21.08.2018, 14:05 Uhr

Im Ernstfall fatal Navi lotst den Krankenwagen zum falschen Haus

(Foto:  limonzest/123f.com)(Foto: limonzest/123f.com)

Wenn das Navi eine falsche Adresse ansteuert, kann ein Notfalleinsatz schnell zu lange dauern

LANDKREIS ALTÖTTING. Eine alte Dame stürzt vor ihrem Haus in einer Holzlandgemeinde. Mit Mühe und Not kann sie sich noch zu den Stufen des Eingangs schleppen, danach geht nichts mehr. Aufstehen und gehen sind ihr unmöglich.

Mit dem Hausnotrufknopf, den die Seniorin um den Hals trägt, setzt ihre Tochter einen Hilferuf ab. Ein Rettungswagen wird auf den Weg geschickt.

Nach ca. einer halben Stunde des Wartens meldet sich die Integrierte Leitstelle (ILS) Traunstein – hier laufen sämtliche Notrufe für Rettungsdienst und Feuerwehr auf – am Hausnotruf-Telefon. Der Krankenwagen stehe an der für den Hausnotruf hinterlegten Adresse – einem verlassenen Hof.

Kein Wunder, denn das Navi hat den Krankenwagen des BRK dank falscher Daten in der Karte der ländlichen Gegend zu einem Haus rund einen Kilometer vom Unfallort entfernt geleitet. Die Tochter der Gestürzten wird mit dem Handy des Rettungssanitäters verbunden, so kann der Rettungswagen doch noch zum richtigen Haus gelotst werden.

Zum Glück ist der Sturz mit Beckenbruch zwar ein schmerzhafter Unfall, aber kein Notfall, bei dem es um jede Minute geht. Ansonsten hätte die lange Suche nach dem richtigen Haus böse enden können.

Wir haben beim BRK nachgefragt, wie man dafür sorgen kann, dass die Rettung wirklich die korrekte Adresse des Hilfesuchenden vorliegen hat.

Manfred Barth, BRK-Pressesprecher: „Wenn Adressen im Kartenmaterial nicht stimmen, kann über den Anbieter eine Änderung beantragt werden. In dem vorliegenden Fall sollte die ILS Traunstein kontaktiert und das Routing bzw. die GPS-Daten angepasst werden.“

Probleme mit falschen Adressen kämen im Landkreis Altötting relativ selten vor, so der Mann vom BRK. Meistens stimme das Kartenmaterial.

Probleme gebe es unter Umständen mit Postadresse und Hofnamen oder wenn die Hausnummer nicht erkennbar oder der Eingang „versteckt“ ist.

Im Notfall – nicht für weniger dringliche Krankentransporte – gilt für den Landkreis und ganz Bayern: Notfälle müssen im Versorgungsbereich einer Rettungswache innerhalb von 12 Minuten Fahrzeit durch ein qualifiziertes Rettungsmittel erreicht werden können. Im Landkreis Altötting werde diese Frist in deutlich über 80 Prozent der Einsätze erfüllt.

Die Korrektur der Anschrift durch die Integrierte Leitstelle wurde jetzt von der Tochter des Unfallopfers in die Wege geleitet – und hat gleich Überraschendes ergeben. Bei der ILS ist die fragliche Adresse unter einem uralten Hofnamen gespeichert! Der ILS-Mitarbeiter vermutet, dass die Adresse von der Gemeindeverwaltung irgendwann einmal so weitergegeben und nie korrigiert wurde.

Sein Tipp – solange die Adressänderung noch nicht aktiv ist: Im Fall eines weiteren Notrufs die falsche aber derzeit trotzdem gültige Anschrift angeben. Damit der Rettungswagen den Weg findet.

Unser Tipp: Prüfen Sie doch mal im Navi oder bei GoogleMaps usw., ob Ihre Adresse korrekt angezeigt wird.


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