene Gefäß behandelt wird. Mit der Umsetzung dieses Wissens wurde ein Dogma gebrochen. Die neuen Erkenntnisse wenden wir konsequent an“, erklärt Professor Dr. Lars Maier, Vorsitzender des UHR und Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.

UHR gehört zu den Vorreitern bei neuer Methode

Die Ergebnisse der in Fachkreisen als Culprit-Shock-Studie bezeichneten Untersuchungen sind so relevant für die Behandlung von Herzinfarktpatienten, dass sie unmittelbar in die europäischen Leitlinien zum Management bei ST-Hebungs-Myokardinfarkt einfließen werden. Demnach senkt die sogenannte Ein-Gefäß-PCI das Risiko, infolge eines Herzinfarkts mit Schock innerhalb von 30 Tagen zu versterben oder ein schweres Nierenversagen zu erleiden, signifikant um etwa zehn Prozent. Ein Jahr nach der Behandlung ging es den Patienten, die beim akuten Herzinfarkt zunächst an nur einem Gefäß behandelt wurden, deutlich besser als jenen mit der Mehr-Gefäß-PCI.

Schon bevor die gängige Lehrmeinung basierend auf den Ergebnissen der Culprit-Shock-Studie umgeschrieben wurde, haben Professor Maier und sein Kardiologen-Team als Kooperationspartner dieser klinischen Multicenterstudie Patienten des UKR mit der schonenderen Therapie behandelt. „Weniger ist manchmal mehr – das gilt nun auch für die PCI bei einem akuten Herzinfarkt mit Schock: Schnell und gezielt vorzugehen hat deutlich höhere Erfolgsaussichten, als ein aufwendigerer und damit auch für den Patienten strapaziöserer Eingriff“, fasst Professor Maier den Vorteil der Methode zusammen. Er ergänzt: „Ich kann nur aus eigener Erfahrung bestätigen, dass so behandelte Patienten weitaus weniger Nachsorge bedürfen und die Komplikationsraten niedriger ausfallen“.

So funktioniert die PCI

Allein in Bayern werden jährlich über 53.000 PCIs durchgeführt. Dabei wird über eine Vene ein Katheter bis zum verengten Herzkrankgefäß geführt. Mittels des Katheters platzieren die Kardiologen einen Ballon im Gefäß, welcher in der richtigen Position entfaltet wird. In den meisten Fällen wird mit dem Einbringen des Ballons ein Stent eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein flexibles Metallgerüst, das auf dem Ballon montiert ist und das Gefäß dauerhaft ausdehnt. So kann sich dieses nicht mehr verengen und die Blutversorgung bleibt gewährleistet. Wie alle medizinischen Eingriffe birgt auch die PCI Risiken. Die Mitbehandlung von verengten, aber noch nicht verschlossenen Gefäßen parallel zur PCI-Behandlung eines akut verschlossenen Gefäßes erhöht die Risiken für den Patienten, gehörte aber bislang zur Standardtherapie.


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