09.01.2019, 15:37 Uhr

Schlag ins Gesicht „Mit 50 Jahren bin ich nicht in der Lage, eine Frau mit 50 zu lieben“

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„Mit 50 Jahren bin ich nicht in der Lage, eine Frau mit 50 zu lieben“, sagt der französische Schriftsteller Yann Moix. Nun werden die meisten Deutschen noch nie ein Buch von dem Mann gelesen haben. Dennoch sorgt die Aussage gerade für blankes Entsetzen. Warum eigentlich?

DEUTSCHLAND Zunächst einmal scheint dieser Mann eines nicht verstanden zu haben: Was Liebe eigentlich ist. Wer Liebe allein über die sexuelle Anziehung definiert, nun, der macht sich abhängig von visuellen Reizen. Und da kann man sagen, was man will: Diese Reize welken. Allerdings geschlechtsübergreifend.

Vieles deutet darauf hin, dass der Autor Liebe also rein sexuell definierte. „Mit 50 Jahren bin ich nicht in der Lage, eine Frau mit 50 zu lieben“, sagte Moix im Interview mit dem Magazin „Marie Claire“. Er bevorzuge die Körper junger Frauen, sagte er nämlich: „Der Körper einer 25-Jährigen ist außergewöhnlich. Der Körper einer 50-Jährigen ist überhaupt nicht außergewöhnlich.“

Nun könnte man also diese Sätze getrost zur Seite legen, denn so gesehen hat der Autor ja offenbar nicht so viel über Frauen über 50 gesagt, sondern vielmehr etwas über seine Erektionsfähigkeit. Mit 50 sind die Penisse von Männern eben häufig schwerer in die Höhe zu bringen, abgenutzt von vielen Liebesaffären und gescheiterten Ehen vielleicht, häufiger aber von allzu viel Youporn-Konsum.

Man kann aber den Spieß auch umdrehen: Heidi Klum hat es ja vorgemacht. Erstens finden erfolgreiche Frauen knackige junge Männer auch anziehender als alte Knacker. Zweitens: Offenbar erigieren jüngere männliche Geschlechtsteile bei durchtrainierten Heidis eben doch.

Nun wird sich ja in unserer Gesellschaft oft gehörig über Paare das Maul zerrissen, die einen großen Altersunterschied aufweisen. Gott sei Dank leben wir in einer Zeit, in der Liebe nicht mehr strafbar ist, wenn alle Beteiligten volljährig sind. Es sagt natürlich viel über eine Gesellschaft aus, die dem erfolgreichen Manager wohlwollend auf die Schulter klopft, wenn er sich die Sekretärin angelt. Ein Abziehbild dieser Karikatur ist der amerikanische Präsident, der Ivana Trump mit dem Modell Melania ersetzte. Und dennoch gilt: Wo sich Liebende finden, da sollte der Stab fern sein, den man bricht.

Und doch kann man sehr wohl über Yann Moix richten. Am Ende wollte der alternde Autor aber vielleicht auch nur Aufmerksamkeit. Und möglicherweise kompensiert er mit jungen Freundinnen einfach auch sein schwindendes Selbstbewusstsein. Denn eines ist klar: Wer beim Anblick von Frauen über 50 keinen hochbekommt, dem kommt beim nackten Blick in den Spiegel wohl auch das kalte Grausen.