14.10.2020, 10:37 Uhr

Justiz Urteil im Fall Maria Baumer – Lebenslang für Mord an Verlobter


Christian F. hat Maria Baumer ermordet – da ist sich die Kammer am Landgericht sicher!

Regensburg. Es war ein Fall, der deutschlandweit, ja, sogar über die Grenzen hinaus für Aufsehen gesorgt hatte. Wo ist Maria Baumer? Die damals 26-Jährige war Ende Mai 2012 plötzlich aus der Wohnung in Regensburg verschwunden. Anfang September 2013 wurde die Leiche im Kreuther Forst entdeckt. Ihr damaliger Verlobter wurde am Dienstag, 6. Oktober zu einer lebenslangen Haft verurteilt – wegen Mordes an Maria. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest.

Der Angeklagte Christian F. sitzt regungslos, wie auch schon die vergangenen Verhandlungstage, auf der Anklagebank. Die Ausführungen des Vorsitzenden Richters Dr. Michael Hammer nimmt er emotionslos zur Kenntnis. Ist er wirklich so emotionslos? Oder spielt er allen nur etwas vor?

Mit der Schauspielerei hat der 36-Jährige schon Erfahrung: Im ZDF berichtete er in der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ über die Suche nach Maria, damals ging man noch von einem Vermisstenfall aus. In Erinnerung ist noch die Szene, in der Christian F. in einer Kirche steht und eine Kerze für die vermisste Maria anzündet. Heute wissen wir: Christian F. hatte die tote Maria viele Monate zuvor im Wald bei Bernhardswald vergraben. Mit ihrem Tod aber will er weiterhin nichts zu tun haben.

Das Landgericht Regensburg hat nun ein eindeutiges Urteil gesprochen: schuldig wegen Mordes an Maria Baumer! Eine fahrlässige Überdosierung von Lorazepam und Tramadol sei ausgeschlossen, ebenso ein Unfalltod. Auch für einen Suizid fehlten nach Ansicht des Gerichtes jegliche Anhaltspunkte. Maria habe konkrete Pläne für ihre Zukunft gehabt, die Hochzeit stand bevor, gerade erst hatte sie ihre neue Arbeitsstelle angetreten. Auch über Kinder habe sie nachgedacht. „Es steht ohne jeden Zweifel fest, dass ihr die Medikamente heimlich durch den Angeklagten beigebracht worden sind“, so Hammer in der Urteilsbegründung. Die Medikamente seien ihr verabreicht worden, um sie zu töten. Durch die Sedierung sei sie widerstandslos gewesen und so ein Ersticken oder Erwürgen möglich. „Eine andere Todesursache ist praktisch auszuschließen“, so Hammer. Als Motiv erkannte das Gericht die Sehnsucht F.s , einer Patientin, die er als Krankenpfleger betreut hat, näher zu kommen. Maria habe ihm hier im Weg gestanden. Das Gericht sah die Mordmerkmale der Heimtücke und der niedrigen Beweggründe als gegeben an. Maria sei „so arg- und wehrlos, wie ein Mensch nur sein kann, gewesen“, so Hammer. Der Angeklagte habe aus „nüchternem Kalkül“ gehandelt, um den Weg frei zu machen für eine Beziehung zur genannten Patientin. Pikant an der Sache: Die junge Frau sah in Christian F. nur einen Freund, nicht aber einen möglichen Partner. Vor Gericht hatte sie geschildert, dass ihr die Annäherungsversuche zu viel wurden. Den offenen Konflikt mit Maria und eine Trennung habe der Angeklagt gescheut, eine Trennung „wäre ein dramatischer Gesichtsverlust“ gewesen, den der Angeklagte nicht riskieren wollte. Nach Überzeugung der Kammer hat Christian F. Maria getötet und die Leiche im Wald vergraben. Danach habe er falsche Spuren gelegt, seine Mitmenschen getäuscht und ein Lügengebäude um das Verschwinden Marias gebaut.

Der Haftbefehl wurde aufrecht erhalten, durch die Verurteilung zu einer lebenslangen Haftstrafe bestehe Fluchtgefahr, so Hammer. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig, Christian F. hat Revision eingelegt. Dieser Fall hat also mit dem Urteil nur ein vorläufiges Ende genommen.


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