30.10.2019, 12:09 Uhr

Wichtig für die Trauerarbeit Das erste & das letzte Bild bezeugt: Der kleine Mensch war willkommen


Uwe Dreier und über 600 Fotografen verstehen ihr Engagement als ein humanitäres Geschenk an Sternenkinder-Eltern

LANDKREIS. Sternenkinder nennt man Neugeborene, die es nur für kurze Zeit oder gar nicht ins Leben geschafft haben. Diesen Verlust zu erleiden, ist für Eltern nur sehr schwer auszuhalten. Die Organisation „Dein Sternenkind“ mit über 600 Fotografen in Deutschland und Österreich hat es sich zur Aufgabe gemacht, Erinnerungsfotos der toten Babys als Geschenk für die Eltern zu erstellen, und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Trauerarbeit der Eltern und Familien.

Einer dieser Fotografen ist Uwe Dreier aus Mettenheim. Der begeisterte Fotograf ist seit zwei Jahren für die Sternenkinder unterwegs und hat bislang 22 Mal Bilder von gestorbenen Babys gemacht und dabei die Eltern eine kurze Zeit in ihrem Schmerz begleitet. „Mir selber ist dieses schreckliche Schicksal, ein Kind zu verlieren, zum Glück erspart geblieben. Als ich auf die Sternenkinder-Fotografen aufmerksam wurde, war mir aber sehr schnell klar, was für eine wichtige Aufgabe ich da übernehmen kann.“

Die Erfahrungen, die er gemacht hat, bestätigen: Die Bilder ihrer Sternchen helfen den Eltern nicht nur, irgendwann mit dem Verlust klar zu kommen, sondern auch, dass die Erinnerungen an das verstorbene Kind nicht verblassen - und auch nicht verdrängt werden.

„Ich treffe die Eltern ja in einer absoluten Ausnahmesituation. Aber ich erlebe dabei immer wieder, wie die Eltern ein Stückchen aus ihrem Schockzustand herauskommen, wie sie ihr Kind ganz genau betrachten, es vorsichtig berühren. Eine Mutter stellte beispielsweise fest, was für große Hände ihr kleiner toter Junge hat und dass er vielleicht ein guter Handwerker geworden wäre“, schildert Dreier. Oft seien auch die älteren Geschwister bei den Fotoaufnahmen dabei: „Es ist faszinierend, wie offen Kinder mit dieser Situation umgehen. Sie wissen genau, dass ihr Geschwisterchen nicht ,schläft‘ ...“, hat der Fotograf mehrfach erlebt.

Mit geübtem Auge und Babyaccessoires arrangiert Uwe Dreier gefühlvolle, ästhetische Bildmotive: „Auch mit der Aufnahme von Details wie Händchen oder Füßchen kann man verdeutlichen, wie innig das Kind erwartet wurde. Ein Bild ist der dauerhaft greifbare Beweis für die Existenz dieses Kindes und hilft den Eltern, dieses kleine Wesen als Teil der Familie in Erinnerung zu behalten“, ist er überzeugt. Immer im Gepäck dabei hat der Fotograf winzig kleine Babyausstattungen, die eigens von „Herzenssache Nähen für Sternchen und Frühchen e.V.“ angefertigt werden.

Fotografiert werden in der Regel Kinder ab der 14. Schwangerschaftswoche. Wie Uwe Dreier betont, entstehen den Eltern absolut keine Kosten: „Wir tragen komplett alle Kosten selbst – von den Fahrtkosten bis zum Fotomaterial. Kostenlos sind auch die Kleidungsstücke, die der Verein Herzenssache zur Verfügung stellt.“

Die häufigsten Einsätze haben er und seine Fotografen-Kollegen in Kliniken in den Großstädten wie München, Passau oder Traunstein: „Das liegt natürlich auch daran, dass bei zu erwartenden Komplikationen die Mütter meist dahin verlegt werden.“

Wenn Eltern im Lauf der Schwangerschaft erfahren, dass ihr Kind möglicherweise nicht lebensfähig ist, bereiten sie sich in der Regel auf den schlimmsten Fall vor und stoßen dabei auch auf das Angebot von „Dein Sternenkind“. Aber es gibt natürlich auch die Fälle, wo das Herz eines Babys völlig unerwartet aufhört zu schlagen: „Dann wäre es wünschenswert, wenn die Eltern von unserem Angebot erfahren würden“, so Uwe Dreier, der allerdings feststellen muss: „Auf dem Land haben wir leider nach wie vor Probleme, den Kliniken die Wichtigkeit dieser Fotos für die Eltern zu vermitteln.“

Es bedarf zwar keiner Erlaubnis der Kliniken zum Fotografieren der Sternenkinder, wenn es sich die Eltern wünschen: „Aber es wäre natürlich hilfreich, wenn die betroffenen Eltern auf die Möglichkeit, uns zu beauftragen, mittels unseres kostenlosen Infomaterials aufmerksam gemacht würden.“

Das Klinikum Mühldorf habe sich endlich zu einer Zusammenarbeit mit „Dein Sternenkind“ bereit erklärt. „In den Rottal-Inn-Kliniken hat man auf unser Angebot bislang leider nicht reagiert“, bedauert Uwe Dreier.

Kreiskliniken AÖ-Bgh unterstützen die Initiative

Nach einem ausführlichen Gespräch mit Herrn Uwe Dreier von der Initiative „Dein Sternenkind“ werden die Kreiskliniken Altötting-Burghausen diese Initiative gerne unterstützen und das entsprechende Angebot an die Patienten weitergeben.

„Wir sind sehr bemüht, die betroffenen Eltern und Familienmitglieder bei einem so schweren Schicksalsschlag äußerst einfühlsam und persönlich zu begleiten“, so Dr. Peer Hantschmann, Chefarzt der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Wir haben in diesen seltenen Fällen bisher eine Trauerkarte mit einem Fußabdruck angefertigt und auf Wunsch auch ein Foto von dem Kind gemacht.“ Den Betroffenen die Möglichkeit eines professionellen Erinnerungsfotos anzubieten, sei eine sehr positive Ergänzung der Trauerhilfe im Perinatalzentrum der Kreiskliniken Altötting-Burghausen.


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