23.01.2019, 10:12 Uhr

Verbindliche Empfehlung Hannover kratzt an der deutschen Sprache – Kolleginnen und Kollegen bekommen einen Gender-Star

Juliane Steeger, Maren Gehrke, Elfriede Lorenz, Grace Proch und Friederike Kämpfe präsentieren den Info-Flyer für die neue Regelung. (Foto: LHH)Juliane Steeger, Maren Gehrke, Elfriede Lorenz, Grace Proch und Friederike Kämpfe präsentieren den Info-Flyer für die neue Regelung. (Foto: LHH)

In Deutschland grassiert seit einigen Jahren das Gender-Fieber. Alles muss für Männer und Frauen passend gemacht werden, seit dem 1. Januar ist nun auch noch auf „diverse“ Personen Rücksicht zu nehmen. In der Stadt Hannover gibt es dazu nun Empfehlungen „für eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache“. Ein detaillierter Flyer erklärt, wie man in Hannover künftig zu verfahren hat – und dabei ist man (oder frau?) wohl etwas übers Ziel hinaus geschossen!

HANNOVER „Verwaltungssprache soll alle Menschen ansprechen. Frauen und Männer und jene, die sich nicht als Frau oder Mann selbst beschreiben“, heißt es in dem Flyer, den man sich downlaoden kann. „Deshalb sollen zukünftig von der Verwaltung geschlechtsumfassende Formulierungen (zum Beispiel Beschäftigte, Sachgebietsleitung) verwendet werden. Wenn eine geschlechtsumfassende Formulierung nicht möglich ist, ist der Gender-Star (zum Beispiel Antragsteller*innen) zu verwenden.“ Bei diesem Satz fängt das Problem schon an, denn die Formulierung „die Verwaltung“ ist nach den neuen Richtlinien bereits falsch, es müsste wohl künftig „Personen in der Stadtverwaltung“ oder „Mitarbeitende der Stadtverwaltung“ heißen. Aber das nur am Rande ...

Die neue „Regelung gilt für sämtlichen Schriftverkehr der Verwaltung – Mails, Präsentationen, Broschüren, Presseartikel, Drucksachen, Hausmitteilungen, Flyer, Briefe – und schließt somit auch Formulare ein“, heißt es seitens der Stadt. „Vielfalt ist unsere Stärke – diesen Grundgedanken des städtischen Leitbilds auch in unserer Verwaltungssprache zu implementieren, ist ein wichtiges Signal und ein weiterer Schritt, alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht anzusprechen“, erklärt Oberbürgermeister Stefan Schostok. Und es geht noch weiter: Selbst vor dem Rednerpult oder der Rednerliste macht die Stadt nicht Halt, hier wird ab sofort von Redepult und Redeliste gesprochen. Frau und Herr Schulz dürfen so auch nicht mehr benannt werden, hier empfiehlt die Stadt, immer die Vornamen zu ergänzen. Und wenn Kinder im Spiel sind, wird aus Frau und Herrn Schulz mal eben die Familie Schulz. Wenn gar keine Lösung ist Sicht ist, setzt die Stadt Hannover auf das Sterchen: „Eine geschlechtsumfassende Ansprache ist nicht immer möglich. In diesen Fällen gilt es, den Gender-Star zu nutzen.“ Den gibt es zwar laut Duden, dem offiziellen Regelwerk zur deutschen Sprache nicht, aber das muss die Stadt ja nicht interessieren, man macht sich seine Regeln eben einfach selbst.

„Mit Zustimmung des Oberbürgermeisters und der Dezernent*innenkonferenz wird mit diesen neuen Regelungen die aus dem Jahr 2003 stammende ,Empfehlung für eine zeitgemäße, Frauen und Männer angemessen berücksichtigende Verwaltungssprache‘ abgelöst“ teilt die Stadt mit. „Die neue Empfehlung wurde unter Beteiligung des Gesamtpersonalrates, der Personalentwicklung, des Referates für Frauen und Gleichstellung, der Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt sowie des Bereiches Kommunikation erarbeitet.“ Veröffentlicht hat die Stadt ihre Mitteilung zum Thema am Freitag, 18. Januar. Garniert ist sie mit einem Foto: Darauf sind Juliane Steeger, Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt der Landeshauptstadt Hannover, Maren Gehrke vom Referat für Frauen und Gleichstellung der Landeshauptstadt Hannover, Elfriede Lorenz, Gesamtpersonalrat der der Landeshauptstadt Hannover, Grace Proch, Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt der Landeshauptstadt Hannover, und Friederike Kämpfe, Referat für Frauen und Gleichstellung der Landeshauptstadt Hannover, zu sehen. Sie halten lachend den neuen Flyer in die Kamera. Was man auf dem Bild vermisst, sind Männer ... im Sinne der Gleichberechtigung sollte die Stadt Hannover hier schleunigst auch auf Fotos Abhilfe schaffen.

Nun, so ganz unsinnig ist der Flyer am Ende dann doch nicht, denn er widmet sich auch der deutschen Grammatik. Und da gibt es tatsächlich Fehler, die sich eingeschlichen haben. Die Kirche ist nun mal kein Arbeitgeber, sondern eine Arbeitgeberin. Die Stadt Hannover ist kein Herausgeber, sondern eine Herausgeberin und die Organisation ist kein Partner, sondern eine Partnerin. Hier setzt die Stadt Hannover tatsächlich aufs richtige Pferd!


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