22.05.2020, 08:20 Uhr

Quarantäne wegen Corona-Verdacht „Ich habe um mein Leben gezittert“


Sofie Fuchs musste kurz vor ihrem Geburtstag in Corona-Quarantäne um ihr Leben bangen

Waldkraiburg. „Wo ich doch schon so weit gekommen bin, wollte ich auch meinen 88. Geburtstag noch erreichen“, sagt Sofie Fuchs. Ihren 88. Geburtstag am 2. Mai hat sie gefeiert. Doch zuvor musste die Waldkraiburgerin sieben Tage in der Corona-Klinik Mühldorf in Quarantäne verbringen.

„Ich habe gezittert, ob alles gut ausgehen wird“, erzählt die Seniorin von ihrer schlimmen Zeit kurz nach Ostern. Sie hatte damals Atembeschwerden und es ging ihr allgemein sehr schlecht. Weil es an den Feiertagen und in dieser Phase der Corona-Zeit nicht leicht war, einen Arzt zu erreichen, verbrachte sie angstvolle Stunden daheim am Telefon. Schließlich kam der Notarzt und überwies sie ins Krankenhaus.

Nach eingehender Untersuchung und Befragung durch Ärzte in der Corona-Klinik Mühldorf lag sie um ein Uhr nachts in ihrem Bett auf der Quarantäne-Station. Obwohl ihr Ärzte und Krankenschwestern nur in Schutzkleidung und mit Mund-Nasen-Masken und Gesichtsschild gegenüber traten und ihr eher wie Außerirdische erschienen, fühlte sie sich bestens aufgehoben und behütet.

„Ich möchte ein großes Lob bis in den Himmel hinauf für die Klinik und die Menschen, die dort arbeiten, aussprechen“ sagt die Seniorin. „Obwohl ich vor dem Ergebnis der Untersuchungen Angst hatte, habe ich mich auf der Station wie im 7. Himmel gefühlt.“ Auch das Krankenhausessen lobt sie: „Wie in einem 5-Sterne-Hotel.“

Die Quarantäne-Patientin hatte sogar Mitleid mit dem Klinikpersonal, das sich vor Betreten ihres Zimmers erst einmal in die Schutzkleidung hüllen musste: „Deshalb hat es auch immer ein wenig gedauert, wenn ich nach jemandem geklingelt habe. Die armen Ärzte und Krankenschwester haben an ihrer Schutzmontur wirklich zu leiden.“

Der Verdacht auf Corona hat sich zum Glück nicht bestätigt und Sofia Fuchs konnte das Krankenhaus wieder verlassen. Dass sie an ihrem 88. Geburtstag trotz Corona-Kontaktbeschränkungen nicht vergessen war, zeigen die vielen Blumen und Glückwunschkarten, die ihr Familie, Freunde und Bekannte vor die Tür gelegt haben.

Für die aus dem rumänischen Buchenland stammende Seniorin war Corona ein weiteres schlimmes Abenteuer in ihrem bewegten Leben. Als Achtjährige verlor sie in den Wirren des 2. Weltkriegs ihre Heimat und wurde mit Eltern und sechs Geschwistern zum Spielball der Geschichte. Darüber hat sie 1998 ein Buch geschrieben - und freut sich noch heute, dass sie dafür in ihrer alten Heimat Suceava sogar von Bürgermeister und Bischof mit einem großen Empfang geehrt wurde.