18.06.2018, 09:35 Uhr

Jubiläum Endlich besser schlafen: 30 Jahre Schlaflabor im Bezirksklinikum

(Foto: medbo)(Foto: medbo)

Am Anfang begann die gute Idee fast wie ein Alptraum: von Patienten überrannt und von Kollegen als Krankheitserfinder beschimpft. Das medbo Schlaflabor hat sich erstaunlich schnell zu einer beliebten Anlaufstelle für Betroffene von Schlafstörungen entwickelt und konnte seinen guten Ruf in den vergangenen 30 Jahren beständig stärken und durch Innovationen weiter verbessern.

REGENSBURG Das Bezirksklinikum war 1988 das erste Versorgungskrankenhaus, das ein Schlaflabor einrichtete. Durchaus ein Pionier, denn damals gab es nur zehn Krankenhäuser mit dieser Spezialabteilung. „Das war für Regensburg eine weit vorausschauende Entscheidung. Die Bedeutung des Schlafs rückte erst in den vergangenen Jahren in den Vordergrund. Das Bezirksklinikum konnte schon früh seine Kompetenz zeigen und mehr noch. Das Schlaflabor öffnete sich durch die neuen Krankheitsbilder einer anderen Öffentlichkeit, Stichwort Entstigmatisierung“, resümiert Bezirkstagspräsident Franz Löffler zum Jubiläum.

An die erste Patientin im Schlaflabor kann sich Oberarzt Dr. Peter Geisler noch gut erinnern: eine 48-Jährige durfte als Erste unter genauester Beobachtung schlafen und bekam nach der erfolgreichen Ableitung aller Daten am 31. Januar 1988 schnell die Diagnose: Narkolepsie (im Volksmund Schlafkrankheit). Der noch junge Arzt Geisler hatte schon in München in einem Schlaflabor gearbeitet und wechselte für die Möglichkeit ein Schlaflabor nach eigenen Vorstellungen zu planen und aufzubauen nach Regensburg. Dort sollten Schlafstörungen, die mit psychischen Krankheitsbildern verbunden sind, erkannt und behandelt werden. Schlafstörungen bei Depressionen, Narkolepsie oder Insomnie (Schlaflosigkeit) sollten die Schwerpunkte der Behandlung bilden.

Doch zunächst kamen viele Patienten, die unter Schlafapnoe litten. „Damals gab es noch kein Bewusstsein für die gefährlichen Atemaussetzer während des Schlafs“, erinnert sich Dr. Geisler. Auch, dass den Atemaussetzern ein somatisches und kein psychischen Problem zu Grunde liegt, war damals weitläufig noch nicht bekannt. Zur Überraschung des Teams, das damals aus dem Arzt, einem Psychologen und mehreren Pflegekräften bestand, kamen sogar schwere bis schwerste Fälle der Schlafapnoe. Doch abgewiesen wurde keiner.

Spezialisten decken alle Bereiche der Schlafmedizin ab

Mittlerweile kommen die „richtigen“ Patienten und das medbo Schlaflabor hat sich durch die Qualifizierung seine Mitarbeiter breit aufgestellt: So ist Prof. Dr. Thomas Wetter Spezialist für das Restless Legs Syndrom, Dr. Geisler für Narkolepsie, Privatdozentin Dr. Tatjana Crönlein für Insomnie und Privatdozent Dr. Roland Popp für Vigilanzstörung (zum Beispiel Sekundenschlaf beim Autofahren). Durch die Spezialisten sind alle Bereiche der psychischen und neurologischen Schlafmedizin abgedeckt und das medbo Schlaflabor gilt als eine Art Referenzzentrum. Obwohl durch das lange Erstgespräch gerade mal die Hälfte der Patienten ins Schlaflabor müssen, sind die Betten sieben Tage in der Woche belegt und es gibt Wartezeiten.

Die Schlafmedizin ist eine noch relativ junge Disziplin, die als Zusatzweiterbildung zertifiziert wurde. Bis es soweit kam, fand ein harter Kampf mit den Gegnern der vermeintlichen Modekrankheit statt. Heute präsentiert sich das ganze Gebiet sehr dynamisch. In der neuen ICD11 der Weltgesundheitsorganisation soll die Schlafmedizin mit einem eigenen Kapitel aufgewertet werden.

Das medbo Schlaflabor ist nun auch mit dem Bezirksklinikum Wöllershof über das Pilotprojekt TELESOM verbunden, das vom Bayerischen Gesundheitsministerium gefördert wird. Die Patienten werden in der Nordoberpfalz verkabelt und verbringen dort die Nacht. Die Daten werden nach Regensburg geschickt und dann bespricht der Arzt mit dem Patienten über Bildtelefon die Ergebnisse. „Dank des Modellprojekts TELESOM können wir am medbo-Standort Wöllershof mittels moderner Telemedizin qualitativ hochwertige Schlafdiagnostik anbieten. Bei Erfolg kann dieses Modell von der Oberpfalz aus auf ganz Bayern übertragen und damit eine flächendeckende schlafmedizinische Versorgung sichergestellt werden“, findet Bezirkstagspräsident Löffler.


0 Kommentare