17.07.2019, 11:38 Uhr

Abzocke durch falschen Kammerjäger Diese Schummel-Rechnung ist jetzt ein Fall für die Straubinger Polizei

Dr. Gerhard Raginat mit der fingierten Rechnung: „Mein Unternehmen wird in ein schlechtes Licht gerückt.“ (Foto: Casdorf)Dr. Gerhard Raginat mit der fingierten Rechnung: „Mein Unternehmen wird in ein schlechtes Licht gerückt.“ (Foto: Casdorf)

Fingierte Rechnung, Wucherpreis – Dr. Gerhard Raginats Firma für Schädlingsbekämpfung in Atting (Lkr. Straubing-Bogen) wurde für eine dreiste Abzocke missbraucht

STRAUBING/ATTING Dr. Gerhard Raginat fiel kürzlich aus allen Wolken: Bei seiner Firma für Schädlingsbekämpfung in Atting meldete sich Anfang des Monats eine erboste Frau. Grund der Beschwerde: Eine durchgeführte Maßnahme wegen Käferbefalls in ihrem Haus in Straubing habe überhaupt nichts gebracht. Das Ungeziefer-Problem bestehe weiter. Dies sei nicht zu akzeptieren, schimpfte die Frau, schließlich habe sie dem Kammerjäger ja eine Menge Geld bezahlt.

Bei einem persönlichen Treffen wenig später traut Raginat seinen Augen kaum: Die Frau legt ihm die Rechnung vor, die sie nach dem Einsatz Ende Juni erhalten hat. Im Adressfeld der angeblich verantwortlichen Firma ist handschriftlich vermerkt: „Schädlingsbekämpfung Desinfektion Raginat GmbH“.

Die Sache hat einen gewaltigen Haken: „Unsere Firma hat nie einen Auftrag von der Dame erhalten, es war auch kein Mitarbeiter von uns vor Ort“, ist Gerhard Raginat fassungslos.

Der 56-Jährige hegt den Verdacht, dass es sich um eine freche Betrugsmasche handelt, um Kunden mit überhöhten Rechnungen abzuzocken.

In dem geschilderten Fall konnte bislang geklärt werden, dass die geprellte Frau im Vorfeld im Internet nach einem Schädlingsbekämpfer gesucht hatte. Sie landete auf der Seite eines unbekannten Anbieters. Wenig später stand ein Mann vor der Tür, der sich als Mitarbeiter der Firma Raginat ausgab – und kräftig abkassierte.

Das Geld für den (erfolglosen) Käfer-Einsatz wurde vor Ort in bar eingetrieben: Fast 860 Euro musste die Straubingerin zahlen. „Wucher ist das“ so Raginat. Angemessen seien nicht mehr als 150 Euro. Unklar ist auch, ob Leistungen, die auf der Schummel-Rechnung angegeben wurden, auch tatsächlich erbracht wurden.

Ein Einzelfall? „Wie oft so etwas schon passiert ist, ist völlig unklar“, so Raginat. Er sieht den guten Ruf seiner Firma in Gefahr, wenn weiterhin fingierte Arbeitseinsätze und Rechnungen in seinem Namen gestellt werden. „Mein Unternehmen wird in ein schlechtes Licht gerückt“, erklärt Raginat. Auch steuerrechtlich könnten die dubiosen Rechnungen zu gewaltigen Problemen führen.

Inzwischen hat sich der 56-Jährige einen Rechtsanwalt genommen, Anzeige gegen Unbekannt wegen Betrugs wurde erstattet. Auch die geprellte Frau soll die Polizei eingeschaltet haben.


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