03.01.2021, 16:57 Uhr

Rückblick Das Schicksal Maria Baumers beschäftigte uns über Jahre

Maria Baumer war kurz vor ihrem Verschwinden zur Vorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern gewählt worden. Foto: KLJBMaria Baumer war kurz vor ihrem Verschwinden zur Vorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung in Bayern gewählt worden. Foto: KLJB

„Das Urteil ist gefallen – lebenslange Haft für Mord an Maria Baumer“, so lautete am Dienstagabend, 6. Oktober, unsere Schlagzeile. Ein Prozess ging zu Ende, der gleichzeitig den (vorläufigen) Endpunkt zu einem Fall setzt, der auch uns seit vielen Jahre beschäftigt hat. Genauer gesagt seit Anfang Juni 2012 ...

Regensburg. Es begann alles mit einem Posting der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), die voller Sorge auf Facebook eine Suchmeldung nach ihrer gerade frisch gewählten Vorsitzenden veröffentlichte. Kurz darauf folgte die Meldung des Polizeipräsidiums Oberpfalz – man ging damals noch von einer Vermisstensache aus. Im Laufe der Monate wurden seitens der Polizei vielen Spuren nachgegangen. Am 28. November 2012 schaltete sich die Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ ein, dort berichtete Marias damaliger Verlobter Christian F., ebenso war ihre Zwillingsschwester Barbara im Studio bei Rudi Cerne. Fast acht Jahre später sollten sie sich wieder bei einem wichtigen Termin begegnen – diesmal im Gerichtssaal! Christian F. war angeklagt, seine damalige Verlobte getötet und im Kreuther Forst, einem Waldstück bei Bernhardswald im Landkreis Regensburg, vergraben zu haben!

Der Fall Maria Baumer hat eine ganze Region beschäftigt – zunächst hatte man gehofft, die damals 26-Jährige schnell wiederzufinden. Dazu wurden Suchhunde in halb Deutschland herumgeschickt, man suchte auf dem Jakobsweg, hörte Telefone ab – doch die Suche blieb erfolglos. Bis zum 8. September 2013, da fanden Pilzsammler die sterblichen Überreste der jungen Frau im Kreuther Forst. Schnell geriet der Verlobte ins Visier, kam in U-Haft – und wurde wieder entlassen. Konkrete Spuren und Hinweise auf eine Täterschaft ergaben sich nicht – auch nicht in den folgenden Jahren. Der Tod Maria Baumers drohte, zum Cold Case zu werden.

Am 12. Dezember 2019 dann die Wende – die Staatsanwaltschaft Regensburg berichtete bei einer Pressekonferenz, dass am 3. Dezember 2019 Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden sei, dieser Haftbefehl sei am 11. Dezember 2019 vollzogen worden. Der ehemalige Verlobte sitzt jetzt wieder in U-Haft!

Über 320 Spuren waren abgearbeitet worden, nun sei man sicher, dass Christian F. seine damalige Verlobte zumindest betäubt und getötet habe. Diese neuerliche Verhaftung hielt Stand: Am 1. Juli startete der Prozess vor dem Landgericht Regensburg.

Am 6. Oktober 2020 wurde Christian F. wegen Mordes an Maria Baumer zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Eine fahrlässige Überdosierung von Lorazepam und Tramadol sei ausgeschlossen, ebenso ein Unfalltod. Auch für einen Suizid fehlten nach Ansicht des Gerichtes jegliche Anhaltspunkte. Der Angeklagte habe falsche Spuren gelegt, seine Mitmenschen getäuscht und ein Lügengebäude um das Verschwinden Marias gebaut.

F. hat Revision gegen das Urteil eingelegt. Eine Entscheidung hierzu steht noch aus.


0 Kommentare