06.09.2019, 21:21 Uhr

„Pinselohr“ in Not Schwarzacherin rettet Jung-Luchs vor dem Hungertod


Simone Vogelgesang aus Schwarzach (Lkr. Straubing-Bogen) hörte im Garten ein merkwürdiges Geräusch. Als sie nach dem Rechten sah, traute sie ihren Augen kaum …

STRAUBING-BOGEN Den gestrigen Donnerstag wird Simone Vogelgesang wohl nie vergessen. Unweit des Bauernhauses ihres Lebensgefährten am Grandsberg (Gemeinde Schwarzach) hat die 37-Jährige am helllichten Tag einen Luchs entdeckt.

Es ist etwa 16 Uhr, als Simone Vogelgesang merkwürdige Geräusche im Garten hört. „Es war wie ein Schreien“, erzählt sie. Als sie nach dem Rechten sieht, traut sie ihren Augen kaum. Im hohen Gras kauert ein Luchs. Doch das weiß die 37-Jährige in diesem Moment gar nicht. Ihr erster Gedanke ist: „Um Himmels Willen, wo kommst Du denn her?!“ Auffällig ist: Das Tier ist nicht ängstlich, geht auf wackligen Beinen sogar einige Schritte auf die Frau zu.

Simone Vogelgesang eilt ins Haus, holt ihren Lebensgefährten Manfred Lang. Gemeinsam können sie den tierischen Besucher, der inzwischen in eine Scheune gehuscht ist, einfangen. „Er war fast schon zutraulich“, erzählt sie. Hin und wieder ein leises Knurren, „ansonsten war er ziemlich relaxt“, erzählt die 37-Jährige. Die beiden nehmen den Vierbeiner genauer unter die Lupe. Die auffälligen Pinselohren sind der Beweis: Es ist ein Luchs.

Luchse sind äußerst selten, waren in der Region schon nahezu ausgerottet. Deutschlandweit soll es nur knapp über 100 Exemplare in freier Wildbahn geben. Dass sich die nachtaktive Raubkatze in die Nähe von Menschen verirrt, ist äußerst ungewöhnlich.

Simone Vogelgesang und Manfred Lang bringen den Luchs am selben Nachmittag in die Schwarzacher Tierarztpraxis Dr. Weinzierl & Pietsch-Weinzierl, dort wird er medizinisch versorgt. Es ist ein männliches Jungtier, etwa drei Monate alt. Der Vierbeiner ist abgemagert, bringt kaum drei Kilo auf die Waage. Ohne menschliche Hilfe hätte er keine Überlebenschance gehabt. Hier gibt‘s ein Video des geretteten Luchses

Im Garten wurde der halb verhungerte Luchs entdeckt (Foto: privat)

Nach der Erstversorgung werden der örtliche Jäger sowie Expertin Sybille Wölfl („Luchsprojekt Bayern“) informiert. Wölfl hat sich inzwischen des Tieres angenommen, der Luchs soll jetzt behutsam aufgepäppelt werden. Bis er wieder zu Kräften gekommen ist, werden wohl einige Monate vergehen. Anschließend, so ist zu hören, soll das Tier im Bayerischen Wald wieder ausgewildert werden.


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