14.04.2020, 13:55 Uhr

Kiga in der Corona-Krise „Wir vermissen unsere Kinder“

 Foto: Markt Ergolding Foto: Markt Ergolding

Was passiert eigentlich in einem Kindergarten ohne Kinder? Jede Menge. Jedenfalls im Markt Ergolding. So werden dort jetzt zum Beispiel Gesichtsmasken für Mitarbeiter der Marktgemeinde genäht und liegengebliebener Bürokram aufgearbeitet.

Ergolding. Von Langeweile keine Spur – das können die Erzieherinnen und Erzieher der Ergoldinger Kindergärten und –krippen ruhigen Gewissens behaupten. Denn trotz weniger Kinder, die derzeit betreut werden müssen, ist im etwas anderen Erziehungsalltag einiges zu tun.

In vielen Berufsgruppen hat sich aufgrund der Coronakrise der Arbeitsalltag deutlich verändert. In den Kinderhäusern gilt aktuell statt Toben und Geschrei, vielmehr Büroarbeiten erledigen, Nähen und Ausmisten. „Dabei ist uns keineswegs langweilig – es ist nur ein ganz anderes Arbeiten als sonst“, erzählt eine Erzieherin aus dem Kinderhaus Kleine Strolche.

Die „Strolche“ haben derzeit eine so genannte Notgruppe in der Kinder in zwei Schichten von zwei Mitarbeiterinnen betreut werden. Ein Teil des Personals arbeitet an liegengebliebenen Beobachtungsbögen und Förderplänen, ein anderer bereitet Portfolio Einträge nach und vor. „Einige Konzepte und Büroarbeiten, die aus Zeitmangel immer wieder vor sich hergeschoben wurden, werden jetzt konzentriert und ohne Zeitdruck erledigt und in Angriff genommen“, so Kinderhausleitung Bianca Pflug. „Danach können wir uns wieder voll und ganz der Kinderbetreuung widmen“. Neben reichlichen Umsetzen von Hygienemaßnahmen, wie Putzen und Desinfizieren, kommt auch das Ausmisten in den Kinderhäusern nicht zu kurz.

Im Kinderhaus am Bründl nähen die Mitarbeiterinnen fleißig die so genannten Facies, also Atemmasken. Kinderhausleitung Tina Zaleschik übernimmt gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem Bruder die wesentliche Produktion, die Mitarbeiterinnen unterstützen in ihren Möglichkeiten die Aktion ihrer Chefin. Die gesamte Rathausverwaltung, die Kollegen vom Bauhof und verschiedene Altenheime wurden mit den Facies schon versorgt. „Der Zusammenhalt ist trotz Social Distancing und aller sozialen Einschränkungen enorm gestiegen“, freut sich Erster Bürgermeister Andreas Strauß.

Der Rathauschef nimmt vor allem in diesen schwierigen Zeiten seine Fürsorgepflichten sehr ernst. Ihm ist es ein wichtiges Anliegen, dass es in erster Linie den betreuten Kindern, aber freilich auch seinen Kolleginnen und Kollegen in allen Einrichtungen gut geht. Und das hat er schon frühzeitig bewiesen: bereits vor der Ausgangsbeschränkung bereitete er in Zusammenarbeit mit den Abteilungsleitern des Rathauses ein Krisen-Konzept vor, welches nur wenige Tage später umfassend umgesetzt wurde. Dabei wurden die grundlegenden Bedürfnisse sowohl vom Personal als auch der Bürger berücksichtigt. So sind viele froh, dass sie von der Arbeit ohne Lohnausfall oder -kürzung freigestellt werden, um sich um die eigenen Kinder kümmern zu können, andere wiederum fühlen sich an ihrem Arbeitsplatz oder auch im Homeoffice weiterhin gebraucht, nicht allein und gut aufgehoben. Das Ende der Corona-Krise wird aber trotz aller guter Rahmenbedingungen herbeigesehnt: „Wir vermissen unsere Kinder“, sagt eine Erzieherin schmunzelnd.


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