31.12.2018, 09:07 Uhr

Rentnerin kennt sich nicht mehr aus Die Polizei sammelt immer mehr hilflose Menschen auf – 2018 waren es mehr als 4.200!

Sanka an Heiligabend am Arnulfsplatz: Allein im Bereich der Polizeiinspektion Süd waren im Jahr 2018 insgesamt 1.080 Menschen orientierungslos. Foto: ceSanka an Heiligabend am Arnulfsplatz: Allein im Bereich der Polizeiinspektion Süd waren im Jahr 2018 insgesamt 1.080 Menschen orientierungslos. Foto: ce

Die Polizei hat im Jahr 2018 mehr als 4.200 hilflose Menschen in der Oberpfalz geholfen, weil sie gerufen wurde. Die Zahlen machen aber auch deutlich: Brennpunkte sind die Innenstädte.

REGENSBURG Immer mehr Menschen sind hilflos und auf Zivilcourage angewiesen! Einen Fall, wie es viele gibt, schilderte die Regensburgerin Gabriele Lauterbach. Kurz vor Weihnachten macht sie eine Beobachtung, die sie aufschrecken lässt. „Ich war gerade mit meinen beiden Hunden Gassi, als ich auf ein seltsames Auto aufmerksam wurde“, schildert die Regensburgerin. Plötzlich sieht sie eine Seniorin, die sichtlich verwirrt versucht, in einen Getränkemarkt im Regensburger Stadtwesten zu gelangen. „Es war nach 22 Uhr! Und die Frau war leicht bekleidet und sehr stark verwirrt!“

Gabriele Lauterbach fasst sich ein Herz, geht hin und spricht die offenbar orientierungslose Seniorin an. „Sie wollte Bier kaufen mitten in der Nacht.“

Als die Regensburgerin bei der Seniorin nachfragt, ob sie Angehörige hat, die man verständigen könnte, gibt diese eine Antwort, wie sie wohl viele alte Menschen geben würden: „Mein Sohn wohnt in München“, den könne man also nicht anrufen.

Weil Gabriele Lauterbach den Verdacht hatte, dass die Seniorin vielleicht schon etwas getrunken haben könnte, rief sie die Polizei. „Sie war ja mit dem Auto unterwegs, man weiß ja nie, wenn Alkohol im Spiel ist.“ Doch dann soll etwas geschehen sein, was die Regensburgerin bis heute fassungslos macht. „Es hat eine geschlagene dreiviertel Stunde gedauert, bis die Polizei gekommen ist“, so Lauterbach weiter. Wie kann das sein? Bei der Polizei räumt man ein, dass die Beamten an jenem 17. Dezember in Regensburg alle Hände voll zu tun hatten. „Zum Zeitpunkt des Notrufes waren die Streifenfahrzeuge im Stadtgebiet in anderen Einsätzen gebunden“, so Polizeisprecher Albert Brück.

Zudem wurde der Einsatz aufgrund der Mitteilung umgehend an die Integrierte Leitstelle übermittelt, „da offensichtlich gesundheitliche Probleme im Vordergrund standen.“

Welche Dimensionen es für die Polizei zwischenzeitlich hat, dass immer mehr Menschen die Orientierung verlieren oder sich selbst nicht mehr helfen könnten, macht diese Zahl deutlich. „Im Jahresverlauf 2018 sind bei der Polizeiinspektion Regensburg Süd bislang über 1.080 Einsätze registriert, die im Zusammenhang ,Hilflose Person‘ stehen“, so Brück. Diese Zahlen sind erschreckend, zeigen aber auch, dass vor allem die Altstadt ein „Hotspot“ ist. Denn im Bereich der Polizeiinspektion Nord, also nördlich der Donau, waren es 300 Menschen, die hilflos herumirrten oder Hilfe benötigten, im Landkreis 357. In der gesamten Oberpfalz, so Brück weiter, wurden im abgelaufenen Jahr 2018 insgesamt 4.266 Menschen gemeldet, die hilflos waren.