16.12.2020, 13:14 Uhr

Corona-Pandemie Feuerwerke verboten – „viele Familienbetriebe werden das nicht überleben“

Solche Bilder werden wir zum Jahreswechsel 2020/2021 wohl nur selten sehen. Foto: 123rf.comSolche Bilder werden wir zum Jahreswechsel 2020/2021 wohl nur selten sehen. Foto: 123rf.com

Bei Pyrotechnik Möller in Mitterfels blickt man mit Sorgen, aber auch Hoffnung in die Zukunft.

Mitterfels. „Das kurzfristige Verkaufsverbot führt bei uns und vielen Kollegen zu einem enormen Schaden“, sagt Malte Möller von Pyrotechnik Möller aus Mitterfels. Denn: 2020 wird es an Silvester keine (öffentlichen) Feuerwerke geben, der Verkauf, der normalerweise zum Jahresende die Einnahmen bringt, darf nicht stattfinden.

„In einem normalen Jahr macht der Verkauf von Pyrotechnik etwa 70 Prozent unseres gesamten Umsatz aus. Circa 30 Prozent entfallen auf Auftragsfeuerwerke, zum Beispiel für Hochzeiten, Feste oder öffentliche Veranstaltungen. Das Geschäft mit Auftragsfeuerwerken ist corona-bedingt fast zu 100 Prozent weggebrochen. Wir hatten einige wenige Kleinaufträge, die aber, wenn überhaupt, nur kostendeckend waren“, schildert Malte Möller. Einige Reservierungen und Vorbestellungen für das Jahresende gab es – doch mit dem aktuellen Beschluss sind auch diese Einnahmen wieder vom Tisch. Schon in den letzten Wochen war viel über ein mögliches Verbot diskutiert worden: „Wir haben viele Mails und Anrufe von besorgten Bürgern bekommen, die ein generelles Verbot nicht verstehen können. Das hat merklich viele bewegt und frustriert“, sagt Möller. „Viele Mitbürger wünschen sich ein Stück Normalität und Freude in diesen schweren Zeiten“ – das Feuerwerk gehöre da als Abschluss des Jahres für viele dazu.

30 Prozent des Umsatzes erzielt Pyrotechnik Möller mit den Auftragsfeuerwerken. „Hiervon sind circa 20 bis 25 Prozent öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 250 Besuchern. Der Rest sind Privatfeiern oder Firmenevents.“ Der Rest des Umsatzes wird mit dem Verkauf der Pyrotechnik erzielt. „Wir haben uns vor Jahren dazu entschlossen, uns mehr auf den Handel mit Pyrotechnik zu spezialisieren und hier dem Kunden eine große Vielfalt und eine gute und vor allem individuelle Beratung zu bieten. Wir führen über 750 verschiedene Artikel für den privaten Endverbraucher und unterstützen zahlreiche Manufakturen aus Deutschland und Europa. Das sind teils Familienbetriebe, die seid Generationen Pyrotechnik herstellen und durch Handwerkskunst und liebe zum Detail begeistern“, schildert Möller. Auch ein Online-Shop wurde etabliert – seit 2016 kann man hier auswählen.

Möller rechnet damit, dass viele Unternehmen die Krise nicht überstehen werden: „Die Branche wird es dieses Jahr hart treffen. Insbesondere die, die von den Auftragsfeuerwerken leben, und die kleinen Fachhändler, die durch die Schließung des Einzelhandels betroffen sind.“ Und das wird Konsequenzen haben für viele Betriebe: „Dieser Beschluss vom Sonntag bedeutet einen Millionenschaden für die ganze Branche und viele Familienbetriebe in Deutschland werden das nicht überleben.“

Viele Supermärkte hatten sich schon vor dem Lockdown und dem Verkaufsverbot entschieden, in diesem Jahr keine Feuerwerkskörper zu verkaufen. Das sieht Möller als Chance für 2021: „ Für die nächsten Jahre sehe ich den Verzicht von Supermärkten eher als Chance für die Branche. Feuerwerk gehört in den Fachhandel und nicht in einen Baumarkt, bei dem sich weder der Einkäufer, noch der Verkäufer mit dem auskennt, was er da verkauft.“ Denn: Bei unsachgemäßer Handhabung kann es zu schweren Verletzungen kommen. „Grundsätzlich muss man unterscheiden zwischen illegal produzierten Feuerwerksartikeln (zum Beispiel auch Produktfälschungen) und Feuerwerkskörpern, die regulär produziert und auch eine Prüfung und Zulassung haben, in Deutschland aber aufgrund unser Gesetze und der Eigenschaften des Feuerwerksartikels nicht für den normalen Endverbraucher zugelassen sind“, sagt Möller. Im Knallbereich betreffe dies vor allem Knallkörper mit Blitzsatz. „Diese sind in vielen Nachbarländern für den normalen Endverbraucher erlaubt und haben auch eine Zulassung und Prüfung in CE F2. In Deutschland sind Knallartikel mit Blitzsatz fachkundigen Personen (Pyrotechnikern) vorbehalten, da das deutsche Sprengstoffrecht für normale Endverbraucher Bodenknallkörper nur mit Schwarzpulver erlaubt. Darum kaufen Sie Feuerwerk nur im deutschen Handel. Hier haben alle Artikel eine CE-Zulassung, zu erkennen an der aufgedruckten CE-Nummer. Der Händler ist verpflichtet, alle Artikel, die er abgibt, zu prüfen, und wird durch die Marktaufsicht bei Produktfälschungen informiert“, sagt Möller.

Die Branche hofft, dass es 2021 wieder ein normaleres Jahr wird – mit öffentlichen Feuerwerken und einer Silvesternacht, die nicht so still wird wie die in diesem Jahr.


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