20.03.2019, 07:34 Uhr

Interview mit Schülerzeitung Erstmals sprechen die Kinder von Joachim Wolbergs – „wir stehen hinter unserem Papa“

Die mehrfach ausgezeichnete Schülerzeitung des Von-Müller-Gymnasiums bringt ungewöhnliche Einblicke in die Familie Wolbergs.Die mehrfach ausgezeichnete Schülerzeitung des Von-Müller-Gymnasiums bringt ungewöhnliche Einblicke in die Familie Wolbergs.

Die preisgekrönte Schülerzeitung des Von-Müller-Gymnasiums, das die 16-jährige Anna und der 18-jährige Tim Wolbergs besuchen, hat ein Interview mit den beiden veröffentlicht. Darin geben sie Einblicke in eine Familie, die durch die Hölle gegangen ist.

REGENSBURG Es ist bislang der ungewöhnlichste Text, der in der sogenannten Spendenaffäre erschienen ist. Wie Joachim Wolbergs, der suspendierte Oberbürgermeister von Regensburg, denkt über das Verfahren und die Ermittlungen gegen ihn, war Gegenstand zahlreicher Interviews und ist immer freitags auf Facebook in einem Video zu sehen. Anja Wolbergs hat sich in einem Roman und in anschließenden Interviews geäußert. Aber das, was nun ausgerechnet eine Schülerzeitung präsentiert, gewährt Einblicke in eine prominente Familie, wie man sie sich nie hätte vorstellen können. Das Von-Müller-Gymnasium wurde mehrfach für ihre Schülerzeitung „Blickkontakt“ ausgezeichnet. Jetzt weiß man auch, warum: Ein solches Interview hätte sich wohl in den etablierten Medienhäusern kaum jemand anzufragen getraut.

Gesprächspartner sind nämlich die Kinder von Joachim und Anja Wolbergs, Anna und Tim. „Eltern hetzen ihre Kinder in Schönheitswettbewerbe. Menschen verlieren sich in Sekten. Andere werden von irrealen Ängsten geplagt. Und einige von uns müssen einfach verdammt extreme Erfahrungen machen“, heißt es in einem Vorwort der Schülerzeitungs-Macher. „Wie es ist, wenn der eigene Vater wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wird, und welch gravierende Folgen das für eine Familie mit sich bringt, erfahrt ihr in einem bewegenden Gespräch mit Anna und Tim Wolbergs.“

Eindrücklich schildern die Geschwister die Belastungen durch die Ermittlungen. „Ja, wir drei mussten uns Halt geben“, sagt etwa Tim Wolbergs und meint seine Schwester, die Mutter und ihn. „Und als der Papa im Gefängnis war, mussten wir den natürlich auch stützen. Das überstehst du nicht, wenn du das nur mit dir selber ausmachst.“ Auch die Tatsache, dass grundrechtewidrig private Gespräche abgehört wurden, thematisieren die Wolbergs-Kinder. „Zum Beispiel, als Timmi daheim besoffen ,Pen Pineapple Apple Pen‘ singt, steht dann da geschrieben: Sohn leicht angetrunken“, schildert Anna Wolbergs merklich empört über die Abhör-Methoden. „Ich habe nie gedacht, dass wir abgehört wurden, weil der Staat das eigentlich nicht mehr abhören darf, sobald du Privatgespräche führst“, sagt Wolbergs‘ Tochter. Sie habe sich gedacht: „Was hören die noch ab?“

„Ich musste Mama trösten“, sagt Anna Wolbergs

Erschütternd auch die Schilderungen, wie Anja Wolbergs beginnt, psychische Probleme aufgrund der Umstände zu entwickeln. „Immer wenn ein Auto vorbei gefahren ist, dachte sie, es würde sie verfolgen“, sagt Anna Wolbergs. „Und es gab auch eine Zeit, in der sie weinend auf der Couch saß und eher ich sie trösten musste.“

Tim Wolbergs, der inzwischen volljährig ist und ein großgewachsener, schlanker junger Mann, hat die Ermittlungen und was über die Familie hereinbrach, leichter weggesteckt. „Während die Anderen sich in psychologische Behandlung begeben haben, habe ich besonders mit Freunden und Bekannten geredet, mit denen ich das ganze verarbeiten konnte,“ sagt Tim Wolbergs. Anna Wolbergs empfand es als Blase, keiner habe sich ihr genähert, als der Vater ins Gefängnis musste. „Ich hätte mir gewünscht, dass man mich ehrlich anspricht“, sagt sie.

Was Tim Wolbergs von den Ermittlungen hält, sagt er in dem Gespräch auch: „Ich fühle permanente Wut, weil ich finde, dass meinem Vater unrecht getan wird.“ Anna Wolbergs war erschüttert, als ihr eine Mitschülerin sagte: „Hillary Clinton ist genau wie unser Bürgermeister. Mit Spendengeldern geht alles.“ Doch sie wollte ihre Mutter mit solchen Attacken nicht auch noch belasten. Anna Wolbergs sagt es in Jugendsprache: „Das war der Punkt, an dem ich gemerkt habe, ich muss mit meiner Scheiße selbst klar kommen.“

Übrigens ist der Text nicht das einzige interessante Interview in der Schülerzeitung. Auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze kommt zum Zug. Die haben die Schüler nach ihrem umstrittenen Instagram-Foto aus den USA mit Eis und Plastiklöffel befragt. Aber das ist wiederum eine ganz andere Gesichte.