23.01.2020, 12:57 Uhr

Interkulturelle Kompetenz Gemeinsam ist besser – Projekt „Women Together“ stärkt geflüchtete Frauen in Regensburg


Ein neues Projekt des Vereins Campus Asyl stärkt geflüchtete Frauen durch interkulturelle Kompetenzkurse. Das Projekt „Women Together“ ist Mitte November 2019 gestartet und wird für drei Jahre vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert. Hauptzielgruppe sind geflüchtete Frauen mit Bleibeperspektive.

REGENSBURG Abends ist im EJSA-Familienzentrum in Regensburg normalerweise nicht mehr so viel los. Im ganzen Gebäude ist es dunkel und still – bis auf einen Raum. Hier brennt Licht, man hört Frauenstimmen und ab und zu ein Lachen. Ein Mal in der Woche sitzen hier geflüchtete Frauen im Kreis und führen Gespräche. Sie bilden die Gruppe „Women Together“, ein neues Projekt des Vereins Campus Asyl. Das Projekt ist Mitte November 2019 gestartet und wird für drei Jahre vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert. Hauptzielgruppe sind geflüchtete Frauen mit Bleibeperspektive. Die Kurssprache ist Deutsch. Da viele Frauen Kinder haben, wird auch eine parallele Kinderbetreuung angeboten. In den insgesamt sieben Kursen in drei Jahren will das neue Projekt einen „Safe Space“ schaffen, also einen Ort, an dem sich die Frauen so ausdrücken und ausleben können, wie sie sind. Zusammen mit Projektkoordinatorin Christiane Schraml wollen die Teilnehmerinnen durch interkulturelle Kompetenzkurse ihre persönlichen Stärken weiterentwickeln und sich miteinander vernetzen. Schraml leistete dafür ganz intensiv aufsuchende Arbeit und suchte an verschiedenen Orten viele Gespräche mit vielen verschiedenen Frauen.

Eine davon ist Rafel, sie kommt aus dem Irak und ist seit vier Jahren in Deutschland. Sie ist aus ihrer Heimatstadt Bagdad über die Türkei mit dem Flugzeug nach Deutschland geflüchtet, denn ihre Familie ist christlich und das Christentum ist im Irak eine verfolgte Minderheit. „Ich fühle mich, als wäre ich 49 Jahre alt und nicht 29, mit dem, was ich erlebt habe“, erzählt Rafel. Doch sie habe ihren Platz hier gefunden. Im Irak hat Rafel Informatik studiert, durfte dort aus verschiedenen Gründen aber nicht als Informatikerin arbeiten und war daher als Kosmetikerin tätig. In Regensburg macht sie im zweiten Lehrjahr bei der Diözese eine Ausbildung zur Fachinformatikerin. Rafels Geschichte ist sehr bewegend, doch sie betont, es gäbe auch viel schlimmere Geschichten und sie kenne viele Frauen, die zu Fuß oder mit dem Schiff geflüchtet sind. Genau deshalb will Rafel anderen Frauen helfen und bereitet mit Schraml und zwei weiteren Teilnehmerinnen von „Women Together“ den ersten Kurs „Frauen und Empowerment“ vor.

Die Gruppe ist eine bunte Mischung aus Frauen verschiedenen Alters, verschiedener Ausbildung und verschiedener Herkunft. Sie kommen zum Beispiel aus Syrien, dem Irak, Eritrea, Äthiopien oder Somalia. Der Orient sei eine sehr „männliche Gesellschaft“, für die Frauen ist deshalb der „Safe Space“ sehr wichtig und sie wollen sich entfalten und gemeinsam stärker werden. „Miteinander zu sein macht was Großes aus, ich habe keine Angst mehr, wir trauen uns, unsere Gedanken auszusprechen, das Gesagte bleibt immer unter uns“, erklärt Rafel den „Safe Space“. Die Projektkoordinatorin Schraml ist immer dabei und bringt diese Gedanken zum Ausdruck. Schraml ist es sehr wichtig, die vielfältigen Ressourcen der Frauen zu nutzen und so gestaltet sich das Projekt sehr partizipativ. „Was ist mein Weg als Frau hier in Deutschland?“ sei eine Schwerpunktfrage der Kurse. Um diese Frage jeweils für sich selbst beantworten zu können, werden im Verlauf des Projekts die unterschiedlichsten Themen behandelt: Frauenrechte, Gender, Gesundheit, Ausbildung und so weiter. Demnächst wird es einen Selbstverteidigungskurs geben und die Frauen haben bereits ganz viele Ideen für Themen oder auch Ausflüge. Für jedes Thema nimmt sich Schraml so viel Zeit, wie gebraucht wird, das ist bei manchen Treffen mehr und bei anderen weniger. „Wir starten bei Bedürfnissen und Erwartungen“, erklärt Schraml. Letztendlich geht es auch darum, Freundinnen zu finden, und das, so Rafel, sei auf jeden Fall bereits geschehen.

Bei Interesse oder Fragen zum Projekt kann man sich bei Projektkoordinatorin Christiane Schraml per Mail an christiane.schraml@campus-asyl.de oder unter der Telefonnummer 0176/ 55227611 melden.


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