05.10.2018, 20:40 Uhr

Projektauftakt im Pfarrsaal Regen Musik bereichert das Leben im Alter


KEB Regen bildet Musikanimateure im Seniorenbereich aus

REGEN Sieben hochbetagte Damen des BRK Seniorenzentrums Zellertal sitzen gut gelaunt im Kreis. Jede hat ein Klanginstrument in der Hand und klopft passend zum Takt darauf, wenn Evamaria Molz ihnen die Einsätze gibt. Heitere und berührende Momente zugleich. Passender hätte die musikalische Umrahmung dieses Vortragsabends am Dienstag im Pfarrsaal Regen nicht sein können, ging es doch um ein neues Projekt, das die Katholische Erwachsenenbildung im Lkr. Regen e. V. ins Leben gerufen hat: „Frau Musica kennt kein Alter“. Es wird vom Kulturfonds Bayern, dem Bezirk Niederbayern und dem Landkreis Regen gefördert und will Musikanimateure für den Seniorenbereich ausbilden – Mitarbeiter von Pflegeheimen werden damit genauso angesprochen wie ehrenamtliche Besuchsdienste oder Musikbegeisterte, die sich neu in dem Bereich engagieren wollen.

Dass rund 85 Zuhörer gekommen waren, darunter Pflegekräfte, Heimleiter, kommunale Seniorenbeauftragte und Musiker, freute neben der KEB-Vorsitzenden Gisela Altmann-Pöhnl auch Roland Pongratz, der die Idee zum Projekt hatte und ein entsprechendes Konzept ausgearbeitet hat. Bei ihrer Begrüßung hatte Altmann-Pöhnl nicht zu viel versprochen, denn die Referentin Anke Franke, die als Leiterin eines Seniorenheims in Lindau bereits viel Erfahrung im Bereich Musik für und mit Senioren hat, verstand es, das Publikum schnell zu begeistern. Alles begann am Bodensee mit einem Tanznachmittag in Zusammenarbeit mit einer ortsansässigen Tanzschule. „Das ist eine der besten Sturzpräventionen und macht zugleich großen Spaß, auch wenn der Organisationsaufwand hoch ist“, räumte Franke ein, die aber nach der Devise „Man muss es nur wollen“ arbeitet. Musik und Tanz wecke Erinnerungen und neue Lebensgeister, sodass auch die weiteren Angebote im Seniorenheim vom Singkreis bis hin zu Trommelkurs und Klangwerkstatt ausgebaut wurden. Parallel bot die Leiterin ihren Mitarbeitern einen Gitarrenkurs an, sodass die Musik immer öfter in den Alltag des Heims eingebunden wurde. „Auch einige Bewohner begannen wieder, ihre Instrumente von früher zu spielen.“

Das Ergebnis ist erstaunlich und brachte dem Heim große mediale Aufmerksamkeit ein: Die Bewohner sowie Angehörige sind zufriedener, auch die Mitarbeiter werden dadurch bereichert. Der Allgemeinzustand der Senioren verbesserte sich, manch einer konnte Medikamente reduzieren oder absetzen und regelmäßig passiert es sogar, erklärte Franke, dass Bewohner in der Pflegestufe zurückgesetzt werden. „Auf den ersten Blick ist das fürs Heim vielleicht nicht wirtschaftlich, auf den zweiten Blick jedoch durchaus“, so Franke. Denn die positive Außenwirkung mobilisiere nicht nur Spendengelder, sondern trage auch zu einer guten Belegung des Hauses und einer hohen Mitarbeiterzufriedenheit sowie extrem wenigen Krankheitstagen bei.

Lobende Worte gab es für den „inspirierenden Vortrag“ dann auch von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. „Sie beklagen nicht nur die sicherlich bestehenden Missstände, sondern versuchen im Kleinen was zu verändern und damit erreichen Sie Großes“, meinte er anerkennend und versprach, sich gemeinsam mit dem neuen Bezirkstag für eine weitere Förderung einzusetzen. Dem pflichtete Landrätin Rita Röhrl bei und hob die Initiative der KEB Regen hervor, „die sich vorgenommen hat, solch ein tolles Konzept auch bei uns hier umzusetzen.“ Dass es den Senioren nämlich Spaß macht und damit ihre Lebensqualität steigert, war den Musikerinnen des Abends deutlich anzusehen.

Wer sich für die Ausbildung zum Musikanimateur im Seniorenbereich, die insgesamt acht Abende im November und Januar dauert, interessiert, kann sich an die KEB Regen (Tel. 0171/6480503; kontakt@frau-musica.de, www.frau-musica.de) wenden. Ansprechpartner sind Projektleiterin Lisa Ditz sowie Kursleiterin Evamaria Molz, die das pädagogisch und strukturell bestens durchdachte Projekt am Dienstagabend vorstellten. Dass es gleich an Ort und Stelle mehrere Anmeldungen für den Ausbildungskurs gab, freute die Verantwortlichen bei der KEB Regen ganz besonders und motiviere für den weiteren Verlauf des Projektes „Frau Musica kennt kein Alter“.


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