22.12.2017, 10:04 Uhr

Weihnachten mit Demenz „Ruhe ist der Schlüssel für ein gelungenes Fest“

(Foto: 123rf.com)(Foto: 123rf.com)

Wie das Fest mit Demenz kranken Angehörigen gelingt.

PASSAU Menschen mit Demenz sind schnell überfordert. Aber das Fest der Liebe bietet viele Möglichkeiten, Besinnlichkeit gemeinsam zu erleben und Erinnerungen aufzufrischen.

Gefühle gehören zu Weihnachten wie die Plätzchen zum Advent. So auch für Menschen mit Demenz. „Traditionen wecken Erinnerungen. So kann das Klingeln des Glöckchens vor der Bescherung kindliche Freude und Aufregung hervorrufen“, wissen Heidrun Putz und Jutta Krammer von der gemeinsamen Fachberatungsstelle für Pflegende Angehörige des Bayerischen Roten Kreuzes. Auch Gerüche, Geschmäcker oder alte Lieder wie „Oh, du fröhliche“ aktivieren das Langzeitgedächtnis. Heidrun Putz: „Über 80-Jährige haben dann plötzlich ihren Auftritt als Engel beim Krippenspiel vor Augen.“ Oder sie erinnern sich, wie sie mit der Mutter Butterplätzchen gebacken haben.

„Feiern Sie das Fest möglichst reizarm“, raten die Beraterinnen. Reize können Erkrankte nämlich schnell überfordern. Neben lauter Musik zählt hierzu vor allem die Dekoration. „Blinkende und bunte Lichter sollten Sie meiden“, sagt Jutta Krammer. Problemlos seien hingegen wenige, sanfte Lichtquellen oder Krippenfiguren.

Dasselbe gilt fürs weihnachtliche Abendprogramm. „Alles muss nacheinander passieren. Zuerst das Essen, dann eine kleine Pause, anschließend das Geschirrabspülen und zur Krönung des Abends die Bescherung“, erklären die Beraterinnen der BRK Fachberatungsstelle. Wer auch das Essen traditionell hält – etwa Kartoffelsalat mit Würstchen – schenkt seinen an Demenz erkrankten Angehörigen eine weitere Quelle um in Erinnerungen zu schwelgen. Zu viele Gänge hingegen könnten demenziell Veränderte unnötig verwirren. Angst, die Weihnachtsgäste mit Gesprächen zu überfordern, brauchen pflegende Angehörige jedoch nicht verspüren. Im Gegenteil: „Beziehen Sie Ihr Gegenüber ein und sprechen Sie ihn oder sie direkt an“, raten die Fachberaterinnen. Das zeige den Gästen, dass sie dazu gehören. Auch an dieser Stelle gilt: Die Lautstärke und Informationsvielfalt an den demenziell Erkrankten anpassen. Familiäre Diskussionen sollten Menschen mit Demenz zuliebe vertagt werden. „Falls Erkrankte sich dennoch sichtbar unbehaglich fühlen, nehmen sie diese stets aus der Situation heraus“, empfehlen Heidrun Putz und Jutta Krammer. Das könne durch direkte Ansprache geschehen oder indem ein Familienmitglied die Person an einen anderen Ort, etwa die Küche, begleitet. „Letztlich ist Ruhe der Schlüssel für ein gelungenes Fest.“

Info: 08533 / 961213 oder 0176/10222049 oder jutta.krammer@ssg.brk.de.


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