31.01.2020, 08:44 Uhr

78 Menschen gerettet „Sea-Eye“-Schiff „Alan Kurdi“ vor planmäßiger Wartung in spanischer Werft

(Foto: Karsten Jäger/Sea-Eye)(Foto: Karsten Jäger/Sea-Eye)

Am Samstag, 25. Januar, rettete die zehnte Crew des deutschen Rettungsschiffes „Alan Kurdi“ insgesamt 78 Menschenleben von zwei hochseeuntauglichen Booten.

REGENSBURG Vier Tage später evakuierte die maltesische Army die Geretteten auf See. Noch am Sonntag lehnten die maltesischen Behörden die Ausschiffung der Geretteten ab. So sei Malta weder zuständig, noch habe man weitere Kapazitäten, um aus Seenot gerettete Schutzsuchende aufzunehmen. Es gäbe eine Einigung mit anderen EU-Mitgliedsstaaten. Deshalb solle sich das Schiff an den nächsten Küstenstaat wenden.

Trotz des schlechten Wetters und der gefährlichen Fluchtbedingungen fliehen in diesen Tagen besonders viele Menschen aus Libyen. Hilfsorganisationen wie „Sea-Eye“ retteten in den vergangenen Tagen rund 800 Menschen. Der UNHCR erklärte schon vor einer Woche, dass die Lage in Libyen „außer Kontrolle“ geraten sei und dass man nicht einmal mehr „minimale Sicherheitsstandards für Flüchtlinge“ zu garantieren vermöge. Der Versuch, die europäische Marinemission „Sophia“ wiederzubeleben, scheiterte an den Regierungen von Österreich und Italien.

Auf der „Alan Kurdi“ mussten 78 Gerettete aus 20 unterschiedlichen Herkunftsländern auf die Zuweisung eines sicheren Ausschiffungshafens warten. Einige der Geretteten berichteten, drei Tage unterwegs gewesen zu sein und das Bouri Oilfield durchquert zu haben. Dabei hätte auch ein Frachtschiff ihren Kurs gekreuzt und sei ihnen ausgewichen. Die Geretteten des zweiten Bootes berichteten dem „Sea-Ey“e-Menschenrechtsbeobachter Todesangst gehabt zu haben, als ihr Boot von mehreren Haien umkreist worden sei.

Als Einsatzleiterin Johanna Pohl die Geretteten am Dienstagabend informierte, dass die Menschen von einem maltesischen Militärschiff abgeholt werden würden, um nach Malta übernommen zu werden, äußerten viele Schutzsuchende große Ängste, zurück nach Libyen gebracht zu werden. Nur mit großer Anstrengung konnte die Crew die Menschen beruhigen und glaubhaft vermitteln, dass dies nicht der Grund dafür sei, dass Malta die „Alan Kurdi“ nicht anlegen lässt.

Die „Alan Kurdi“ hat nun Kurs auf den spanischen Hafen von Burriana gesetzt. Dort wird das 70 Jahre alte Rettungsschiff einer planmäßigen Wartung unterzogen. Zuletzt war die „Alan Kurdi“ im Mai im Trockendock. Seither absolvierte das Schiff sieben weitere Missionen. Keine einzige Mission verlief ohne eine oder mehrere Rettungen. „Diese vielen, schweren Stunden werden wir nie vergessen. Nun muss es uns gelingen, bis zu 120.000 Euro für die Wartungen und den Austausch von zwei Generatoren zu sammeln. Wir hoffen, dass wir Mitte März in die elfte Mission starten können“, sagt Gorden Isler, Vorsitzender, von „Sea-Eye“ e. V.. Die Regensburger Seenotretter sind dann für den Rest des Jahres einsatzfähig.


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