03.12.2017, 10:43 Uhr

5. Deggendorfer Palliativgespräche Beistand für Patienten in der letzten Lebensphase

Prof. Dr. Siegfried Wagner (v.l.), Dr. Barbara Lighvani, Estella Lighvani, Prof. Dr. Claudia Bausewein, Laetitia Tranitz und Dr. Franz Lummer. (Foto: DONAUISAR Klinikum Deggendorf)Prof. Dr. Siegfried Wagner (v.l.), Dr. Barbara Lighvani, Estella Lighvani, Prof. Dr. Claudia Bausewein, Laetitia Tranitz und Dr. Franz Lummer. (Foto: DONAUISAR Klinikum Deggendorf)

In Deutschland bestehen im internationalen Vergleich immer noch erhebliche Defizite in der Palliativversorgung.

DEGGENDORF Die Palliativmedizin kümmert sich um Patienten mit weit fortgeschrittenen Erkrankungen und zielt auf eine ganzheitliche Behandlung. Dabei stehen die Wünsche, Ziele und das Befinden der Patienten im Vordergrund. Wie man dem gerecht werden kann, war die Leitfrage der 5. Deggendorfer Palliativgespräche. Zwei international renommierte Experten bauten einen Spannungsbogen zwischen Spiritualität und palliativmedizinischer Forschung auf – immer mit dem Ziel, die Sorgen und Nöte der Patienten und ihrer Familien zu lindern. Die beiden Ansätze stießen auf großes Interesse bei Fachleuten aus dem Bereich Medizin und Pflege.

Die 130 Teilnehmer kamen sogar aus München und Stuttgart. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Siegfried Wagner, Chefarzt der Medizinischen Klinik II am DONAUISAR Klinikum Deggendorf, war auch Raum für persönliche Gespräche im Alten Rathaus.

Der Theologe Dr. Franz Lummer präsentierte das Thema Spiritualität als vierte Dimension palliativen Denkens und Handelns. Er wurde damit dem Interesse vieler Teilnehmer aus Palliativpflege gerecht. Nicht nur die Vermittlung von Sachinformationen, sondern auch Schärfung der Wahrnehmung und Reflektion der Zuhörer war dabei die Intention seines Referates. Als versierter Fachmann vermittelte er Spiritualität als die eigene Einstellung und die innere Haltung zum Geheimnis des Lebens und zur Gewissheit des Sterbens.

In Deutschland bestehen im internationalen Vergleich immer noch erhebliche Defizite in der Palliativversorgung, die vor allem durch eine nachhaltige Entwicklung der Forschung zur Palliativversorgung behoben werden können. Nur 30 Prozent aller Sterbenden erhalten eine palliativmedizinische Behandlung. Deshalb fordert die Nationale Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ eine für ganz Deutschland gleichwertige, einheitliche, flächendeckende und im Gegensatz zur gegenwärtigen Situation für alle Betroffenen zugängliche Versorgung mit hoher Qualität.

Für die Palliativversorgung in Deutschland soll zumindest das gleich hohe Niveau erreicht werden wie in den auf diesem Gebiet führenden Ländern der Welt (z. B. USA, Großbritannien und Schweden). Dies erfordert einen Paradigmenwechsel in der Palliativversorgung hin zu einer wissenschaftsbasierten Disziplin, was eine angemessene Förderung palliativmedizinischer Forschung voraussetzt. Über die palliativmedizinische Forschung referierte Prof. Dr. Claudia Bausewein aus München, welche den ersten universitären Lehrstuhl für das Fach Palliativmedizin in Bayern innehat.

Sie stellte Möglichkeiten zur Messung der Ergebnisse in der Palliativmedizin dar und thematisierte interessante Forschungsansätze für die Zukunft. Was zeichnet gute palliativmedizinische Forschung aus, die anders als in anderen Disziplinen mehrere Gesichtspunkte oft gleichzeitig berücksichtigen muss? Prof. Bausewein stellte Forschungsvorhaben des Interdisziplinären Palliativmedizinischen Zentrums München vor, in denen man sich diesen Herausforderungen stellt. Die Aktivitäten sind ermutigend und lassen wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung der Palliativmedizin in Deutschland erwarten.

Auch die diesjährige Veranstaltung wurde künstlerisch begleitet von zwei Preisträgerinnen des Wettbewerbes „Jugend musiziert“. Laetitia Tranitz und Estella Lighvani spielten Klavierliteratur verschiedener Stilepochen und stellten damit die Verbindung zwischen Bildung und Kunst her, die traditionell auch ein Anliegen dieser Veranstaltung ist. Die Organisation des Abends hat Oberärztin Dr. Barbara Lighvani federführend übernommen.


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